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Ost und West · 1910-04-01 · Heft 4 (April 1910) · p. Seite 269 - 270

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 4 (April 1910)
Article
Die Neu-Konstituierung der deutschen Conferenz-Gemeinschaft
Date
1910-04-01
Page
Seite 269 - 270 (sequence 4)
Language
German
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2^9, Mitteilungen der Aüiance Israelit© Universelle: Die Neu-Konstituierung der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft. 270 lichkeit des. neuen Präsidiums, Ursache haben, das Scheiden des Herrn Geheimrat Goldberger aus seinem Amt auf das tiefste, zu bedauern. Was, unsere Zuversicht in das Gedeihen unserer Sache aufrichtet, ist neben dem unbedingten Vertrauen, das wir den neuen Männern entgegenbringen, die Gewissheit, dass Herr Geheimrat Goldberger im Bedarfsfall auch in Zukunft seinen Rat uns nicht vorenthalten wird. Es ist mir eine Freude, Ihnen sagen zu können, dass Herr Geheimrat Goldberger mir desfalls freundliche Zusicherung gemacht hat. Mit ausgezeichneter Hochachtung Der Geschäftsführer der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israe'lite Universelle. M. A. Klausner. Von der Annahme der Präsidentschaft durch Herrn Timendorfer hat der Geschäftsführer den Mitgliedern der Deutschen Conferenz - Gemeinschaft Kenntnis gegeben. LANDESRABBINER DR. FABIAN FEILCHENFELD In der Märznummer dieses Blattes haben wir ■unseren Lesern von dem am 16. Februar d. J. erfolgten Ableben unseres treuen Mitarbeiters, des Herrn Landesrabbiner Dr. Feilchenfeld-Schwerin, Kenntnis gegeben. In Ergänzung unserer früheren Mitteilung sei hier ein ausführlicheres Lebensbild des verdienten Mannes hinzugefügt. Herr Dr. Fabian Feilchenfeld stammte aus der Ostmark unseres Vaterlandes, die in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts der deutschen Judenheit eine Fülle geistig hervorragender, auf den verschiedensten Gebieten wohlverdienter Männer geschenkt hat. Erühzeitig verliess der Knabe das Elternhaus, um auf dem mühevollen, ungeebneten Weg, den damals so mancher Jüngling einschlagen musste, der später ein Führer in Israel wurde, sich für das Leben und seinen Beruf vorzubereiten. Ra witsch, Dresden, Berlin sind die Stationen seiner Lehrzeit; Zacharias Frankel, Wolf Landau, Michael Sachs die Männer, die seine religiöse Entwicklung beeinnussten. Bei dem fleissigen Studium der Religionsquellen bereitete sich der Jüngling mit grosser Energie für den Besuch der Universität vor, studierte in Berlin vornehmlich Geschichte und Philosophie, und erreichte so das Ziel, das ihm seit frühester Jugend voran geleuchtet hatte, ein Lehrer Israels zu werden. Nachdem er eine Zeitlang in Dresden an der Religionsschule, die unter der Leitung seines Schwagers, des Oberrabbiners Landau stand, unterrichtet hatte, wurde er als Rabbiner nach Culm a. W. berufen und nach 17 jähriger Wirksamkeit zum Landesrabbiner von Mecklenburg-Schwerin gewählt; eine Stellung, in der der Dahingeschiedene fast 35 Jahrelang segensreich wirkte. Die hervorstechendsten Eigenschaften seines Wesens, und — da Gesinnung und Handeln bei ihm eins war — auch seines Wirkens, waren seine unbedingte Wahrhaftigkeit, und sein Drang zu lehren; von dem, was er als wahr erkannt hatte, anderen zu spenden. Diese Wahrhaftigkeit, die er niemals verleugnete, auch wenn es gegen sein eigenes Interesse war, war es Rabb. Dr. Feilchenfeld. Nachdruck verboten. hauptsächlich, die seine Gemeinden, und alle, die ihn kannten, mit hoher Verehrung zu ihm emporblicken Hess: jeder, der ihn hörte, war überzeugt, dass er nicht anders sprach, als erfühlte; auch durch die oft scharfen Urteile über Personen und Geschehnisse wurde man nicht verletzt, weil man sie als den Ausdruck der mühsam errungenen, in ernstem Denken erkämpften Ueberzeugung erkannte. Daher zählte auch Feilchenfeld, der gewohnt war, alles selbst zu durchdenken und immer den Mut der eigenen Ueberzeugung besass, keiner religiösen Partei sich zu. Doch mit dem freien Denken vereinte er eine glühende Liebe zum Judentum, und als Frucht seines Forschens gewann er die tiefe Ueberzeugung von dem alles überstrahlenden, veredelnden und versittlichenden Einfluss, der in der jüdischen Lehre und in dem jüdischen Leben enthalten ist. Der Drang, zu lehren, und was in ihm lebte, anderen mitzuteilen, liess ihn, wo er immer stand, Katheder und Kanzel finden. Seichte, inhaltsleere Konversation war ihm in der Seele zuwider; sehr bald verstand er es, den Hörer in den Bann seiner Gedankenwelt zu zwingen, die vor allem Religion und Völkerleben umschloss. Dieses Streben, durch seine Lehre auf weitere Kreise zu wirken, veranlasste ihn auch, begabte junge Leute heranzuziehen, um sie als Lehrer — in erster Reihe für die Gemeinden seines Bezirkes — "heranzubilden. Die Wirkungen, die der Pädagoge auf diesem Gebiet erzielte, grenzen fast ans Wunderbare. Junge Leute aus dem Osten, die fern von deutscher Kultur aufgewachsen waren, werden in den profanen und religiösen Fächern ausgebildet, so dass sie nicht nur imstande sind, später als Lehrer in deutschen Gemeinden zu wirken, sondern vereinzelt auch, die erhaltenen Anregungen weiter ausbildend, dem Rabbinerberuf sich zuwenden, und nun als Rabbiner grösserer Gemeinden — in Deutschland und im Ausland — segensreich amtieren. Die Früchte seiner pädagogischen Tätigkeit hat Dr. Feilchenfeld ausser in verschiedenen Aufsätzen in

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