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Ost und West · 1910-04-01 · Heft 4 (April 1910) · p. Seite 217 - 218

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 4 (April 1910)
Article
Die Professorin [Illustration]
Date
1910-04-01
Page
Seite 217 - 218 (sequence 1)
Language
German
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217 218 SIEGFRIED WAGNER. KOPENHAGEN. „Die Professorin". (Büste in Bronze.) OLGA WAGNER. KOPENHAGEN. Statuette. (Bronze.) SIEGFRIED WAONER. Von Karl Schwarz. OLGA u. SIEGFRIED WAGNER. KOPENHAGEN. Portrait. (Büste in Bronze.) Nachdruck verboten. Auf der letzten Ausstellung der Sezession in Kopenhagen fielen modern Saale der Plastiker zwei Bronzeblisten durch ihre individuelle feine Behandlung auf, die auch in technischer Beziehung reges Interesse verdienen. Ihr Schöpfer, Siegfried Wagner, den unsere Leser bereits kennen gelernt haben (Jahrgang 190S, S. 295 EL), ist heute einer der bedeutendsten dänischen Bildhauer, findet in seinem Land reiche Anerkennung, teilt aber leider mit seinen übrigen künstlerischen Landsleuten das Geschick, dass sein Ruf kaum aus den engen Grenzen seiner Adoptivheimat bis zu uns gedrungen ist. Die kaum hundertjährige Kunst Dänemarks hat bereits manchen tüchtigen Künstler hervorgebracht; man staunt beim Besuch der Kopenhagener Galerien über die Werke derer, deren Namen uns ff unbekannt sind. Auch auf den alljährlichen Ausstellungen begegnet' man Werken, die. wohl eine weitere Kenntnisnahme verdienten, und unter diesen wiederum ist es Wagner, dem am meisten zu wünschen wäre, dass] seine plastischen Arbeiten einem grösseren, Kreis zugänglich gemacht würden. Siegfried Wagner ist in Hamburg geboren, kam frühzeitig nach Dänemark und hat dort seine kitostlerische Ausbildung genossen. Er besuchte die Kopenhagener Akademie und .war dann im. Atelier, von J. F. Willumsen tätig, von dem er nachhaltige Anregungen erfahren hat. Grössere Reisen in Deutschland, Frankreich, Spanien und England, und vor allem •in« Reise nach Aegypten wirkten auf den ernst strebenden Künstler ein, der, stets nach ueuea Eindrücken suchend, die er in staunenswerter Weise in seine eigene Formensprache umzusetzen versteht, auch den verschiedensten Gebieten sein Interesse zuwandte. Eine starke Natur gestattet ihm, seinen fast übersprudelnden Schaffensdrang in mannigfachster Form zum Ausdruck zu bringen. Wenn die einbrechende Dunkelheit das Arbeiten an dem plastischen Werk im Atelier verhindert, so greift er zu Feder und Stift und entwirft kunstgewerbliche Gegenstände: Beleuchtungskörper, Möbel, Silberarbeiten, Bucheinbände und Stoffe und last but not least Vorlagen für die weltberühmte Kopenhagener Porzellan-Manufaktur — alles Gebiete, in denen er durch Betätigung in den Ateliers namhafter Firmen die nötige Vorbildung genossen und in denen er bereits grosse Erfolge zu verzeichnen hat. Am stärksten jedoch zeigt sich Wagners Talent in seinen plastischen Werken, die, hauptsächlich angeregt durch seine im Orient erfahrenen Eindrücke, übersetzt in die Formensprache der modernen nordischen Kunstanschauung, eine gewaltige Monumentalität und Individualität erkennen lassen. Vielleicht •kann man aus ihnen sogar mehr als den Ausdruck einer starken Persönlichkeit herauslesen, es ist der einer Kultur, die in der Abstammung zu suchen, ist. Denn so wie Jozef Israels in den Hütten der holländischen Fischer den Grundakkord fand, auf dem er seine dem jüdischen Herzen entsprungenen Elegien aufbaute, so' hat Wagner in der gewaltigen, jahrtausende alten Kultur des Morgenlandes ein Thema gef-.nden, aus

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