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Ost und West · 1910-07-01 · Heft 7 (Juli 1910) · p. Seite 459 - 460

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 7 (Juli 1910)
Article
Der Verein zur Pflege hebräischer Musik zu Berlin
Date
1910-07-01
Page
Seite 459 - 460 (sequence 2)
Language
German
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459 Albert Kellermami: Der Verein zur Pflege hebräischer Musik zu Berlin. 460 auch z. B. lateinische Texte, deren Verständnis nicht allgemein ist, gesungen werden. — Was nun die Entstehung meines Vereins betrifft, so ist mir der Gedanke der Begründung zum ersten Mal felegentlich einer vor ca. 10 Jahren von dem bekannten brscher Prof. Dr. Oscar Fleischer veranstalteten Aufführung, in welcher neben altgriechischer und altchristlicher auch altjüdische Musik zu Gehör gebracht wurde, gekommen. Da die Organisation des Vereins, mit dessen musikalischer Leitung ich seit Beginn betraut bin, nicht so schnell zu erreichen war, veranstaltete ich im November 1902 zunächst ein Konzert (zum Besten des israelitischen Kinderhorts) im grossen Saal der Philharmonie mit althebräischen Gesängen, das helle Begeisterung weckte und dem wohltätigen Zweck eine nicht geringe Summe brachte. Nun versuchte ich an die Gründung eines ständigen Vereins zu gehen und fand eine Zahl für die Sache sich begeisternder Männer und Frauen, von denen auch heute noch einzelne an der Spitze unseres Vereins stehen. Am 18. Februar 1904, wie oben erwähnt, konstituierte sich unser Verein, die Zahl der Mitglieder stieg allmählich. Bald — schon 2 Monate nach der Gründung — hatten wir Gelegenheit, anlässlich einer Säkularfeier für Salomon Sulzer uns in die Öffentlichkeit zu begeben. Wenn wir auch nur vor geladenem Publikum in bescheidenem Kaum hervortraten, so beschäftigte sich doch damals bereits die Kritik mit unserem Verein und sprach in günstigen Worten sich über unsere Ziele aus. Im Dezember desselben Jahres gaben wir unser erstes öffentliches Konzert in der Singakademie, in dem wir Vokal- und Instrumentalwerk aufführten (unter Mitwirkung hervorragender Solisten). Es folgte darauf im Mai 1905 ein sehr interessanter Vortrag des bekannten Musikhistorikers Dr. Leopold Hirschberg über Salomon Rossi (1542—1628) unter Beigabe von Kompositionen des Mantuaner Musikers. Im Jahr 1905 hielt Dr. Ackermann aus Brandenburg a. H., einer der eifrigsten Forseher auf dem Gebiet hebräischer Musik, einen Vortrag über „die Originalität der Synagogalmelodien." Auch hieran schlössen sich musikalische Darbietungen. Im Jahr 1906 gaben wir ein Konzert im Saal des Tiergartenhof mit vokalen und instrumentalen Kompositionen; im Jahr 1907 ein Jugendkonzert im Beethovensaal. Im Jahr 1908 wurde ein grösseres Konzert in dem mit einer prachtvollen Orgel ausgestatteten Blüthnersaal gegeben, das lebhaften Beifall fand; den Beschluss machte unser diesjähriges Konzert, am 26. Januar, ebenfalls im Blüthnersaal. Trotz aller Anfeindungen — denn auch an solchen fehlt es nicht — und äusserer Schwierigkeiten schreiten wir, wie aus vorhergehenden Mitteilungen ersichtlich, unentwegt auf unserem Pfad weiter, und ich hoffe, dass diese Zeilen dazu beitragen werden, unsere Intentionen zu fördern und unserem Verein neue Mitglieder zuzuführen. BUECHERSCHAU. Herrn. L. Strack, Abo da Zara, Der Mischnatraktat „Götzendienst" herausgegeben. 