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Ost und West · 1906-10-01 · Heft 10-11 (Oktober-November 1906) · p. Seite 757 - 758

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 10-11 (Oktober-November 1906)
Article
Mitteilungen aus dem deutschen Bureau der Alliance Israélite Universelle
Date
1906-10-01
Page
Seite 757 - 758 (sequence 6)
Language
German
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757 Mitteilungen aus dem deutschen Bureau der Alliance Ismelite Universelle. 758 Die Bialystoker Pogrom-Waisen in Ahlem. Die Israelitische Erziehungsanstalt in Ahlem bei Hannover, die Schöpfung unsres heimgegangenen Freundes A. M. Simon, ist in der ganzen deutschen Judenheit und darüber hinaus populär geworden. Das Gesamtbild der Lehrer und Zöglinge der Erziehungsanstalt wird allgemein dem herzlichsten Interesse begegnen. Ein Idyll aus dem inneren Leben der Anstalt bietet das zweite Ahlemer Bild. Es weckt wehmütige G-efühle. Im fernen Bialystok ist der Vater bei dem schrecklichen Pogrom von Mörderhand erschlagen worden- Der Mutter G-eist ist seitdem umnachtet. Die Alliance hat die verwaisten Kinder nach Ahlem überführen lassen und trägt die Kosren ihrer Erziehung. Seit dem 17. August sind die Kinder in ihrem neuen Heimathause. Sie zeigen gutes Betragen, sind fleissig und brav. Es steht zu hoffen, dass sie sich nach jeder Richtung weiter gut entwickeln werden. Ihr Gesundheitszustand ist vorzüglich. DIE ISRAELITEN IN DER ASIATISCHEN TUERKEI. Herr Niego, ehemaliger Leiter der Ackerbauschule der Alliance in Jaffa, von der Verwaltung der Jewisch Colonisation Association in London mit einer Aufgabe in Kleinasien und besonders in dem Euphratgebiet betraut, hat kürzlich im Auftrage der Alliance die auf seinem Wege befindlichen israelitischen Gemeinden besucht und über deren materiellen und moralischen Zustand dem Central- Comite Beiicht erstattet. Dem interessanien und lehrreichen Bericht ist das Nachstehende entnommen: Bagdad, 12 Juli 1906. Wenn man den EuphratbeiBiredschik überschritten hat, gelangt man nach Mesopotamien und, einige Kilometer weiter, zunächst auf erhöhtes, kalkreiches, kahles Land, später auf eine Ebene von grosser Schönheit und vers« hwenderischer Fruchtbarkeit. Das ist die Ebene Soruds« h, das alte Batus. In geringer Entfernung liegt Orfa oder Urfa. Diese Sta-tt lohnt einen Aufenthalt. Sie ist das Ur-Kasdim der Bibel, das Edesse der Kreuzzüge, inmitten einer reh hen, fruchtbaren, von zahlrehhen Quellen.und Nebenflüssen des Enph-at bewässerten Ebene errichtet. Etwa 39 Kilometer von Orfa liegt Haran, die Heimat des Erzvaters Abraham, den die Muselmanen freilich in Orfa selbst geboren sein lassen. Am Fuss des Hügels Top-Dag, auf dem die Hauser von Orfa erbaut sind, finden sich zwei herrliche, in rechtwinklige Bassins gefasste, fis« hieiche Quellen. Auf Top-Dag steht eine alte Festung, die von zwei s< hlaitken Türmen überragt wird. Grosse Platanen umsäumen die Be< ken der Quellen. Zur Seite des einen Q iellenbeckens erhebt sich eine Moschee, zum zweiten führt überaus malerisch die belebteste Strasse der Stadt. Die 5

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