Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1910)
- Article
- Griechische Umtriebe
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 51 - 52 (sequence 2)
- Language
- German
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- Beirut 1× ep/1047833
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51 Mitteilungen der Alliance Israelit© Universelle: Griechische Umtriebe. 52 Die Alliance-Schulen in Beirut. Die Lehrer. demTclie bulgarische Agitation die-Möglichkeit einer fremden Einmischung nahe gebracht hatte, verlangten, die Griechen für sich einen Teil von Mazedonien. Auf der Suche nach einer historischen Begründung solchen Anspruchs kamen die Griechen auf die Vorstellung, dass ganz Mazedonien ihnen von Rechts wegen zustehe, ja, dass die gesamte europäische Türkei und das kleinasiatische Küstenland, das ihren Vorfahren gehört habe, ihr Erbteil darstelle, das ihnen vor Zeiten geraubt worden, das sie aber wiederzunehmen das Recht und die Pflicht hätten. Allmählich bildete sich eine Bewegung zur Verwirklichung dieser?,,grossen Idee", d. h. zur Wiederherstellung des griechischen Kaiserreichs. Nicht^als ob die Griechen nicht jederzeit hieran gedacht hätten; aber sie taten es immer nur platonisch. Erst die jüngsten mazedonischen Ereignisse Hessen eine baldige Verwirklichung hoffen. Eine langsame und methodische Propaganda wurde in allen zu erobernden Gebieten in Angriff genommen, die Hauptanstrengung richtete sich insbesondere auf Mazedonien. Denn solange die Türken die zurückzunehmenden Gebiete be- Die Alliance-Schulen in Beirut. Erholungspause. sassen, war man sicher, sie zu irgendeiner Zeit mit Hilfe Europas zu erlangen, indem man das Mitleid Europas durch den Bericht von angeblichen Massakres erregte. Sobald aber Christen sich eines Teils des ottomanischen Reichs bemächtigten, gab es keine Möglichkeit mehr, sie daraus zu entfernen, es sei denn durch einen Krieg, den man mit eigenen Kräften zu führen hätte. Bulgarien erweckte ganz den Anschein, als wollte es eines Tages die Hand auf Mazedonien legen. Hatte es doch, um sich Ostrumeliens zu bemächtigen, damit begonnen,^- eine Finanzkontrolle und eine Reorganisation des europäischen Gendarmeriedienstes *einzuführen! — Die klügsten und rührigsten Sendlinge dieser Propaganda wandten sich nach Mazedonien, und insbesondere nach Saloniki. Die Griechen, die die Herrschaft über Mazedonien zu gewinnen trachteten, bemerktenbald, dass das griechische Element in dieser Gegend bedeutungslos sei und in politischer Hinsicht kaum mitrechne. Sie versuchten deshalb, die wirtschaftliche Lage der Griechen Mazedoniens zu heben, und naturgemäss stiessen sie dabei auf die Juden.