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Ost und West · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Date
1914-03-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 3. März 1914. XIV. Jahrg. DIE „POLITIK" DER ALLIAN In letzter Zeit hat man mehrfach und von verschiedenen Seiten versucht, die Alliance Israelite Universelle ihres Charakters einer universellen., rein humanitär sich betätigenden jüdischen Organisation in der Oeffentlichkeit zu entkleiden, die schon früher erhobene aber niemals erwiesene Behauptung, sie diene einseitig national - französischen Interessen, von neuem als Tatsache zu verbreiten. Man sprach von einer politischen Interessiertheit der Alliance und dichtete ihr Bestrebungen an, die weder in ihrem Namen noch in ihrem statutarischen Arbeitsprogramm liegen, und am allerwenigsten durch irgendwelche tatsächlichen Unterlagen gestützt werden. Die Alliance Israelite ist und will nichts anderes sein als eine Vereinigung von Juden aller Länder zu dem einen und einzigen Zwecke, der in ihrer seit mehr als einem halben Jahrhundert unverändert aufrechterhaltenen Grund Verfassung niedergelegt ist: „Ueberau für die Gleichstellung und den moralischen Fortschritt der Juden zu wirken, denen, die in ihrer Eigenschaft als Juden leiden, wirksame Hilfe angedeihen zu lassen, und jeder Schrift ihre Unterstützung zu gewähren, die geeignet ist, diese Ergebnisse herbeizuführen/' — In ihrem Mitgliederbestande von etwa 30 000 befinden sich Juden, die in Frankreich, Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Italien, Holland, England, Amerika, Afrika, Türkei, Rumänien iusw. ihren Wohnsitz haben. Auch die Zentralleitung setzt sich aus Angehörigen verschiedener Länder zusammen. Aus der rein formellen Tatsache, daß der Sitz der Leitung in Paris ist, etwa Schlüsse auf den französischen Charakter der Alliance zu;e israelite universelle. ziehen, wäre ebenso verfehlt, wie etwa anzunehmen, daß das internationale Komitee für Arbeiterschutz eine spezifisch schweizerische Institution sei, weil sein Sitz Basel ist, oder die zionistische Vereinigung eine spezifisch deutsche, weil der Sitz ihrer Leitung Berlin ist. Von der Alliance Israelite Universelle gilt vielmehr noch heute, was mit programmatischer Schärfe nach fünfundzwanzigjähriger Wirksamkeit in einer Festschrift in den Sätzen niedergelegt ist: „Die Alliance ist allgemein (universelle), das heißt, sie wird gebildet aus Teilnehmern aller Länder. Ein Werk, wie das ihrige, kann und darf sich nicht innerhalb der Grenzen eines Landes einschließen. Es muß den Menschenfreunden aller Länder gemeinschaftlich angehören. Die Pflicht gegen das Vaterland liegt allen ob, sie ist die vornehmste Bürgerpflicht, das lehrt die Alliance in ihren Schulen. Ihre Zöglinge lernen die Sprache, die Geschichte, die Geographie der Türkei in der Türkei, die bulgarische in ihren bulgarischen Schulen, die marokkanische in Tanger, Tetuan und Fes. Die Alliance spricht zu ihren Mitgliedern der verschiedenen Länder: Seid gute französische Bürger in Frankreich, deutsche in Deutschland, italienische in Italien. Die Alliance selbst ist eine große Schule der Zivilisation; indem sie alle edlen Empfindungen in den Herzen der Juden entwickelt, kann sie in ihnen das Gefühl der Vaterlandsliebe nur kräftigen/' Ein schöneres Bekenntnis zur absoluten nationalpolitischen Neutralität ist kaum denkbar. Fraglich indessen erscheint jenen/die in der Wirksamkeit der Alliance politische französische Ten-

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