Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Article
- Rückkehr vom Morgenritt [Illustration]
- Date
- 1910-10-01
- Page
- Seite 621 - 622 (sequence 1)
- Language
- German
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621 622» JOSEPH OPPENHEIMER. Rückkehr vom Morgenritt. JOSEPH OPPENHEIMER. Von Karl Schwarz. BERLIK Nachdruck verboten. Vor kurzem zeigte die bekannte Galerie Heinemann in München eine Kollektivausstellung des Malers Oppenheimer. Zum erstenmal war hier eine Reihe von Gemälden des jungen Künstlers zusammengestellt, den wir bisher nur aus einzelnen Werken auf den Ausstellungen zu Berlin und München kennen gelernt hatten. Kollektivausstellungen sind ein doppelschneidiges Schwert. Jeder Künstler hat das Bestreben, möglichst ±>ald sein Schaffen dem Publikum in einer solchen zu zeigen, da in den Kunstveranstaltungen, wie sie die grossen Städte alljährlich bieten, die ein oder zwei Werke meistens vor der erdrückenden Menge des Dargebotenen nicht zur rechten Geltung kommen. So „arbeitet" denn der Kunstjünger auf eine Kollektivausstellung hin, er ist bemüht, möglichst viele Werke in kurzer Zeit zusammenzuhängen — und so wird dann ein Saal eines Kunstsalons angefüllt, bei dessen Betrachtung man nur gar zu sehr die Absicht merkt. Andrerseits haben solche Veranstaltungen ihr Gutes: nur in der geschlossenen Reihe lässt sich die Qualität des Meisters bestimmen, nur hier kann man ein sicheres Urteil fällen über das Können und über die Entwicklung, nur hier entrollt sich das Gesamtbild des Künstlers. Dies gilt in gleicher Weise für den noch Schaffenden, dem die Kritik manchen Fingerzeig für seine weitere Entwicklung geben kann und der dem Publikum näher bekannt wird, wie für die, die bereits lange der Geschichte angehören, denen aber hierdurch durch Vergleiche und Gegenüberstellungen der ihnen gebührende Platz und die richtige Wertschätzung in der Kunstgeschichte eingeräumt wird. Um einige Beispiele anzuführen, hat die Brügger Ausstellung von 1902 wesentlich zur Klärung der älteren niederländischen Malerei beigetragen; die Manet-Ausstellung in diesem Jahr bei Cassirer in Berlin und in der Modernen Galerie zu München hat den grossen Franzosen in seiner ganzen eminenten Kunst gezeigt; Leistikows Entwicklung vom ornamentalen Stil zum gewaltigen Schilderer d«r Mark lehrte die Gedächtnisausstellung der Berliner Sezession des vorigen Jahres. Wenn' ein noch unbekannter und jugendlicher Künstler vor uns tritt, so sind wir vorsichtiger im Urteil als bei einem bereits Grossen; wir müssen es sein seinetwegen und unser selbst willen. Die fünfundzwanzig Bilder Joseph Oppenheimers vereinigten sich zu einer erfreulichen Ausstellung. Eine erstaunliche Vielseitigkeit fiel zuerst auf: man sah Herren-und Damenporträts, Kinderbildnisse und Gruppen im Freien und in Räumen, Landschaften der verschiedensten Art,. Genrebilder und Stilleben — kurz alle Darstellungsgebiete, stets frisch und unmittelbar gegeben. Ein selten regsamer Künstler,