Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1910)
- Article
- Die Israeliten von Bu-El-Djad und Tadla (Marokko)
- Date
- 1910-08-01
- Page
- Seite 607 - 608 (sequence 2)
- Language
- German
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607 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Israeliten von Bu-El-Djad und Tadla (Marokko). 608 leute angeeignet, von denen sie nur schwer zu unterscheiden sind. Sie wohnen nicht in einem besonderen Viertel und stehen unter dem Schutz der arabischen Oberhäupter, die es sich zur Pflicht gemacht haben, sie zu verteidigen und ihnen Recht zu verschaffen, sobald sie in ihren Interessen geschädigt sind. Das Verhältnis der Schützlinge zu ihren Protektoren ist dem Verhältnis des Lehnsmannes zum Lehnsherrn zu vergleichen. Man hat mir berichtet, dass die Araber in den kürzlich stattgefundenen Kämpfen die Israeliten gezwungen hätten, die Waffen gegen die Franzosen zu ergreifen, und dass ihre Häuser geplündert und zerstört worden waren. Einige Familien sind nach Bu-El-Djad geflüchtet, das General Moinier ohne Schwertstreich in Besitz genommen hatte, und befinden sich dort in grosser Not. Nach Empfang dieser Nachricht begab uh mich zum Kommandanten Simon, dem Chef des Erkundigungsbureaus, um Gewissheit zu erhalten. Er antwortete, dass er von diesen Vorgängen nichts wüsste, dass er aber nicht verfehlen würde, mir die auf unsere Glaubensgenossen bezüglichen Neuigkeiten mitzuteilen, sobald er die Berichte der gegenwärtig in Ben- Ahmed und El Borudy befindlichen Truppen erhalten haben wird. Ich fragte ihn ausserdem, ob eine Reise nach Bled Siba gefahrvoll sei. Er sagte mir, dass das Gebiet von Bu-El-Djad, obgleich sich nur wenige Europäer dort aufhalten, wieder vollständig beruhigt sei, und dass man unbesorgt eine Reise dorthin unternehmen könne. Was die Kasbah von Tadla betrifft, so liege sie ausserhalb der französischen Einflusssphäre, es wäre also nicht klug, sich dorthin zu wagen. Der kühne Streich des Generals Moinier hat diese Gegend der Zivilisation erschlossen. Eine Reise nach Bu-El-Djad würde uns in den Stand setzen, die dort wohnenden Israeliten kennen zu lernen und vielleicht auch eine Talmud-Thora einzurichten, die ihren augenblicklichen Bedürfnissen genügt. In jedem Fall scheint mir das Studium der wirtschaftlichen und politischen Lage unserer Glaubensgenossen von Bled Siba sehr interessant. Aus den Allianceschulen. Aus Casablanca berichtet der dortige Allianceschulleiter Herr Sagues: Der französische Gesandte in Tanger, Herr Regnault, hat im Lauf der letzten Woche eine Inspektionsreise in das Schaujagebiet unternommen. Er kam in Casablanca am Freitag, den 13. Mai, an und hielt sich zwei Tage lang hier auf. Am Samstag abend um 6 Uhr wurde ich von ihm empfangen. Gleichzeitig erfuhr ich, dass Herr Regnault am nächsten Morgen unsere Schulen besichtigen wolle. Des Abends fand ihm zu Ehren bei dem General Moinier ein Ball statt, zu dem ich eingeladen war. Sonntag morgen um 10 Uhr begab sich Herr Regnault, von seinem Ordonnanzoffizier, dem französischen Konsul und dem Polizeikommissar begleitet, in die Mädchenschule. Die Stickereien, die für diese Gelegenheit ausgestellt worden waren, erregten ganz besonders die Aufmerksamkeit des Botschafters. Er sprach sich über die Geschicklichkeit der Schülerinnen sehr anerkennend aus und beglückwüuschte Frau Sagues zu den erzielten Resultaten. Dann ging er durch die