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Ost und West · 1914-01-01 · Heft 1 (Januar 1914) · p. Seite 53 - 54

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 1 (Januar 1914)
Article
Dr. David Hofmann, Rektor des Rabbinerseminars zu Berlin
Date
1914-01-01
Page
Seite 53 - 54 (sequence 2)
Language
German
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53 Dr. Eppenstein: Dr. David Hofmann, Rektor des Rabbinersiminars zu Berlin. 54 Fortsetzung folgt —, wo er deren Haltlosigkeit treffend nachwies, so daß auch allmählich bei früheren Anhängern dieser Bibelkritik eine andere Erkenntnis Eingang zu finden beginnt. Eine Krönung dieser Arbeit bildet der von H. unternommene Kommentar zum Pentat euch, von dem bereits L e v i t i c u s und eine Hälfte des Denteronomium vorliegen, während die anderen Bücher sowohl fast fertiggestellt, als schon weit in der Ausarbeitung gediehen sind; ein Werk, dessen Erscheinen in vielen, nicht nur streng konservativen Kreisen des Judentums mit Sehnsucht erwartet wird. Für die wissenschaftliche talmudische Literatur hat H. durch Beleuchtung der aus den Schulen R'Ismaels und R;Akibas hervorgegangenen h alachischen Midraschim sehr erfolgreich, in gewissem Sinne pfadfindend gewirkt, so daß er das, was Frankel nicht mehr hatte ausführen können, für diese der Mischna parallelgehenden Erzeugnisse der Tannaimepoche leistete. („Zur Einleitung in die halachischen Midraschim'', „Eine Mechilta zum Denteronomium", nebst „Neue Collectaneen" hierzu, „Mechilta des R'Simon b. Jochai", „Midrasch Tännaim, zum Denteronomium" I. u. II.) Aber auch für die Popularisierung der Mischna hat H. unendlich viel getan durch seine vortreffliche Uebersetzung und leicht verständliche Kommentierung der vierten und sechsten Ordnung, Nesikin — über das Zivil- und Strafrecht — und Tohorot — über Reinheitsgesetze. (Das ganze erschien und erscheint noch in der Misch na-Ausgabe der Druckerei und Verlagshandlung H. Itzkowski-Berlin.) Aber nicht nur die engere Gelehrtenwelt hat H. sich zur Dankbarkeit verpflichtet, sondern das Gesamtjudentum schuldet dem Unermüdlichen unvergeßliche Anerkennung: Als in der Hochflut der antisemitischen Bewegung der Gesetzeskodex des Judentums, den Josef Karo (1488—1575) in den vier Teilen seines sogenannten Schulchan Aruch zusammengestellt hat, wegen seiner angeblichen Vorschriften über lieblose und ungerechte Behandlung der Andersgläubigen heftig angefeindet wurde, hat H. die Ehre des Judentums gerettet durch sein monumentales Werk: Der Schulchan Aruch und die Rabbinen über das Verhältnis der Juden zu den Andersgläubigen. (Berlin 1884.) Diese Schrift stellt einen wichtigen Teil der Sittenlehren des Judentums im Lichte der Wahrheit dar und ist eine unerschöpfliche Quelle der Belehrung auf dem betreffenden Gebiet, wie der Abwehr von Angriffen. Eine zweite Auflage erschien 1892, der eine dritte, bereichert durch manche inzwischen vom Verfasser auf Grund gerichtlichen Auftrages erteilter Gutachten, wohl auch in kurzer Zeit folgen dürfte. Daneben hat H. zusammen mit Prof. Dr. A. Berliner, seinem Genossen im Lehramt seit Gründung des Seminars, das „Magazin für die Wissenschaft des Judentums" (1876 bis 1893) herausgegeben, das Darstellungen aus den wichtigsten Gebieten der Geschichte und Literatur enthält, und an dem seinerzeit die hervorragendsten Gelehrten mitarbeiteten. Auch hier, wie in der eine Zeitlang von ihm redegierten „Israelitischen M o natsschrif t" (Beilage zur Jüd. Presse) und vielen deutschen und hebräischen Zeitschriften hat der Gelehrte zahllose größere und kleinere Abhandlungen und Bemerkungen aus allen Zweigen der biblisch-talmudischen Wissenschaft niedergelegt, die eine reiche Fundgrube nachhaltiger Belehrung bieten. Außerdem wirkte und wirkt H. über den engeren Kreis seiner beruflichen Tätigkeit hinaus als rabbinische Autorität, deren gereiftes Urteil in den schwierigsten Fällen der rituellen und judiziellen Praxis vom In- und Ausland vielfach angerufen wird. Da, wo der Psalmist das Alter von 70 Jahren die gewöhnliche Lebenszeit nennt, spricht er die Bitte aus: „Lehre uns unsere Tage zählen/' Nun, David Hofmann zählt die Tage und die Stunden. Bei ihm gilt das Wort: nullus dies sine linea. Möge dem unermüdlichen Lehrer, dem hochverdienten Gelehrten, dem wahren Talmid-Chochom, noch eine lange, erfolggesegnete Wirksamkeit im Dienste der Wissenschaft, zum Ruhm des Gesamtjudentums, beschieden sein! EIN CAGLIO< Von Felix! Der Name Arno Nadel ist den Lesern dieser Zeitschrift nicht fremd, da viele Hefte Notenbeilagen enthielten, auf denen er als Bearbeiter — man weiss, als wie zartfühlender, — jüdischer Volksmelodien genannt wurde. Einige Leser werden sich vielleicht, abgesehen von anderen Beiträgen von ihm, auch erinnern^ dass ein längerer Aufsatz von Eduard Saenger das philosophisch-historische Aphorismenbuch Nadeis, «.Aus vorletzten und letzten Gründen", eingehend analysiert und erklärt hat. Nun erscheint von diesem interessanten Autor in wenigen Wochen ein Gedichtband bei einem unserer ersten Verleger, bei Georg Müller, München und eben ist das erste Drama Nadeis .,Cagliostro" an die Bühnen versandt worden. Es ^ird sich daher lohnen, schon heute dieses Werk zu behandeln. Das 18. Jahrhundert war eine Epoche intellektuellen Weltgefühls, rationalistischen Optimismus, und TRO-DRAMA. tössinger. erfüllt von einem naiven, geistigen Glauben an die Vollkommenheit des Menschen, an das Ideal der Menschenfreundschaft und Menschenliebe auf Erden. Während aber das Gehirn in stillen Wahnsphären lebte, fühlte das Herz der Zeit den Drang nach dem Unendlichen, nach Mystik, nach Geheimnissen, nach Religion und Wunder. Es gab daher eine ganze Menge Abenteurer, Betrüger, Spekulanten, die sich die Sehnsucht der Zeit zu Nutze machten, und ihr gaben, was sie haben wollten. Casanova war so ein Abenteurer, der von der Liebe, vom Spiel, vom Betrug, von der Mystik lebte, und in seinen entzückenden Memoiren auch fortlebt. Ein anderer aber, ein viel genialerer Geist, der seine Zeit erschütterte, Tausende betäubte, Weise narrte. Europa triumphierend durchzog, ist vergessen, denn er hinteiiiess keine Memoiren, fand keinen Mäzen in seinem Alter und starb im Gefängnis. Dieser andere war Cagliostro.

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