Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1910)
- Article
- Die Intervention in Marokko
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 67 - 68 (sequence 2)
- Language
- German
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67 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle. 68 Am Tage zuvor, am 22. November 1909, ging an den Grosswesir des Sultans Mulay Hafid nachstehendes Schreiben: „Paris, den 22. November 1909. An Si Madani Elmezuar El Glaui Grosswesir Seiner Scherifischen Majestät Mulay Abdul Hafid, Sultan von Marokko Fez. Eure Exzellenz haben die Güte gehabt, uns die Versicherung zu - geben, dass Sie den treuen Untertanen Seiner Scherifischen Majestät ohne Untersehied der Abstammung und des Bekenntnisses gleichen Schutz angedeihen lassen wollea. Wir freuen uns von Herzen über dieses Zeichen nachdrücklicher Fürsorge, die Sie auch unseren Glaubensgenossen zugewendet haben. Durchdrungen von Dankbarkeit für ihren neuen Herrscher Sultan Mulay Abdul Hafid, der sie seinen übrigen Untertanen gleichschätzen will, voller Dankbarkeit auch gegenüber den Ministern Seiner Scherifischen Majestät, und besonders gegenüber Euerer Exzellenz, dessen wohlwollende Haltung zu ihren Gunsten sie anzuerhennen wissen, wollen die Israeliten Marokkos sich dessen würdig zeigen und durch ihre Anhänglichkeit und ihre Tätigkeit zum Gedeihen des Landes beitragen. Welchen Schmerz haben daher die Israeliten von Fez empfunden, als sie vor einiger Zeit der Gegenstand neuer Bedrückung und schlechter Behandlung von Seiten des Kämmerers Seiner Majestät waren. Dieser über unsere Glaubensgenossen ohne Zweifel falsch berichtete Beamte hat sie in ihren religiösen Gefühlen verletzt, indem er sie zwang, während der grössten jüdischen Festtage zu arbeiten. Er drängte ihnen gewaltsam Frohndienst auf, für den sie keinen Lohn erhielten. Er liess ihnen körperliche Züchtigung auferlegen, die zu verschiedenen Zeiten durch Edikte marokkanischer Herrscher untersagt worden war. Gestatten Sie uns, Exzellenz, die wir seit fast 50 Jahren an der moralischen und intellektuellen Hebung unserer marokkanischen Glaubensgenossen arbeiten, Ihre wohlwollende Protektion zugunsten der israelitischen Bevölkerung zu erbitten, zu appellieren an Ihr Menschlich - keits- und Gerechtigkeitsempfinden, um die Wiederkehr solcher beklagenswerten Vorkommnisse zu verhüten. Unsere Glaubensgenossen bedürfen Ihres Schutzes: Ihre Intervention wird ihnen das Gefühl der Sicherheit geben, und Sie werden sich die Dankbarkeit nicht nur der marokkanischen Glaubensgenossen erworben haben, die Ihren Namen rühmen werden, sondern auch die Dankbarkeit aller Israeliten der Weif, deren Dolmetscher wir sind. Genehmigen Sie, Exzellenz, die Versicherung unserer Ehrerbietung. Der Präsident der Alliance Israelite Universelle N. Leven." Ueber die Wirkungen, die die Verhandlungen der französischen Deputiertenkammer und das Schreiben des Präsidenten Leven gehabt haben, berichtet Herr Elmaleh unter dem 7. Dezember: „Fez, 7. Dezember 1909. Niemals ist eine Intervention zu einem geeigneteren Zeitpunkt gekommen. Während der Horizont der Marokkopolitik umwö'kt war, haben Sie förmlich divinatorisch den rechten Augenblick herausgefunden, um zugunsten unserer Glaubensgenossen in Fez zu intervenieren Der Sultan hat mit der grössten Aufmerksamkeit die Reden gelesen, die betreffs Marokkos während der letzten Tage in der Deputiertenkammer gehalten wurden. Sobald die Zeitungen in Tanger eintrafen, brachten ihm Eilboten die Üebersetzungen. Sie erinnern sich des Berichts über die Lage des Mellah, den ich Herrn Gaillard erstattet hatte, und der dem Ministerium des Auswärtigen übermittelt worden ist. Sie haben gesehen, dass Herr Pichon in der Kammer von der Lage der Juden in Fez gesprochen hat. Seine Ausführungen waren durch den Bericht angeregt, von dem er einen Auszug wiedergab. Andererseits hat Herr Pichon über diesen Gegenstand Vorstellungen an den Mokhri gerichtet, der sie dem Sultan übermittelte. Der Grosswesir hat gestern infolge dieser Interventionen die Grossrabbinen und Notablen unserer Gemeinde berufen und ihnen im Namen seines Herrn folgendes gesagt: „Es ist zu unserer Kenntnis gelangt, dass der Direktor Ihrer Schule zu verschiedenen Malen unsertwegen an die Alliance Israelite geschrieben hat. Ich bin durch unseren Herrn beauftragt, Ihnen zu sagen, dass niemals mehr in Zukunft Sie irgendwelche Ungerechtigkeit von Seiten des Maghzen zu erleiden haben werden, dass man Ihnen keinen Frohndienst mehr auferlegen wird, dass Ihre Feiertage und Samstage in Zukunft respektiert werden sollen. Ich bringe Ihnen die Zusage des Wohlwollens von Seiten des Sultans, der Sie liebt, wie seine treuesten Untertanen. Die Türen zum Hause des Dar El Maghzen werden Ihnen von heute an weit geöffnet sein, und Sie werden immer Ihre Klagen und Beschwerden vor uns bringen können; wir werden Sie mit Billigkeit aufnehmen." Ungefähr in diesen Ausdrücken sprach der Grosswesir zu den Repräsentanten des Mellah. Unmittelbar, nachdem die Notablen gegangen waren, habe ich dem Grosswesir meine Aufwartung gemacht und habe ihm Ihren Brief übergeben. Dieser hat einen bemerkenswerten Eindruck auf ihn gemacht. Der Grosswesir ist von Ihrem Vorgehen angenehm berührt, was er durch den liebenswürdigen Empfang bewies, den er mir bereitete. Nachdem er mir gegenüber die einige Augenblicke vorher den Notablen d« s Mellah gegebenen Versprechungen erneuert hatte, erhob er sich, um dem Sultan Kenntnis von Ihrem Brief zu geben. Den Brief hatte ich vorher in gutes Arabisch übersetzen lassen. Elmaleh " * Keine Wolke im neuen Jahr möge Si© umschweben, nur die duftige Wolke der feinen Gigarette: ,-,Salem Aleikum". Keine Ausstattung, nur Qualität. Echt mit Firma: Orientalische Tabak- und Cigarettenfabrik „Yenidze" Inh. Hugo Zietz, Dresden. Außer in den Preislagen 3y2, 4, 5 Pfg. auch zu 6, 8, 10 Pfg. d. Stferhältlich. \ Verantwortlich für den allgemeinen Teü: Chefredakteur Leo Winz, Berlin W. 15, Knesebeckstr. 48/49. Verlag „Ost und West", Leo Winz, Berlin S. 42. — Druck von Beyer &Boehme, Berlin S. 42, Wasserthorstr. 50.