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Ost und West · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1910) · p. Seite 609 - 610

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1910)
Article
Aus den Allianceschulen
Date
1910-08-01
Page
Seite 609 - 610 (sequence 2)
Language
German
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609 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle. 610 mittagsunterricht befreien. Herr Bielecki, der bisher in Europa gelebt hatte, war um so mehr befriedigt, als er zum erstenmal in Janina von Ihrem Werk hörte. Konstantinopel. Aus Konstantinopel schreibt die Leiterin der Mädchenschule, Frau Cheni: Ich habe die Ehre, Ihnen mitzuteilen, dass wir in unserer Schule in Galata augenblicklich 11 junge Mädchen haben, die sich als Kindergärtnerinnen ausbilden. Zwei von ihnen sind Muselmaninnen. Nach einem Besuch, den der Direktor der Normalschule in Stambul vor einiger Zeit in unserem Kindergarten in Galata gemacht hat, sind sie uns von dem Comite der vereinigten Schulen anvertraut worden. Diese jungen Mädchen unterrichte ich seit sechs Wochen. Ich beschäftige mich sehr eingehend mit ihnen, und sie haben auch schon einige Fortschritte gemacht. Sie müssen dem Comite allmonatlich einen Bericht einreichen über das, was sie gesehen und gelernt haben. Infolge eines solchen Berichts haben wir heute den Besuch des Direktors der Pressabteilung, Fazli Nadjib Bey, empfangen, in dessen Begleitung sich Herr Vitali Strumza befand. Diese Herren haben Frau Semach und mir über die Fortschritte, die die beiden zukünftigen Kindergärtnerinnen gemacht haben, anerkennende Worte gesagt. Sie baten uns, noch zwei weitere junge Mädchen aufzunehmen, die das Comite in eine andere Anstalt gebracht, dort aber bereits wieder fortgenommen hatte. MossuL Der Direktor der Albaneesctmle, Herr Sidi in Mossul, teilt uns mit: Die Deputation für das öffentliche Unterrichtswesen in Mossul bestand bis jetzt ausschliesslich aus dem Unterrichtsdirektor und einigen hohen Beamten des Serail. Durch ein Schreiben Seiner Exzellenz des Generalgouverneurs bin ich soeben zum Mitglied dieser Deputation ernannt worden mit dem Auftrag, mich mit den Prüfungen im Französischen zu beschäftigen, die die Schüler des Lyzeums und der Normalschule in Mossul alljährlich abzulegen haben. Neue Allianceschulen in Marokko. Im Oktober 1901 hatte die Alliance in der grossen marokkanischen Stadt M e q u i n e z , die eine Tagereise von Fez entfernt liegt, eine Knaben- und eine Mädchenschule eröffnet. Im Jahresbericht für 1902 ist der Bericht des Herrn Ribbi abgedruckt, der beauftragt worden war, sich nach Mequinez zu begeben, um sich über die Lage der jüdischen Bevölkerung zu informieren. Infolge der Unruhen, die damals im Lande herrschten, mussten die Schulen geschlossen, das Personal an die Küste zurückgeführt werden. Seitdem hat sich die Lage wieder gebessert. Die Notablen von Mequinez, die im Jahr 1901 der Gründung der Schulen gleichgültig gegenüberstanden, haben die Segnungen eines guten Unterrichts für die Gemeinde und für die jüdische •lugend erkannt und haben Schritte getan, um die Wiedereröffnung der Schulen zu sichern. Das Central- Comite' war geneigt, auf die gemachten Vorschläge einzugehen, und beauftragte Herrn Elmaleh, Schulleiter in Fez, sich nach Mequinez zu begeben, um über dieses wichtige Projekt die notwendigen Unterhandlungen zu pflegen. Auf den günstigen Bericht des Herrn Elmaleh hat das