Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1910-11-01 · Heft 11 (November 1910) · p. Seite 763 - 764

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 11 (November 1910)
Article
Otworite Worota ("Öffnet die Tore") [Musikdruck]
Date
1910-11-01
Page
Seite 763 - 764 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
piece of music
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2583875-2583993-2584004-2595835--11189-2595936
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

763 „Otworite Worota" („Oeffnet die Tore"). Chor. 764 hin, Gott ' lo - ben, jdft fif^ if fl^ifpWj i I ' 1 'ii tftttttiimw^ TT'fiT^TP J^TVi7i p p p y^p^ ich willgehn da - hin, Gott lo - ben. i J [~ f Lang sam. %'A ^_ J-£ ü [ 1 JUDEN UND JUDENTUM IM ALTEN MAROKKO. Von Dr. Ernst Feder, Berlin. Nachdruck verboten. Europa so nahe wie kein andres Land, stellt Marokko docli unsrer Kenntnis so fern, wie kaum ein andrer aussereuropäischer Staat. So ist auch wenig bekannt, dass die Juden Marokkos, von denen heute nur bei gelegentlichen Verfolgungen die Rede ist, in der Vergangenheit eine bedeutende Rolle gespielt, in die allgemeine Geschichte eingegriffen und auf das jüdische Geistesleben zeitweise hervorragenden Einfluss gewonnen haben. Neues Eicht auf diese Vergangenheit werfen die das Ergebnis früherer Untersuchungen zusammenfassenden und neue (auch epigraphische) Forschung verwertenden Studien, die der französische Gelehrte N a h o u m S 1 o u c h z neuerdings in den „Archives Marocaines" veröffentlicht hat, und die allgemeines Interesse beanspruchen dürfen. Die ältere Geschichte der Juden Marokkos ist von Kämpfen angefüllt, in denen sie sich als ein kriegslustiges und kriegstüchtiges Geschlecht erweisen. Nur langsam und nach hartnäckigstem Widerstand sind sie ihren drei aufeinanderfolgenden übermächtigen Gegnern, dem antiken Rom, dem Christentum und dem Islam erlegen. 1. Josuakult und Kampf gegen Rom. Schon im 4. Jahrhundert v. Chr. wurden zahlreiche Juden in Nordafrika angesiedelt. Rom brauchte ihre Bundesgenossenschaft gegen Hellenen und Nomaden. So bezeichnete eine Botschaft des römischen Senats aus dem Jahre 138 sie als Freunde des römischen Volkes. Der Fall Jerusalems und die nie verziehene (nachweislich von Titus angeordnete) Zerstörung des Tempels machte auch die afrikanischen Juden zu Todfeinden Roms. Galten die jüdischen Kolonien Cyrenes schon zuvor als die unruhigsten und kriegerischsten der Diaspora, so fiel ihnen eine hervorragende Rolle in dem allgemeinen Judenaufstand unter Trajan (116 n. Chr.) zu, der sich kein geringeres Ziel als die Abschüttelung der römischen Herrschaft und die Erringung nationaler wie religiöser Unabhängigkeit setzte. Unterstützung suchten und fanden sie in Ost und West bei den alten Gegnern Roms, so bei den Parthern in Babylonien, namentlich aber bei den Berbern, der ältesten Bevölkerung Nordafrikas. Zwischen den Berbern und den Juden Nordafrikas, vorzüglich Marokkos, hatte ein gemeinsamer religiöser Personalkult enge Beziehungen hergestellt. Die Person des Josua war in den Mittelpunkt der Religion dieser ältesten Juden Marokkos getreten, deren kampflustigem Temperament offenbar der Kriegsmann Josua mehr als der Staatsmann Moses zusagte. Gleichzeitig bildete sich aber ein Josuakult auch bei den nicht-jüdischen Berbern heraus, die nach einer von den Juden genährten Tradition Abkömmlinge der Gergesener waren, derselben, die Josua aus dem gelobten Lande vertrieben hatte. So wurde Josua als gemeinsamer Heros der Juden und Berber eine Art Schutzpatron Marokkos. Eine noch heute nicht erloschene Tradition erzählt von Josuas afrikanischen Kriegszügen, die ihn bis nach Gibraltar geführt haben. Manche Legende knüpft sich an seinen Namen, so die von dem Wunder fisch, den Moses und Josua auf einem Kriegszug vor ihrer Ankunft in Gibraltar verspeisten, der aber zu neuem Leben erstand und der Stammvater einer neuen, von den marokkanischen Juden noch heute als Mosesfisch bezeichneten und anscheinend als Symbol benutzten Fischart wurde. Die Vermutung ist ausgesprochen worden, dass diese Legende lediglich dem Namen des Vaters des Josua, des Nun (pj gleich Fisch), ihre Entstehung verdankt. Doch mag das Fischsymbol einen allgemeineren Ursprung haben. Dieser Josuakult, an den noch heute der Name des Kap Nun erinnert, fand einen Mittelpunkt in der Stadt Ceuta (ND3D gleich Sabbatstadt), die nach der Sage von Sem, dem Sohne Noahs, gegründet ist und unter den jüdischen Autoren des Mittelalters

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.