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Ost und West · 1910-03-01 · Heft 3 (März 1910) · p. Seite 167 - 168

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 3 (März 1910)
Article
Wilhelm Bacher
Date
1910-03-01
Page
Seite 167 - 168 (sequence 2)
Language
German
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167 A. Hebräus: Wilhelm Bacher. 168 und da ist er seit Jahren unablässig und erfolgreich bemüht, den Spuren des jüdischen Geistes, der sich Jahrhunderte hindurch auch in dieser Sprache offenbart hat, nachzugehen und sie aufzudecken. Man hat in jüngster Zeit verschiedene literarische Produkte im persischen Idiom gefunden, von denen die Welt früher keine Ahnung hatte. Niemand war so geeignet und so berufen, diese literarischen Schätze zu erforschen und zu verwerten, wie Wilhelm Bacher — zumal die jüdisch-persische Volkspoesie, bei deren Sammlung das philologische Wissen allein nicht ausreicht. Da ist dem Gelehrten wiederum die dichterische s Feinfühligkeit zu Hilfe gekommen. Sein Verdienst ist es, dass uns Schahin, ein jüdisch-persischer Dichter von religiöser Wärme, bekannt geworden ist. Im übrigen ist Bacher auf diesem Gebiet noch immer eifrig tätig, und wir dürfen von ihm noch manches Wertvolle erwarten. Der Gelehrte ist nicht nur in seiner Forscherarbeit verehrungswürdig, sondern auch in seiner bescheidenen und sympathischen Persönlichkeit liebenswürdig. Er hat zahlreiche Freunde und Verehrer; ich zweifle aber, ob auch nur einen Feind. Seine liebenswürdige Natur und sein bescheidenes Wesen lassen bei niemand Feindschaft aufkommen. * * Die Hauptwerke Bachers sind: Nizamis Leben und Werke, Leipzig 1871. Die Agada der babylonischen Amoräer, Strassburg 1871. Sadis Aphorismen und Sinngedichte, Strassburg 1879. Die Agada der Tannaiten, 2 Bde., Strassburg 1884—90. Die Agada der palestinensischen Amoräer, 3 Bde., Strassburg 1892—99. Die älteste Terminologie der jüdischen Schriftauslegung, Leipzig 1899. Abraham ibn Esra als Grammatiker, Leipzig 1882. Leben und Werke des Abulwalid, Leipzig 1885. Die Bibelexegese der jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters vor Maimuni, Strassburg 1892. Die Bibelexegese Moses Maimunis, Strassburg 1896. Die hebräische Sprachwissenschaf t vom 10.—16. Jahrhundert, Trier 1893. Die jüdische Bibelexegese vom 10.—15. Jahrhundert, Trier 1892. „Sefer Haschoraschim", Abulwalid Merwan ibn Ganäh's hebräisches Wörterbuch in J. Ibn Tibbon's Uebersetzung, Berlin 1893—97. Ein hebräisch-persisches Wörterbuch aus dem 14. Jahrhundert, Strassburg 1900. Zwei jüdisch-persische Dichter, Schahin und Jmrani, 1907. Mit J. Derenbourg gab Bacher die hebräische Grammatik Abulwalids im arabischen Original heraus („Kitäb al Limia", Paris 1886). 1884—1890 leitete er im Verein mit J. Ban6czi die „Ungarisch-Jüdische Revue" („Magyar Zsido Szemle"). EINE SPINOZA-GESELLSCHAFT? Von Constantin Brunner.*) In der vorigen Nummer, im Februarheft dieser Zeitschrift, hat Ernst Altkirch-Dresden zur Gründung einer Spinoza-Gesellschaft aufgefordert, wobei auch meines Namens Erwähnung geschah. Um sehr leicht möglichen Missverständnissen entgegenzutreten, sei erklärt, dass ich mit dem Aufruf nichts zu tun gehabt und nichts von ihm gewusst habe — obwohl ich von der Angelegenheit, die mit jenem Aufruf ins Rollen gebracht werden sollte, sehr wohl wusste. In einem Kreise von Männern, die mir nahe und mit mir auf dem Boden der Lehre von den Geistigen und vom Volk stehen, ist seit längerer Zeit von einer Spinoza- Gemeinschaft die Rede — nun ja; aber noch liegt selbst das Modell davon in der Mache, und bis man die Glocke ziehen kann, das dürfte um so eher noch währen, als die zu gründende Vereinigung auf die breiteste Grundlage soll gestellt werden und solcher Art ist, dass dabei nicht die Frage gilt: Wie lange dauerts noch? sondern: Wie wird es gut, und wann ist die Zeit dafür? Es handelt sich nicht um ein Kränzchen, auch nicht um eine neue Amüsiergelegenheit für Philosophie- Philologen, sondern um eine ganz ernste, allerernsteste Sache. Um nichts Geringeres als darum: für unsere Zeit, die, wie im Grunde jede Zeit, unter der Dualität der Gedanken steht und gespalten ist in den unversöhnbaren Gegensatz zwischen der einen, einzigen, von ewig her sich gleichbleibenden Wahrheit einerseits und den vielen Wahrheiten des Aberglaubens andrerseits, — um nichts Geringeres ist es zu tun als darum: in all dem chaotischen Geschwirr, in- *) Wir geben dem eifrigen Propheten und Forscher des Spinozismus gern Gelegenheit zu einer Erklärung, die ihm Sache herzinnigster Ueberzeugting ist. Die Redaktion. Nachdruck verboten. mitten des geschreireichen Eklektizismus aus allen den Aberglaubenswahrheiten dieser unsrer Epoche (worunter die von der Entwicklungslehre am lautesten ihre scheussliche Stimme erhebt) einen Mittelpunkt zu schaffen für diejenigen, die auf der einen, ewigen Wahrheit von dem ewig Einen stehen und zu stehen vermöchten. Welche Wahrheit das aber ist? — Nun, die einzige, die von allem, was gedacht wird, keine Nichtigkeit zum Inhalte hat, sondern die absolute Realität; die einzig und allein Wahrheit des Denkens genannt werden kann, weil einzig und allein sie und nichts ausser ihr im Denken tatsächlich vollziehbar ist: allem übrigen kommt entweder nur relative Wahrheit für die Praxis unsres Lebens zu, oder es ist Aberglaube, fiktiv absoluter Inhalt des Denkens; — mit einem Wort, keine andre als die Wahrheit, davon schon Mose, übereinstimmend im Innersten mit Spinoza, der grosse Sprecher gewesen. Um Festigung in der wahrhaft denkbaren und unbestreitbaren, niemals noch von einem wahrhaften Denker bestrittenen oder auch nur angezweifelten Wahrheit ist es zu tun, die also, ein Element der Menschheit, zu allen Zeiten die unveränderlich Eine erscheint. Um prinzipielle Klärung des Bewusstseins von ihr, welche Klärung nicht zuletzt dadurch gelingt, dass ihr gegenüber in deutlichster Ansicht hingestellt wird ihre Antithese des Aberglaubens, welcher Aberglaube ebenfalls — gleich der Wahrheit — ewig einer und derselbe bleibt und unvergänglich unter den Menschen; denn obwohl alle die einzelnen „Wahrheiten", in denen dieses andre unzerstörliche Element auftritt, ewig wechselnd und vergänglich sind, obwohl der Aberglaube in der beständigen Selbstvernichtung aller seiner Formen erscheint, so ist doch im innersten Grund und Wesen nur Ein Aberglaube, ist nur Ein Prinzip des aber-

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