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Ost und West · 1910-04-01 · Heft 4 (April 1910) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 4 (April 1910)
Date
1910-04-01
Page
None (sequence 9)
Language
German
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£ OSF«€ST ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^/FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 4. April 1910. X. Jahrg. AUS DER STURM- UND DRANGZEIT. (Zum Tode des Mose Löb Lilienblum). Von Dr. Simon Bernfeld. Nachdruck verboten. Am 12. Februar ist in Odessa der hebräische Schriftsteller Mose Löb Lilienblum im Alter von Sechsundsechzig Jahren aus dem Leben geschieden. In dem Leben dieses Mannes, der nicht nur ein hervorragender Schriftsteller war, sondern auch ein idealer Volkserzieher, verkörpert sich ein Stück Geschichte der russischen Judenheit. In gewissem Sinne kann Lilienblum als der Träger einer geschichtlichen Epoche bezeichnet werden, die einen Zeitraum von mehr als vier Jahrzehnten umfasst. Man kann diese Epoche in zwei Hälften teilen, und grade in dem "Wirken Lilienblums zeigt sich so deutlich, welche gründliche Wandlung in der russischen Judenheit während zweier Menschenalter vor sich ging. Lilienblum war der hervorragendste und durch wissenschaftliche Bildung bedeutendste Vertreter einer literarischen Eichtung, die in ihm ihren Höhepunkt erreichte; gleichzeitig bedeutet er den völligen Bruch mit jener Eichtung und die Begründung einer [neuen, die man nicht bloss als literarische bezeichnen kann, da sie auf das geistige Leben der russischen Juden den grössten Einfluss ausübte. Lilienblum war eben zu keiner Zeit seiner öffentlichen Wirksamkeit bloss Schriftsteller; er war ein hingebungsvoller Volkserzieher, ein Volksredner im prophetischen Geiste, der zum Volk durch seine Schriften sprach. Mose Löb Lilienblum wurde am 1Ö. Oktober (a, St.) 1843 in dem litauischen Städtchen Keidan als Kind armer Eltern geboren. Er zeigte bereits in frühester Jugend ungewöhnlich grosse Begabung und erhielt auch dementsprechend eine sorgfältige Erziehung. Allerdings war diese, wie damalsllin einem armseligen litauischen Städtchen nicht anders zu erwarten stand, höchst einseitig; der begabte Knabe, und später auch der Jüngling, lernte bloss Bibel und Talmud, jede profane Bildung blieb ihm fremd. Wie dieses auch an sich beklagenswert sein mochte, und wie viel Lilienblum auch später darunter litt, diese einseitige Erziehung war doch für sein ganzes Leben bestimmend, nicht zu seinem Schaden. Denn Lilienblum behielt dadurch seine Eigenart, er war, wie wenige seiner Zeit- und Berufsgenossen ein jüdischer Schriftsteller und Volksbildner im besten Sinne des Wortes. Später hat er sich wohl durch Selbstunterricht viel profanes Wissen angeeignet, aber er wurzelte immer tief im Judentum, das für ihn der Ausgangspunkt alles Denkens und Empfindens war. Daraus erklärt sich auch zweifellos die grosse Wirkung seiner Schriften, der mächtige Einfluss, den er in Eussläiid auf zwei Generationen ausgeübt hat. In solchem Mass hat kein zeitgenössischer hebräischer Schriftsteller in der jüdischen Vergangenheit gewurzelt, hat keiner so ganz dem jüdischen Volk angehört, wie Mose Löb Lilienblum. Sein erstes öffentliches Auftreten fällt in die zweite Hälfte der sechziger jährö des Vorigen Jahrhunderts. Damals lebte Liiientthiri * lä äem

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