Klassen. Die kleinen Mädchen waren sehr ordentlich gekleidet. Eine von ihnen hielt eine kleine Begrüssungsansprache. Herr Regnault schien hierüber sehr erfreut. Beim Aufbruch sagte er Frau Sagues, dass er von der Haltung der ganzen Schule einen ausgezeichneten Eindruck gewonnen habe. Gegen 11 Uhr kam Herr Regnault in die Knabenschule. Er war angenehm überrascht von der Bedeutung unserer Schulanstalt und beklagte die Enge unseres Lokals. Er besichtigte alle Abteilungen und befragte die Schüler im Lesen und in Geschichte. Der Herr Botschafter verliess uns gegen Mittag. Von allem was er gesehen hatte nahm er den besten Eindruck mit. — Herr Knafo berichtet aus M a z a g a n: Ich habe die Ehre, Ihnen mitzuteilen, dass Herr Regnault, französischer Gesandter in Tanger, am 17. Mai abends in Magazan angekommen ist, um am nächsten Morgen wieder abzureisen. Trotz der kurzen Zeit, die ihm zur Verfügung stand, und trotz der zahlreichen ihm zu Ehren angesagten Empfänge hat es Herr Regnault sich nicht nehmen lassen, Ihren Schulen einen glänzenden Beweis seiner Sympathie zu geben. Unmittelbar nach dem Empfang im Konsulat begab sich der Botschafter nach der Knabenschule. In seiner Begleitung waren einige Personen seines Gefolges und der Konsul. Der Besuch dauerte genau eine Stunde. Der Botschafter war in allen fünf Klassen und stellte an die Schüler verschiedene Fragen über den Gegenstand des Unterrichts. Beim Abschied drückte Herr Regnault in lobenden Worten seine Befriedigung aus. Er bedauerte lebhaft, die Mädchenschule nicht besichtigen zu können, da er gerade noch Zeit habe, vor seiner Abfahrt die französisch-arabische Schule und die Polizeikaserne zu sehen. — Herr M. Levy, der Vertreter der Alliance in Tripolis, schreibt: Der Präsident der ottomanischen Kommission für die Festsetzung der Grenzen, Reschid Bey, und der Generalinspektor der Militärschulen in Konstantinopel, General Tewfik Pascha, sowie Herr J. Salem Effendi, Gesandtschaftsattache in Brüssel, haben unseren Schulen einen Besuch abgestattet. An einzelne Schüler stellten sie Fragen. Sie waren von den Antworten, die sie erhielten, sehr befriedigt und haben uns ihre Anerkennung ausgesprochen. — Aus H a m a d a n berichtet Herr Habib: Dieser Tage hat uns der englische Konsul in Schiras, Herr Bill, besucht, ferner der Direktor der Imperialbank in unserer Stadt, Herr Mac Murray, und Herr Claude Anet (Jean Schopf er), Redakteur des „Temps". Diese Herren waren von dem Eifer unserer Kinder und der Leichtigkeit, mit der sie sich im Französischen ausdrücken, sehr eingenommen. — Der Leiter der Allianceschule in Janina, Herr Lahana, berichtet: Am 22. Juni hat der französische Konsul in Janina, Herr Bielecki, unsere Schulen besichtigt. Zuerst besuchte er die Knabenschule, deren sämtliche Klassen er besichtigte. Er stellte an die Schüler Fragen über alle Zweige des Unterrichts. Er sah sich die Hefte an und lobte alle die Schüler, deren Antworten ihm besonders gefallen hatten. Mittags gingen wir nach der Mädchenschule. Die Zöglinge des Kindergartens erfreuten unseren Besucher durch einige turnerische Uebungen. Einige Kinder sangen Lieder, andere sagten Gedichte auf. Dann ging der Konsul durch die Klassen der Mädchenschule, wo er bis gegen zwei Uhr verblieb. Er befragte selbst die Schülerinnen und interessierte sich für alles, was die Schule betrifft. Um seiner Befriedigung Ausdruck zu geben, wollte der Konsul die Schüler vom Nach-