Central-Comite beschlossen, Anfang Oktober 1910 in Mequinez neue Schulen zu eröffnen. — Im März 1910 beauftragte das Central- Comite Herrn Sagues, Direktor der Ailianceschule in Casablanca, sich nach S e 11 a t zu begeben, um die Lage der israelitischen Gemeinde kennen zu lernen. Aus dem Bericht des Herrn Sagues seien folgende Stellen wiedergegeben: Settat ist eine kleine Ortschaft von 6000 Seelen, 78 Kilometer südlich von Casablanca gelegen; gewöhnlich gelangt man dorthin in zwei Tagemärschen. Die Stadt macht eher den Eindruck eines grossen verwüsteten Dorfs. Es ist dort wenig Leben, und ohne die französische Garnison wäre der Aufenthalt sehr einförmig. Die Umgebung ist waldreich, das Klima gesund. Die französischen Offiziere, die in diesem Augenblick die Geschicke von Settat leiten, entfalten rege Tätigkeit. Sie wachen über die Sauberkeit der Stadt und lassen keine Massnahme ausser acht, die zur Verbesserung des Gesundheitszustands der Stadt beitragen könnte. Die Zahl der in Settat wohnenden Israeliten beträgt nach der von mir vorgenommenen Zählung 655. Sie teilen sich in zwei Gruppen: Die in Settat eingebornen Israeliten, von denen einige Getreide-, Leder-, Wolle- oder Viehhandel treiben, während der grösste Teil aus Hausierern und Krämern besteht, und die auf den Bergen lebenden Israeliten, „Schleuhs" genannt, die von jenen hebräischen Stämmen abstammen, die lange vor dem ersten Auftreten des Christentums in Marokko eingewandert sind. Sie führen das Nomadenleben der Berber, deren Gewohnheiten, Sitten und Sprache sogar sie angenommen haben. Die Schleuhs sind Fleischer oder Landpächter. In Settat sind sie seit 30 Jahren ansässig. Im Jahr 1903, vor der Plünderung der Stadt durch die Mzamza, hatte Settat eine zahlreichere israelitische Bevölkerung. 200 Familien lebten dort in sehr günstigen Verhältnissen. Infolge der Unruhen verliess eine grosse Anzahl die Stadt, die einen vorübergehend, die anderen für immer, um sich in Casablanca, Mazagan oder Rabat niederzulassen. Die Israeliten von Settat sind sehr religiös und beobachten streng die Religionsgebräuche. Sie sprechen arabisch, das ihre Muttersprache ist. Die Schleuhs sprechen das „chilha". Die beiden israelitischen Gruppen wohnen in zwei Mellahs, die durch eine breite Strasse getrennt sind. Das grössere Mellah der eingebornen Israeliten scheint besser erhalten als das der Schleuhs. Beide sehen aus wie grosse Höfe, in denen man ohne die geringste symmetrische Anordnung Häuserquadrate errichtet hat. Die Schleuhs wohnen in Hütten. Unsere Glaubensgenossen verehren das angebliche Grab des Rabbi Simon Ben Jochai, das sie oft besuchen. Man sagt, dass durch an diesem Grabe verrichtete Gebete Krankheiten geheilt werden, und junge Frauen das ersehnte Mutterglück finden. Bigamie ist verboten. Die Männer heiraten von 17, die Mädchen von 12 Jahren. Die Schule in Settat wird 100 Schüler haben ohne die Kinder der katholischen Familien, die gewiss um Aufnahme bitten werden. Infolge dieses Berichts beschloss das Central- Comite, unverzüglich in Settat eine Schule zu eröffnen. Ein eingeborener Lehrer wurde mit der provisorischen Leitung der ScL.ile bis Oktober 1910 betraut. Justizrat Johannes Jßehrendt-Danzig. Die Alli- Ja'nce Israelite Universelle und deren Deutsche Conferenz-Gemeinschaft haben wieder einen herben Verlust erlitten. Am 19. August, im Alter von 51 Jahren, ist das Mitglied des Central-Comites und

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