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Ost und West · 1910-01-01 · Heft 1 (Januar 1910) · p. Seite 39 - 40

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 1 (Januar 1910)
Article
Hermann Senator
Date
1910-01-01
Page
Seite 39 - 40 (sequence 2)
Language
German
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39 X. Y.: Hermann Senator. 40 Namen in Verbindung mit Dingen, die seinem Wesen so fremd sind, wie irgendmöglich, in die Oeffentlichkeit gezerrt sehen musste. Er hat den Triumph erlebt, dass vor der siegenden Sonne der Wahrheit und des Rechts alle Anklagen in Nichts zerschmolzen sind, und seine mit überwältigender Mehrheit erfolgte Wiederwahl zum Vorsitzenden der medizinischen 'Gesellschaft hat gezeigt, dass die Berliner Aerzteschaft einen viel zu gesunden Sinn besitzt, als dass sie sich durch Neid, Missgunst und demagogische Verhetzung in dem Urteil über ihre Grössen irremachen Hesse. Und es charakterisiert den ganzen milden, über den Personen und Dingen stehenden Sinn des Mannes, die ruhige Vornehmheit seines Wesens, dass er in der Rede, mit der er seine Wiederwahl annahm, nicht Worte der Anklage, sondern der Entschuldigung für alle die fand, die ihn so schwer gekränkt. Senators wissenschaftliche Bedeutung ist auch dem Laien leicht verständlich. Denn sie beruht vor allem auf seiner Universalität. Als Kliniker gehört er zu den ersten Deutschlands und ist einer der wenigen, die noch aus den grossen Tagen, da eine wissenschaftliche innere Medizin entstand, in die neue Zeit hineinragen. Aber wie kaum ein zweiter vermag er die Verbindung zwischen beiden herzustellen. Einer Richtung entstammend, die vor allem die exakte Krankenbeobachtung in den Vordergrund stellte~und in erster Reihe wirklich klinische Probleme in Angriff nahm, hat er sich mit erfreulicher Versatilität des Geistes auch in alle mehr theoretische und experimentelle Fragen hineingearbeitet, die in stetem Wechsel die Medizin bewegen, und hält so im wahrsten Sinne des Wortes eine wirklich moderne Klinik, unterstützt durch ein geradezu phänomenales Gedächtnis, das das erstaunliche Wissen in muster- Illustration aus dem Buche Adler, „Von Ghetto zu Ghettohafter Ordnung und in jedem Augenblicke zur Verfügung bewahrt. Mit dieser umfassenden Bildung hängt es denn auch zusammen, dass er als Forscher fast jedes Gebiet auf dem weiten Felde der inneren Medizin und ihrer Hilfswissenschaften bereichert hat. Seine geradezu musterhaften Arbeiten über das Fieber, über Stoffwechsel-, Blut- und Nierenkrankheiten — um nur die wichtigsten zu nennen — sichern ihm einen dauernden Namen in der Geschichte der Medizin. Und während sonst sogenannten medizinischen Wahrheiten meist nur ein ephemeres Los beschieden ist, und sie im besten Falle einen heuristischen Wert besitzen, kann Senator mit Stolz sagen, dass gerade seine bedeutendsten Studien auf dem Gebiete der Pathologie des Fiebers und der Nierenkrankheiten trotz aller Angriffe und Einwände ihre glänzende Bestätigung gefunden haben, und dass die Wissenschaft auch in den Dezennien,, die seid ihrer ersten Veröffentlichung dahingegangen sind, nicht über sie hinausgekommen ist. Freilich vermögen auch nur wenige so wie er ein wissenschaftliches Problem klar und mit Schärfe zu erfassen und seine Bearbeitung mit solcher Kritik, die nebelhafter Phantasie und Spekulation auch nicht den geringsten Spielraum lässt, durchzuführen. Und der akademische Lehrer hat die Genugtuung, dass er heute noch, wie nur je, ein dichtgedrängtes Auditorium um sich geschart sieht, und dass die Zahl seiner Zuhörer von Semester zu Semester fast noch wächst. Und dabei gehört er nicht zu den Rednern, die auf den ersten Augenblick blenden. Einfach und schmucklos, dafür aber fasslich und präzise, ist sein Vortrag. Ihm ist die seltene Gabe verliehen, den Studenten auch die schwierigste Materie in einfacher Form darzubieten, und wer je von ihm die Vorstellung eines komplizierten Nervenfiebers und die knappe und klare Entwicklung der Diagnose mit angehört hat, weiss sofort, dass er den geborenen Lehrer vor sich hat. Fügen wir noch hinzu, welch umfassende ärztliche Tätigkeit er seit Jahren ausgeübt hat, und wie gross die Zahl der Leidenden ist, die ihn aus allen Ländern aufsuchen, so haben wir einen Begriff von der; Riesenarbeit des Mannes, der noch heute mit erstaunlicher Rüstigkeit auch die Jüngsten beschämt Und doch hat er daneben noch Zeit gefunden, sich auch auf anderen Gebieten als auf rein medizinischen zu betätigen. Besonders sind es die Angelegenheiten des Judentums, denen sein warmes Interesse gilt. Mit welcher Ueb er - zeugungstreue er stets dafür eingetreten ist, davon legt sein ganzes Leben Zeugnis ab. Und so vereinigen 'sich denn mit der medizinischen Welt gerade die Leser dieser Zeitschrift in dem Wunsche, dass dem Manne, der ein Stolz für Deutschtum und Judentum ist, und in dem sich die besten Eigenschaften beider verkörpern, noch lange Jahre ungetrübter Gesundheit und reicher Erfolge beschieden sein mögen. X. Y.

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