Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1906)
- Article
- Verbotene Malwerke in Russland
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 303 - 304 (sequence 1)
- Language
- German
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303 304 VERBOTENE MALWERKE IN RUSSLAND. P. HELLER. Die Greuel des Pogrom. In dem Drama, das aus Russlands Grenzen schauervoll durch die Welt tönt, hört man die unsäglich matten Stossseufzer der russischen Judenheit. Inmitten schreiender Verzweiflung hört man sie. \roiti ersten Hoffnungsschimmer getroffen, glaubte sich die zuckende, zerfleischte Seele heil genug zu neuem Glauben, neuer Hoffnung. Ks schien ja, als sei der erste Anfang der Erlösung gekommen, ein erstes Beginnen der Freiheit. Ks schien unzweideutig. Im Osten kämpften die Söhne der .luden doppelt tapfer, glühender, stüinmelt am flammender als alle anderen. Denn die anderen kämpften ein schaurig um irgend etwas in Ostasien, die Judensöhne kämpften Bild der Verum Heimat und Achtung, um Erlösung aus ihrer Vernichtung. stossenheit. Kür sie war es ein Freiheitskrieg. Nur der alte Dann kam'der Kampf in der Heimat. Wieder waren Vater lebt, die.luden voll Hoffnung; die Müden wollten nicht mehr und wie er stechen, Kinderaugen leuchteten: morgen kommt die den sieht, Kreiheit. Und sie hofften und hofften, heisser ward die schnürt'sihm Sehnsucht, sicherer der Glaube,— da kam der Pogrom. die Kehle, Die jüdischen Künstler Russlands wollten Freiheit«- und er muss werke bilden, von Kreiheitshelle war ihre Phantasie die Augen umleuchtet, von neuer Verbrüderung war ihr Denken vergraben, umfangen. Nach kurzer Zeitspanne waren sie von Der sitzt, Grauen erfüllt. Und so schaffen sie Diider des Grauens, dort in der So voll sind sie davon, so ungestüm verlangt, dies nach Kcke und be¬ Ausdruck, tlass der Drang zu bilden die künstlerische tet, alte Psal- Reife ersetzt; sie erscheinen allgemeingültig überzeugend, inen betet er wo auch Klärung und Verdichtung fehlen, und sind von von Gottes erschütternder Wirkung trotz der unmittelbaren Ab- Grösse und sichtlichkeit. Güte, den Ks Ava]- in der Schlacht von Turentsehan. Den unnennbaren Küssen ging es schlecht. Da kam es über sie, in wildem Schmerz Stuian gingen sie vor. Den Popen Schtseherbakowsk prägt er um an der Spitze, die Musik hinter ihm, ging das 11. in die got- Sibirisehe Regiment vor. Mit erhobenem Kreuz in der teskindliehe Rechten führte sie der Priester, die Musik wirbelte, und Dankbarkeit Nachdruck verboten. so stürmten sie in heissem Atem lohend auf den Keind. Und Dutzende fielen in den Sand. Auch der Pope ward wund, matt, kraftlos. Kr konnte nicht mehr. Da sprangen zwei jüdische Musiker zu, fassen ihn unter die Arme und stürmen mit ihm vorwärts. Sie blasen weiter ihren Kriegsruf und gehen den russischen Volkssöhnen voran, mit dem bleichen Priester und dem erhobenen Kreuz. Dranssen auf den Feldern der Mandschurei. Ks war im Heimatstädte-heil. Kin jüdischer Soldat war eben angekommen. Auf seine Krücke gestützt, stieg er aus dem Wagen. Er war verwundet worden draussen in der Schlacht. Vielleicht hatte ihn die Kugel getroffen, als er den Popen stützte, der mit dem Kreuze voran ging. Nun ist er heimgekehrt und humpelt über die Strassen. Aber seltsam sieht's aus. Erbrochene Türen, zerschlagene Kenster, Trümmerhaufen und ängstlich hineilende Gestalten auf den stillen Strassen. Kein Nachbar begrüsst ihn, starrblicken die bleichen Gesichter vor sich hin. Da erfasst ihn ein Bangen, eine seltsame Angst, wie niemals im Felde. Eben dachte er nach, wie er den Seinen und den Nachbarn erzählen wird, wie tapfer sie sich geschlagen, wie Schweres sie überstanden. Nun ist das alles vergessen, der Nachbar ist ja grau geworden, und aus der Behausung schweigt es so unheimlich. Und da er hineinwankt, weiss er alles. Aber begreifen kann er nichts. Dort liefen sie ver- - PETERSBURG. Duden, und das ganze ärmliche Heim ist M. MAIMON. ABGEWIESEN.