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Ost und West · 1910-07-01 · Heft 7 (Juli 1910) · p. Seite 415 - 416

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 7 (Juli 1910)
Article
Luisens Ehrenpforte und die Huldigung der Juden
Date
1910-07-01
Page
Seite 415 - 416 (sequence 4)
Language
German
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415 Franz Vallentin: Luisens Ehrenpforte und die Huldigung der Juden. 416 Hier standen zur Rechten die Oberlandes-Aeltesten und Aeltesten der Berliner Judenschaft, abstechend von der ganzen übrigen Buntfarbigkeit in Schwarz gekleidet. Sie überreichten den Prinzessinnen das folgende Gedicht, das auf rosafarbenen Atlas gedruckt, in blauen mit Silber besetzten Sammet gebunden war und auf einem gleichfalls blauen, silberbesetzten Sammetkissen lag: „Unser Vater, den wir mit Ehrfurcht nennen Friedrich Wilhelm, der vielgeliebte Herrscher, Da er hinaufzog, um der Feindes-Schaaren Einbruch zu wehren; Friedebekümmert unter Siegeswaffen, Jeder gerechten Sorge gern begegnend: Dachte der Erben Seines Pflegeramtes, dachte der Nachwelt. Ihr seid erkohren, Stützen Seines Hauses, Seiner Kinder Vermählte, seid erkohren, Mütter zu werden, und der Bürger Hoffnung im Schooss zu tragen. Viel hat des Lobes von Euch der Ruf verkündet, Vielen Segen verbürgt die Wahl des Vaters, Und der Fürsten Jünglinge funkelnd Auge zeuget der Wahrheit. Darum bringen an dieser Hauptstadt Schwelle, Wir, ein verkanntes Volk, von unserm König Einzig unverkannt, den Königes-Töchtern freundliche Wünsche. Die Ihr die schwerste Kunst so früh gelernet, Liebe zu verdienen, Ihr werdet edel i Euer Verdienst vollenden, und dieses Land durch Liebe beglücken. Siehe, wie steiget in des Reiches Jubel Auch der unsere zu Euch! Ihr hört die Alten: Dafür soll noch der späten Enkel Feier dankend Euch ehren." Dicht neben den Aeltesten standen 14 israelitische junge Mädchen, deren Namen uns erhalten sind, in W^eiss und Himmelblau — „den Farben der Unschuld und Treue". Zwei derselben, die sich von den übrigen durch einen grünen Kranz mit weissen Rosen unter- . schieden, überreichten den Prinzessinnen je ein Körbchen mit exotischen Blumen, das mit einem himmelblauen Bande umwunden war und das folgende Gedicht enthielt: „Blumen, Blüthen eines fremden Strandes, Die ein weiser Gärtner hergebracht, Wurden unsrer Fluren schönste Pracht. Euch berief der Gärtner dieses Landes, Schöne Fremden; darum o verzeiht, Dass, die Eurer sich am längsten freut, Dass die Jugend Euch dies Sinnbild weiht/' „Diese Verse," schreibt der Berichterstatter, „enthielten eine sehr glückliche Idee und sind dem allgemeinen Urteile nach die schönsten, welche der glückliche 22. Dezember veranlasst hat. Das Gedicht, sowie das vorige, ist von Herrn David Friedländer, der dadurch einen neuen Beweis von den vorzüglichen Talenten gegeben hat, derentwegen ihn nicht blos seine eigene Nation achtet." — Es war ebenderselbe David Friedländer, den wir zu den bedeutendsten und mutigsten Vorkämpfern für unsere Gleichberechtigung und zu unsern verdientesten Reformatoren rechnen. * * Am 24. Dezember fand die Vermählung Luisens mit dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm, dem späteren König Friedrich Wilhelm III., statt. Zur Feier dieses Tages schuf der Königlich preussische Medailleur Abraliamson, der Mitglied mehrerer Akademien war, die hier abgebildete Denkmünze. Auf ihrer Vorderseite sieht man die Brustbilder des kronprinzlichen Paares mit der Unterschrift: „Fridericus Princeps Hereditarius Borussiae, Ludovica Princeps Megalopolitana." Die Rückseite zeigt einen Altar, der mit Myrten und Rosengirlanden verziert ist, und auf deren Vorderseite in halberhobener Arbeit der Gott Hymen abgebildet ist, der in der einen Hand seine Fackel und in der andern zwei Myrtenkränze trägt. Auf dem Altar lodert eine Flamme. Rund herum liegen römische Waffen, mit der Umschrift: Media inter arma Hymenaeo (Mitten unter Waffen dem Hymen ein Opfer). Unter dem Altar die Inschrift: „Nuptiis celebratis Berolini d. XXIV. Dec. MDCCXCIIL" Der Medailleur Abrahamson war in seinen Tagen berühmt wegen seines Zyklus von Porträtmedaillen der bedeutendsten Geister seiner Zeit. So haben wir von ihm Denkmünzen auf Moses Mendelssohn, Kant, Lessing, Wieland, Weisse, Ramler, Euler, Sulzer u. a. — Auch eine Schaumünze auf das den Juden im damaligen Königreich Westfalen erteilte Bürgerrecht prägte er. Schon sein Vater, Jacob Abraham, geb. 1723 in Stettin, gestorben 1800 in Berlin) war über 50 Jahre Münzgraveur der preussischen Regierung und stand in hohem Ansehen wegen seiner Medaillen auf Friedrich II. im siebenjährigen Kriege. In der schwersten Leidenszeit der Königin Luise, im Jahr 1806, schuf Abrahamson noch eine Denkmünze, die sie im Brustbild darstellt, mit der Umschrift: „Luise, Preußens Schmuck" und der von einem Rosenkranz umrahmten rückseitigen Inschrift: „Der Frauen höchster Stolz". 1810 stimmte auch Abrahamson in die Klage über den Tod der geliebten Königin Luise ein, Rädern er die letzte hier abgebildete Denkmünze schuf. Sie trägt auf der Vorderseite gleichfalls die Umschrift: „Luise, Preußens Schmuck", auf der Rückseite eine Grabpyramide, über der ein strahlender Stern steht. Dazu die Worte: „Ach! Ist nun für uns dahin'"

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