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Ost und West · 1910-05-01 · Heft 5 (Mai 1910) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 5 (Mai 1910)
Date
1910-05-01
Page
None (sequence 15)
Language
German
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VP OSTW€ ST ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^/ FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 5. Mai 1910. X. Jahrg. DER ZWECK DER ALLIANCE-SCHULEN. Nachdruck verboten. Das Schulwerk der Alliance Israelite Universelle, in drei Erdteilen über 140 Schulen mit mehr als 40 000 Schülern umfassend, stellt schon rein äusserlich die grösste Schöpfung dar, die je auf dem Gebiet des Unterrichtswesens von Privatpersonen und aus privaten Mitteln ins Leben gerufen worden ist. Dass dem Werk selbst nach Abschluss des Zeitabschnitts, der tastenden Versuchen gewidmet sein musste, noch hier und da Mängel im einzelnen anhaften, ist selbstverständlich, denn es ist Menschenwerk. Wer diese MäDgel rügt, um Besserung herbeizuführen, macht sich um das Werk verdient, und darf des Dankes namentlich der Allianceleiter gewiss sein. An solcher fördernden Kritik hat es glücklicherweise nie gefehlt, wird es nach menschlicher Berechnung auch in Zukunft nicht fehlen. Freilich ist nicht jede Ausstellung berechtigt; und nicht immer ist es möglich oder wird es möglich sein, selbst berechtigten Ausstellungen die Abhilfe schnell folgen zu lassen. Die Begrenztheit der materiellen Mittel bildet dabei nicht einmal das grösste Hindernis. Weit schwerer sind die. Zögerungen zu beseitigen, die aus der geringen Auswahl an geeigneten persönlichen Kräften entspringen, aus der natürlichen Langsamkeit in der Heranbildung eines allen Anforderungen genügenden Lehrpersonals. Als die Alliance ibr Werk begann, stand sie vor der seltsam verwickelten Aufgabe, erst Lehrer für eine nach Sprache, Gebräuchen, Bedürfnissen, Ueberlieferungen sehr disparate Bevölkerung, und dann für diese Lehrer Schüler zu schaffen. Es ging nicht an, von Europa aus europäische Lehrer nach Afrika, nach dem nahen und dem entfernteren Orient zu schicken. Mehr noch als die Unerschwinglichkeit der Kosten, die damit verbunden gewesen wären, stand im Wege, dass der europäische Lehrer den Eltern wie den Kindern in Asien und in Afrika fremd geblieben wäre, kaum Verständnis gehabt hätte für deren Anschauungs- und Ideenkreis, und deshalb schwerlich die Eignung gehabt hätte, in unmittelbar wirksamer Weise den Zöglingen ein Fenster aufzumachen nach der Seite der abendländischen Kultur. Es ging auch nicht an, in den fernen Landen Lehrerbildungsanstalten einzurichten. Einmai weil die Zahl dieser Anstalten hätte grösser sein müssen, als die anfänglich verfügbaren Mittel erlaubten; sodann weil es unerlässlich war, die Knaben, die man nach beendeter Ausbildung in zuweilen die Kontrolle fast ausschliessender Entfernung mit dem Lehramt betrauen wollte, wenigstens während der Ausbildungszeit unter steter Beobachtung zu halten. Eine weitere Verwickelung der Aufgabe bestand darin, dass auch recht verschiedene religiöse Anschauungen Berücksichtigung verlangten. Es ist eine irrige Annahme, dass etwa unsere Glaubensgenossen in den anderen Erdteilen alle der nämlichen orthodoxen Richtung angehörten. Dazu war ihr jüdisches Wissen viel zu gering. Die Allianceschulen würden keine Schüler gefunden haben, hätten sie irgendwo den Versuch gemacht, eine religiöse Auffassung, die im Land nicht rezipiert war, zwangsweise zur Geltung zu bringen. Selbstverständlich war die Absicht der Allianceschulen überall auf religiöse jüdische Erziehung gerichtet. Ohne solche Absicht wären die Allianceschulen nie geschaffen worden. Endlich musste die Alliance mit äusserster Sorgfalt darauf bedacht sein, in keinem Land ihres Wirkens eine politische Partei zu bilden oder zu begünstigen, oder gar in den Dienst irgendeiner auswärtigen Politik sich zu stellen. Jahrzehnte hatte die Alliance Israelite Universelle für unsere Glaubensgenossen gewirkt, ihnen Wissen und Erziehung geschenkt, zu ihrer sittlichen und materiellen Hebung in offensichtlich gesegneter Weise beigetragen, ohne dass es irgendwem eingefallen wäre, an der französischen Unterrichtssprache in der überwiegenden Zahl der Allianceschulen Anstoss zu nehmen. Erst in neuerer Zeit ist es vorgekommen und hat sich wiederholt, dass man diese Tatsache aus einer

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