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Ost und West · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1910) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1910)
Date
1910-08-01
Page
None (sequence 3)
Language
German
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e=^ssp ösrawce st ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^/ FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 8/9. August/September 1910. X. Jahrg. ZUM ACHTZIGSTEN GEBURTSTAG KAISER FRANZ JOSEF I Ein Huldigungsgruss der Juden. Von Binjamin Segel, Lemberg-. Mit tiefbewegten und dankerfüllten Herzen begingen die Juden Oesterreichs und Ungarns den 18. August des Jahres 1910, den achtzigsten Geburtstag ihres Kaisers und Königs Franz Josef des Ersten. Es gibt ausser den Hellenen kein Volk in Europa, dessen lebendige Erinnerungskette soweit zurückreicht, wie die der Juden, und bei der Regierungszeit des Kaisers Franz Josef wird das Gedächtnis der Juden mit denselben Gefühlen verweilen, mit denen es zu den Namen des Cyrus, Julius Cäsar, Karl des Grossen, Kasimir des Grossen, Stefan Bathorys, Jan Sobieskis zurückkehrt. Denn seine Regierung ist die Epoche der Befreiung der Juden der Habsburgischen Monarchie von dem tausendjährigen Joch mittelalterlicher Gesetzgebung und ihres Heranreifens zur bürgerlichen Gleichberechtigung. In dem Sturmjahr 1848, als die alte Welt in ihren Grundfesten wankte, legte die Vorsehung in die Hände des achtzehnjährigen Jünglings die Zügel der Regierung eines aufgewühlten grossen Reichs, das die Revolution von unten und die von oben durchtobte. In jener schweren Schicksalsstunde sah der jugendliche Monarch das Morgenrot der Völkerfreiheit emporziehen. Aber erst sechzig Jahre später, als er das Abendrot des eigenen Lebens emporziehen sah, verwirklichte er mit starker Hand eines der Hauptpostulate jener Zeit, das die Völkerfreiheit krönen sollte: das allgemeine gleiche direkte Wahlrecht. Wir haben es alle gesehen: der Kaiser stellte sich gleichsam an die Spitze der breiten Massen seiner Völker und eroberte ihnen, den höheren Ständen, Adel und Grossbürgertum zum Trotz, das grund- Nachdruck verboten. legende Bürgerrecht. Der Achtzigjährige ist aber auch Mehrer seines Reiches geworden. Er hat der Monarchie zwei Provinzen angegliedert und dadurch weite Gebiete der modernen Kultur und der humanen Zivilisation erschlossen. Halb Europa trotzend, griff er mit fester Hand in das Weltgetriebe ein und vollbrachte, was das Interesse seines Reiches und was seine hohe Pflicht gebot. Wieviel der Ausbau Oesterreichs zum modernen Kulturstaat der persönlichen Initiative des Kaisers verdankt, wird noch lange vom Nebel der Geschichte verhüllt bleiben. Zuweilen aber durchzuckte diesen Nebel ein erhellender Blitz', der auf manche Tatsachen ein merkwürdiges Licht warf. Als Franz Deak dem Kaiser die Botschaft sandte, dass der ungarische Reichstag im Februar 1866 den Juden die bürgerliche Gleichberechtigung gewährt habe, antwortete ihm der Kaiser in einem Handschreiben vom 3. März 1866, er freue sich sehr, dass die Ungarn sich zu einem solchen freiheitlichen Standpunkt emporgeschwungen haben, die Rechtsgleichheit aller Nationalitäten und aller Konfessionen zu gewährleisten. Damit war die Anschauung des Kaisers über die Emanzipation der Juden Öffentlich kundgetan. Das kaiserliche Wort fiel schwer in die Wagschale, und die mächtigsten gegnerischen Strömungen konnten nicht mehr hindern, dass die Gleichberechtigung der Juden auch in dem österreichischen Staatsgrundgesetz vom 22. Dezember 1867 ausgesprochen wurde. In dieser vornehmen, unauffälligen Weise machte Kaiser Franz Josef stets seinen persönlichen Einfluss zugunsten der Freiheit und der Gerechtigkeit

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