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Ost und West · 1910-07-01 · Heft 7 (Juli 1910) · p. Seite 461 - 462

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 7 (Juli 1910)
Article
Erklärung
Date
1910-07-01
Page
Seite 461 - 462 (sequence 1)
Language
German
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461 462 NV\V>"" .....""W/Z Vv MITTEILUNGEN "'9. aifödem Deutschen Bureau der na nr o^nv BERLIN.IN 2A. Alliance Jsraeüfe Universelle ^k-ikt OranienDurgersfr.47^3 ERKLAERUNO. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. In verschiedenen Zeitungen wurde die Nachricht verbreitet, dass die Deutsche Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israelite Universelle beabsichtige, sich von der Centrale in Paris loszulösen und eine selbständige deutsche Alliance zu schaffen. Ich erkläre hiermit, wie ich dies auch in der ausserordentlichen Tagung der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft vom 29. Mai getan habe, dass das Präsidium und der Geschäftsführer der D. C. G. nicht daran denken und auch nie daran gedacht haben, sich von Paris zu trennen, um die deutsche Abteilung selbständig zu machen und gewissermassen eine deutsche Alliance Israelite Universelle, unabhängig von Paris, zu schaffen. Ich habe damals erklärt und bin auch noch der Meinung, dass neben dem Hilfsverein der deutschen Juden in Deutschland absolut kein Platz für eine solche selbständige Organisation ist, und dass ich als stellvertretender Vorsitzender des Hilfsvereins der deutsehen Juden mein Amt als Präsident der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft sofort niederlegen müsste, falls ein solcher Plan auch nur im entferntesten von irgend einer Seite propagiert werden würde. Dass ich die Absicht hatte zu demissionieren, entspricht den Tatsachen, ebenso wie es wahr ist, dass der Geschäftsführer Herr M. A. Klausner seine Demission gegeben hat. Die von mir beabsichtigte Demission ist einstweilen unterblieben, weil die zwischen Paris und Berlin sehwebenden sachlichen Differenzen einer allseitig befriedigenden Lösung sich nähern. B. Timendorfer. DIE WIRREN IN SANNAH S a n n a h , den 8. Mai 1910. T~Gedrängt durch die |Ereignisse [und durch den Wochenkurier, der am nämlichen Tage abgehen sollte, hatte ich Ihnen ]letzten Sonntag in aller Eile von den schreckensvollen Szenen und von den barbarischen Handlungen geschrieben, die sich am Samstag nachmittag vorjunsern Augen abgespielt hatten. Ich halte es^fürjmeine Pflicht, Ihnen heute alle Einzelheiten des traurigen Vorgangs zu berichten. Am Samstag nachmittag hatte ein israelitischer Mann namens Daud Kuluri, ein Millionär, 27 Jahre alt, eben einen Scheck im Bazar einkassiert, als ein jüdischer Konvertit, Faradsch Dschadid, an ihn herantrat und ohne jeden Rechtsgrund 5 Krans (etwa 2.Mark) von ihm verlangte. Daud lehnte ab. JFraradsch ergriff ihn und beschuldigte ihn mit lauter Stimme, dass er Beziehungen zu einer muselmanischen Frau gehabt habe. Gaffer sammelten sich und schleppten den ^Beschuldigten (in eine Moschee, wo ein Moliah ihn zum "sofortigen jUebertritt zum.jlslam aufforderte. Ein Bruder Dauds kam eilends herbei und verpflichtete ihn, der Religion nicht abtrünnig zu werden, hoffend, dass er die Behörden zu rettender Intervention werde veranlassen können. Die Fanatiker, die den Hof der Moschee überschwemmt hatten, Hessen sich nicht haltenlund^brachten {dem unglücklichen jungen Mann zwei Wunden bei. Daud'erklärte sich jetzt zum Ueber- (PERSIEN) UND HAMADAN. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. tritt bereit. Nun aber lehnten die Mollahs den Proselyten ab, und die rasende Menge schleppte unsern Glaubensgenossen auf die Strasse, tötete ihn mit Dolchstichen und zog den Leichnam mittels eines um die Füsse gelegten Strickes vor Dauds Haus, das nur wenige Schritte von unserm entfernt ist. Ich hatte nichts von den Vorgängen in der Stadt gehört; sonst hätte ich mich an die Behörden von Kurdistan gewandt, mit denen ich gute Beziehungen unterhalte; dann hätte die Sache nicht so schlimme Wendung genommen. Ich erfuhr von dem Zwischenfall erst, als einejauf mehr als 3000 Personen geschätzte Menge sich auf "das Haus der Kuluris stürzte. Einige der Anstürmenden rissen eine Mauer nieder und sprangen in den Garten. In weniger Zeit, als zum Niederschreiben erforderlich ist, sahen wir die Möbel, Stoffe, kostbare Teppiche, Betten, Kupfergeräte usw. überallhin zerstreut und von Tausenden von ausgestreckten Händen ergriffen. Inzwischen entflohen die Eltern des Ermordeten schreiend über die Terrassen. Die Frauen hielten den Beleidigungen, Steinwürfen, Schlägen stand. Sie baten nur, indem sie auf die heiligen Schriften zeigten. Nichts konnte die Plünderer von ihrem Zerstörungswerk abhalten. Erst die schleunigst von uns herbeigeholten Soldaten hinderten die Verwüstung noch anderer Häuser. Am Sonntag, 1. Mai, zogen Neugierige, etwa 4000

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