2. neubearbeitete Auflage mit deutscher Uebersetzung. Leipzig 1909, J. C. Hinrichs (52 S. gr. 8°) Mk. 1,10. — Sanhedrin - Makkoth, die Mischnatraktate über Strafrecht und Gerichtsverfahren, herausgegeben, übersetzt und erläutert. Leipzig 1910, J. C. Hinrichs (116 S. gr. 8°) Mk. 2,40. Trotz der hohen Wichtigkeit, welche der Talmud (genauer würde man sagen: die Talmude) für das Judentum hat, gibt es keine kritische Ausgabe. R. Rabbinovicz hat in einem 15 Bände füllenden Werke zu einem grossen Teil des Babli Rohmaterial gesammelt, das der Ergänzung und Berichtigung bedarf, ausserdem, um wirklich nutzbar zu sein, erst verarbeitet werden muss. Die Ausgabe des Jeruschalmi, welche Luncz begonnen hat, steckt noch in den ersten Anfängen; wann oder ob überhaupt ihre Vollendung erfolgen wird, ist nicht abzusehen. Auch die Vorbereitung des von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums geplanten Corpus Tannaiticum schreitet sehr langsam vor. Es ist daher recht erfreulich, dass wenigstens für einige Mischnatraktate jetzt vokalisierte (und, um der Ungeübteren willen, mit Vokabularen versehene) Ausgaben mit reichem textkritischem Apparat vorliegen. Der bekannte Berliner Theologe Prof. Hermann L. Strack, der früher schon die „Sprüche der Väter" (3. Aufl. 1901), den „Versöhnungstag" (2. Aufl. 1904) und den „Sabbath" herausgegeben hat, bietet uns jetzt den vielgenannten Traktat „Götzendienst" und den Doppeltraktat „Gerichtshof und Schläge" auch mit, besonders paginierter, deutscher Uebersetzung und einem unter diesem abgedruckten sachlichen Kommentar. Für die Herstellung des Textes, bei welcher, wie die Dinge liegen, teilweise eklektisch verfahren werden musste, -sind ausser der editio princeps der Mischna und den ältesten Venediger Talmuddrucken besonders die Berliner Handschriften und die Mischnacodices in Parma (de Rossi), Budapest (David Kaufmann) und Cambridge (nach Lowe's Abdruck 1883) benutzt. Der sachliche Kom- Nachdruck verboten. mentar berücksichtigt auch die griechischen und römischen Altertümer sorgfältig, so dass auch geschulte Talmudisten aus diesen billigen und gut ausgestatteten Büchern manches lernen können. Wer des Hebräischen gar nicht kundig ist, halte sich an die genaue und doch nicht undeutsche Uebersetzung, in welcher die zum Verständnis zu ergänzenden Wörter und Satzteile in runde Klammern eingeschlossen sind. Möchte es dem Verfasser, dessen Objektivität wir auch bei dieser Gelegenheit angenehm empfunden haben, vergönnt sein, noch einige andere Traktate (wie Berakhoth, Pesachim und die Baboth) in gleicher Weise herauszugeben! * * B. W. Segel: Die Entdeckungsreise des Herrn Dr. Theodor Lessing zu den Ostjuden. Verlag „Hatikwa", Lemberg (Galizien). Alice Fliegel: Totenwache. Harmonie, Verlagsgesellschaft für Literatur und Kunst, Berlin W. 35. Leo Heller: Neue Lieder. S. Schottlaenders Schlesische Verlagsanstalt, Berlin W. 9. Adolf Dessauer: Grossstadtjuden. Roman. Wilhelm Braumüller, Wien und Leipzig. Pauline Wengeroff: Memoiren einer Grossmutter. Band II. Verlag von M. Poppelauer, Berlin. Albert Katz: Jossele. Gustav Engel, Verlag, Leipzig. Lic. Dr. Hugo Gressmann: Palästinas Erdgeruch. Verlag von Karl Curtius, Berlin. Krede Ben Heik: Der Durst nach Schönheit. Verlagsbuchhandlung Schulze & Co., Leipzig. Israel Zangwill: Komödien des Ghetto. Verlag Siegfried Cronbach, Berlin. Alice Berend: Dore Brandt. „Harmonie", Verlag, Berlin W. 35. Dr. Eugen Wollbe: Ludwig August Frankl, der Dichter und Menschenfreund. Verlag von J. Kauffmann, Frankfurt a. M. Dr. S. Funk: Die Entstehung des Talmuds. (Sammlung Göschen No.479). G. J. Göschensche Verlagshandlung in Leipzig. Preis in Leinwand gebunden 80 Pfennige.

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