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Ost und West · 1910-01-01 · Heft 1 (Januar 1910) · p. Seite 43 - 44

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 1 (Januar 1910)
Article
Sonne und Schild ist der Ewige! [Rezension]
Date
1910-01-01
Page
Seite 43 - 44 (sequence 1)
Language
German
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43 Literarische Rundschau. 44. Sonne und Schild ist der Ewige! Festpredigten von Dr. Max Beermann, Babbiner der Kreis- Synagogen - Gemeinde Insterburg. Verlag von J. Kauffmann in Frankfurt a. M. Der stattliche Band enthält 75 Predigten. Davon knüpfen 63 an bestimmte religiöse Daten an; die übrigen 12 haben individuelle Ereignisse zum Anlass. Dr. Beermann hat bei allen, die ihn von der Kanzel herab sprechen hörten, schon immer für einen mit vorzüglichen G-aben ausgestatteten Prediger gegolten. Durch die vorliegende Sammlung beweist er, dass seine Redekunst nicht bloss durch die einschmeichelnde Form wirkt, dass nicht bloss die Wärme des Vortrags es ist, die seine Gemeinde bestrickt, sondern dass dauernden Gewinn für Kopf und Herz mit heimnimmt, wer ihm lauscht. Beermanns Kanzelreden bleiben ausdrucksvoll, auch wenn sie gedruckt sind. Die Innigkeit des Gefühls, die in jeder seiner Predigten sich offenbart, ist ergreifend und rührend. Dass das tiefe religiöse Gefühl so wohltuend schön, in so gewählter Rede bei ihm sich äussert, ist eine Eigenheit, deren - Seltenheit wir zu beklagen Ursache haben. Nicht an das Gefühl allein wendet sich Beermann, er klopft nicht ausschliesslich an das Herz des Hörers. Dass er wie ein gebildeter Mann spricht, ist selbstverständlich; doch dass er Gebildete für religiöse Dinge zu interessieren, zu gewinnen, auf Religiöses ihr teilnahm volles Denken zu richten bestrebt ist und versteht, das ist sein Vorzug, den in gleicher Höhe nicht viele beanspruchen dürfen. Beermanns Predigtbuch ist zugleich ein Andachts- und ein Lehrbuch. Seine Leser werden als seine Gemeinde sich empfinden und als seine Schüler. -s- REVUE DER REVUEN. Von einer neuen Wohlfahrtsaktion des amerikanischen Philanthropen Nathan Straus weiss „The American Hebrew" zu berichten. Mr. Straus besitzt in Lakewood ein prachtvolles Palais mit herrschaftlichem Park im Werte von 700 000 Dollar, das in den letzten Jahren einem Pächter als Hotel überlassen war. Dieses hat nun Straus als Genesungsheim für schwindsüchtige Kinder gespendet. Die enthusiastischen Berichte der amerikanischen Presse über die Schenkung haben so viel Zustimmung gefunden, dass innerhalb weniger Wochen weitere 250 000 Dollars für den rühmlichen Zweck zusammengeschossen wurden. Nachdruck verboten. Die „Allgemeine Zeitung des Judentums" begrüsst den Entschluss der Reichsregierung, bei Neuregelung der Sonntagsruhe auch die Interessen der jüdischen Geschäftsbetriebe zu berücksichtigen, die am Sabbat und an jüdischen Festtagen geschlossen bleiben. Aus dem bereits vorliegenden Entwurf wird folgende Stelle zitiert: (,Durch Anordnung der höheren Verwaltungsbehörden oder durch Ortsstatut wird eine Berücksichtigung der an jüdischen Feiertagen gänzlich ruhenden Geschäftsbetriebe dahin zu ermöglichen sein, dass diese die jüdischen Angestellten bis zur Dauer von drei Stunden in für den Verkehr , geschlossenen Geschäftsräumen beschäftigen können." Zwei grosse Finanzgenies unserer Zeit sind fast gleichzeitig dahingegangen. Der Tod des Ritters v. T aus s ig-Wien liat namentlich die politischen Blätter veranlasst, von dem Werdegang des genialen Mannes zu erzählen. Wie Taussig als ein Bankenkönig des Westens, ist Geheimrat J. S. Pol jakow-Moskau, der am 24. November in Biarritz starb, als ein Geldkönig des Ostens anzusehen. In grösserem Masse als Taussig hat er die ganze Zeit seines Lebens allen Seiten jüdischen Lebens tätiges Interesse zugewendet und seinen Einfluss immer für seine Glaubensgenossen geltend gemacht. Einem Leser, der bedauert, dass nicht alle 'grossen Männer Juden sind und dem auch Beethoven als jüdischer Komponist mehr Freude machen würde, gibt die „Oesterr. Wochenschrift" folgende gelungene Erwiderung: „Ueber die Abstammung Beethovens können wir Ihnen nichts Näheres mitteilen und wir haben keine weiteren Gründe zur Vermutung, dass die Ahnen Beethovens Juden waren, als dass sich im I. Buche Samuel, Kap. 13, Vers 5 folgender Satz findet: Und sie (die Philister) zogen hinauf und lagerten bei Mischmasch östlich von Beethoven". Am 4. Dezember beging, nach einem Berichte der „St. Petersburger Zeitung", Prof. Daniel Chwolson semen neunzigsten Geburtstag. Noch unter Nikolaus I. wurde Chwolson als Professor für semitische Sprachen an die Petersburger Universität berufen. Trotz seines hohen Alters versäumt der Gelehrte keine seiner Vorlesungen. Unter den vielen wissenschaftlichen Werken, die Chwolson verfasst hat, ist besonders das über die Blutlüge von historischer Bedeutung. Eine eben erschienene Lehrstatistik für die preussische Monarchie lehrt, dass es in Preussen nur zwei jüdische Direktoren an Nichtvollanstalten und 44 jüdische Professoren und Oberlehrer gibt. Dazu kommen noch 53 jüdische Professoren und Oberlehrer an den städtischen Anstalten Berlins. Der Staat beschäftigt an seinen Anstalten nur 10 jüdische Professoren und Oberlehrer, während die Städte einschliesslich Berlin 87 Juden angestellt haben. * * Der Präsident der französischen Republik hat durch Dekret die Namen derer bekannt gegeben, die als die grössten Spender oder Förderer des französischen National- Museums im Louvre, auf einer im Vestibüle anzubringenden Marmortafel verewigt werden sollen. Es werden die Namen genannt von: Baron Gustav Rothschild, Eduard, Nathaniel, Adolphe und Arthur Rothschild; ferner Noel Bardac, Graf Isaae de Camondo und Salomon Reinach. Im österreichischen Parlament; interpellierten die Sozialdemokraten den Minister wegen der in den Wiener jüdischen Blättern erscheinenden Liste der aus dem Judentum Austretenden. Sie fordern ein gesetzliches Erscheinungsverbot und stützen sich auf das Prinzip des „freien Religionsbekenntnisses." Hierzu bemerkt die „Oesterr. Wochensshrift": „Eigentlich unterstützen wir nur die aus dem Judentum Geflüchteten, indem wir ihren Entschluss aus dem Judentum auszutreten, bekräftigen, fördern, unterstreichen. Wir wollen denen, die mit den Waffen in der Hand zurückgeblieben .sind, mitteilen, auf

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