Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 14 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Article
- Dr. Adolf Salvendi
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 141 - 142 (sequence 2)
- Language
- German
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141 Dr. Adolf Salvendi. 142 dürfrns, sich für wohltätige Zwecke zu verwenden, zu befriedigen geeignet War, ist leicht verständlich. Von jeher gehörten in Deutschland die Rabbiner zu den eifrigsten Förderern der Alliance. Von jeher hat es ihnen eingeleuchtet, daß ein Werk, das sich zum Ziele gesetzt, an der Emanzipation der Juden zu arbeiten, für ihren endgültigen Eintritt in die moderne Gesellschaft zu sorgen, ihnen zur Erlangung der Bürgerrechte zu verhelfen, ihre Verteidigung überall, wo sie in ihrer Eigenschaft als Juden leiden, vorzunehmen, ihre kulturelle Hebung zu veranlassen, unmöglich innerhalb einer politischen Grenze eingeschlossen werden durfte, daß es Pflicht eines jeden Juden sei, solche Bestrebungen durch persönliche, moralische wie materielle Beteiligung zu fördern. Gleich in den ersten Jahren nach der Gründung der Alliance hatte sich in seiner kl ein eren schlesisch en Gemeinde, in Liegnitz, ein Mann, Rabbiner Dr. Landsberg, seligen Andenkens, gefunden, der es sich zu Herzen nahm, dem Alliancegedanken in Deutschland Eintritt zu verschaffen. Auf sich allein angewiesen, kämpfte er für die Idee, deren Verwirklichung er sich zur Lebensaufgabe gestellt; er trug den Sieg davon. Nach seinem Hinscheiden gehörte Herr Dr. Salvendi zu denjenigen, die seine philanthropische Tätigkeit zum Besten der Gesellschaft Rabb. Dr. Adolf Salvendi. weiterzuführen übernahmen. Auch er amtierte als Seelsorger in einer kleinen Gemeinde; er verstand es aber, den Kreis seiner Aktion.derart auszudehnen, daß ihm unter allen wohltätigen Menschen, die im Laufe des letzten Halbjahrhunderts ihre Zeit, ihre Arbeit, ihr Herzder Sache unserer Glaubensgenossen gewidmet haben, ein ganz besonderer Platz gebührt. Seit 30 Jahren gehörte er dem Central- Comite der Alliance an. In nie unterbrochener Tätigkeit, mit einer nicht genug zu würdigenden Treue u(nd Liebe stand er dem Verein, in den glücklichen wie in den trüben Tagen, zur Seite. Wo es nur galt, Freunde zu werben, Feindschaft zu entwaffnen, Voreingenommenheit zu bekämpfen, Hilfsmittel zur Linderung der Not unglücklicher oder bedrängter Glaubensgenossen aufzutreiben, immer stand er unter den ersten da; jedesmal, wenn er zum Mitwirken an einer Hilfsaktion, gleichviel, ob für persische oder marokkanische oder russische Juden aufgefordert wurde, klang seine Antwort „Hineni", „ich bin dabei". Nun ist dieser gute Arbeiter ins Jenseits berufen worden. Sein Leben ist ein Vorbild, sein Andenken wird innerhalb der Alliance stets in hohen Ehren gehalten werden und wirken als ein Segen „Secher Zaddik Liwrocho"! FORTBILDUNGSSCHULWERK FÜR DIE SCHULENTLASSENE JUGEND. (Rundschreiben an die Direktoren). Aus politischen und wirtschaftlichen Gründen haben unsere Fortbildungsschulen in der Türkei und in Marokko, den beiden Ländern, in denen unser Schulwerk am notwendigsten gewesen war, und wo es sich am glänzendsten entwickelt hat, erst in der jüngsten Zeit die freundliche Aufnahme gefunden, die sie als Fortsetzung und Krönung unserer Elementarschulen wohl verdienen. Sie kennen diesen Fortbildungsunterricht, der in den westlichen Ländern schon seit einem Jahrzehnt einen bedeutenden Aufschwung genommen hat und dem noch verschiedene andere Werke angegliedert sind: Unterrichtskurse für Erwachsene, Vorträge, Gegenseitigkeitsvereine, Kliniken und Apotheken, Vereine für Sport und Hygiene usw. Es ist dies ein ganzer Verband von Organisationen, die den Zweck haben, den naturgemäß begrenzten Schulunterricht zu vervollkommnen, der heranwachsenden Jugend praktische und nützliche Winke für die Ausübung ihres Berufs zu geben, ihr den Geschmack an gesunder Beschäftigung einzuflößen, sie auf diese Weise dem Müßiggang und .ungesunden