Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1906)
- Article
- Josef, das Kind
- Date
- 1906-07-01
- Page
- Seite 505 - 506 (sequence 10)
- Language
- German
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505 Emil Cohn: Josef, das Kind. 506 weiss ich: Gott straft mich mit dem Hasse meiner Brüder, weil ich ungehorsam war. Und doch — ist denn der Traum nicht wunderschön? Schön, /um Erzählen nicht? Warum, also —? 0 still, da nahen sie wieder. Schütze mich, Rubcn! Ich habe Angst vor ihnen. Die Söhne Jakobs. Drei midianitischc Karawanser (durch die Tracht unterschieden von den andern). S i m on (noch ausserhalb): Warum nicht folgte er uns? Wo blieb er denn? Hat er sich zu dem Träumer gesellt? (im Auftreten) — Ruhen! Gad: Zogst du ihn aus der Grube? Josef (Ruhen sich anschmiegend): Ruhen, umarme mich! Sim on: Hör' mich! G ad: Man muss sie von einander reissen. Ruhen: Zurück von mir und ihm! Simon: Höre mich, Ruhen, auf ein Wort! (er nimmt ihn beiseite) Ein Zeichen sandte uns der Himmel, Bruder: Kaum traten wir ins Freie, machte eine Karawane vor uns Halt, die hinabsteigt mit Kostbarkeiten nach Egypten. R u b c n: Was soll's? S i m o n: Merkst du es nicht? (Tiefe Pause). Rüben (heiser): Und der Vater? Simon: Nun? Ruhen: Was willst du? S i m o n: Fort muss er! Ru I) en: Henk' an den Vater! S i m. o n: Hat er an uns gedacht? An dich, da er hinwegriss die Hand von deinem Haupte, dich nicht zu segnen? Ruhen: Und der Schwur meiner Pflicht? Simon: Brach er die Pflicht nicht seinem Erstgeborenen? Josef (ängstlich rufend): Rubcn? Rüben? Ruhen: Was, mein Kind? Josef: Ich will dir etwas sagen. Ruhen: Nun? Josef (leise): Was sprechen sie zu dir? Rubcn: Nichts, nichts. Josef (legt ihm die Arme um den Hals): Küsse mich, Rubcn, du bist gut! Rubcn: Ach —! (nach einer Pause zu Simon): Ich kann nicht! Simon: Du musst! Gad: Du musst! Alle (flüsternd, aber stark): Du musst! Josef: Ruhen! Gad (fährt ihn an): Schweig! Simon (zu Ruhen): Du bist unser Aeltester, du sollst uns Vater sein und Fürst! Nach dir sollen genannt werden unsere Nachkommen! Du bist ein Held, ein Starker, so entziehe nicht deinen Arm dem Stamme deiner Brüder! Heil dir, wenn du nur willst! Alle (stark und jubelnd): Heil dir! Josef (mit zitternder Stimme): Ruhen? Ru hen (schweigt). Jos c f: Ich hah' dich Heb, so rede mir was Liebes! Rubcn (schweigt). Josef: Mein Haupt und Vaters graue Haare! Rubcn (schweigt). Simon (zu den Midianitcrn): Tretet her, was wollt ihr geben? Erster Midianiter: Zehn Silberl eine, ungeschnitten, ungekratzt. Josef: Wollt ihr mein Röcklein, mein buntes, verkaufen? Gad: Gib her den Rock! Josef (zieht ihn aus): Da! Ich geh' ihn euch gern! Gad (zu Rüben): Eine Ziege schlachten wir, tauchen den Rock in das Blut und bringen's dem Vater: „Erkennst du's? — Ein Tier frass Joseph." Ruhen (schreit auf): Tiere! Tiere! Josef: Rüben, Avas tun sie dir? Simon: Schweig du!--Zehn Silberlinge sind zu wenig. Erste r Midianiter: Lasst mich befühlen ihn! (er betastet Josefs Muskeln). Josef: Was tut der Mann? (mit plötzlichem Schreck). Was wollt ihr mir? Gebt mir mein Röcklein wieder! Erster Midianiter: ZwanzigSilberleine, als ich sagte, nicht einen Faden dazu!