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Ost und West · 1910-11-01 · Heft 11 (November 1910) · p. Seite 721 - 722

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 11 (November 1910)
Article
Judenviertel [Illustration]
Date
1910-11-01
Page
Seite 721 - 722 (sequence 1)
Language
German
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G. J. STALLER. Judenvier: el. AMSTERDAM. DAS AMSTERDAMER JUDENVIERTEL Vm Ernst Altkircli. — Mit Illustrationen v..n G. J. St all er.*) T Nachdruck verboten. Das Amsterdamer Judenviertel ist kein eigentliches Ghetto, sondern eine freigewähltc Niederlassung spanischer und portugiesischer Juden, die um das Jahr 1590 dort eine Zuflucht fanden. Dankbar wurde es von ihnen das Neue Jerusalem genannt. Nach 1630 siedelten sich in Amsterdam auch deutsche, polnische, russische und italienische Juden an. Die diesem Aufsatze beigegebenen Abbildungen nach Zeichnungen und Aquarellen des jungen Amsterdamer Malers G. J. Staller sind besonderer Beachtung wert. Man wird nicht umhin können, sie mit den Zeichnungen und Gemälden Max Liebermanns, die das Amsterdamer Judenviertel darstellen, zu vergleichen, und wenn auch die Werke des deutschen Künstlers grosszügiger und eindrucksvoller als diejenigen des Holländers sind, so besitzt Staller doch ein so schönes und kräftiges Talent, dass seine Schöpfungen neben denjenigen des deutschen Meisters bestehen können. G. J. Staller ist 1830 in Amsterdam als Sohn christlicher Eltern geboren, deren Haus sich in der Nähe des Juden vierteis befand, und schon früh hat sich in ihm die Liebe und Begeisterung für die „Jodenbuurt" geregt. Nach vorbereitenden Studien hat er sie fast ausschliesslich zum Gegenstande seiner Studien und zum "Vorwurfe seiner Gemälde gemacht, und den Weg, den ihm Rembrandt gewiesen, geht er mit dem Mut eines echten und vielversprechenden Künstlers. Wer das Amsterdamer Judenviertel besucht hat, ist gewöhnlich voller Entsetzen über die ihm dort zu Gesicht gekommene Armut und Unsauberkeit. Man befindet sich aber in einem Irrtum, wenn man annimmt, dass die ,, Jodenbuurt" nur eine Stätte orientalischen Schmutzes und erbarmungswürdigen Elends sei. Die Schuld, dass sie heute einen so trostlosen Eindruck macht, dürfte hauptsächlich den deutschen und polnischen Juden zuzuschreiben sein, und ferner der Unduldsamkeit früherer Jahrhunderte, die auch in den Niederlanden gross war. Die Generalstaaten anerkannten die Juden zwar 1657 als Staatsbürger, dennoch wurden sie in ihrer Handelstätigkeit beschränkt, und man verbot ihnen überhaupt die Ausübung eines Handwerks. Auch zu den öffentlichen Aemtern wurden sie nicht zugelassen. Die hochdeutschen Juden, wie man sie zu nennen pflegt, waren ohnehin nicht mit Glücksgütern gesegnet, während ein grosser Teil der spanischen und portugiesischen Juden sich des Wohlstandes erfreute. Von ihrer Prachtliebe erzählt man sich mancherlei^ Sic kleideten sich in-kostbare Gewänder, trugen Degen, schmückten sich mit goldenen und silbernen Zieraten, mit kostbaren Perlen und Edelsteinen. Bei ihren Hoch-

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