Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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PSFjgfe ST v ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT FÜR MODERNES JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Bezugs- und Insertions-Bedingungen auf der letzten Textseite. . Alle Rechte vorbehalten. Heft 4 April 1906 VI. Jahrg. NEUE BAHNEN.*) Die Kulturarbeit der AI Ii an cc Jsraelite Universelle ist an dieser Stelle ihrer vollen Bedeutung nach gewürdigt worden. Es sei nun gestattet, die Aenderungen an ihrem Programm, ihrer Organisation und ihrem Erziehungssystem, welche notwendig erscheinen, der öffentlichen Diskussion von Seiten berufener Kenner zu unterbreiten. Da erscheint zunächst als erste Kardinaltbrderung die Dez cntr al i s at i on. Es dürfte wohl dem Einfluss des zentralistischcn Verwaltungssystems Frankreichs zuzuschreiben sein, dass auch bei der Alliance die ganze Administration und die Initiative in den Händen der Pariser Mitglieder des Zentralkomitees ruhte, während die ausserhalb Frankreichs domizilierenden Mitglieder naturgeinäss wenigodergarkeineGclegenheitfanden, tiitig einzugreifen, ihre Meinung geltend zu machen, ihre Erfahrungen und ihr Können im Dienste der Sache entsprechend zu ver wenden. Das war ein grosses üebel. Nicht allein, weil dadurch viel kostbare Kraft und edler Wille ungenutztblicb, sondern auch weil dieses System notgedrungen eine Einseitigkeit in der Auffassung und in der Aktion herbeiführen musste: die dem Werk der Alliance auf die Dauer keineswegs förderlich sein konnte — eine Einseitigkeit, die vermittelst der, übrigens nicht regelmässig stattfindenden, Generalversammlungen durchaus nicht behoben werden konnte. Die Generalversammlungen konnten infolge der *) YYrgl. den Artikel „Dil. im Märzheft d. .1. Alliaiu-c Isrnelitc rniverscllc" grossen Entfernungen nicht so zahlreich wie erwünscht besucht werden, sie konnten nur kurz dauern, es mangelte die nötige Zeit zu einer eingehenden Aussprache, die aus fernen .Ländern kommenden Herren waren nur wenig in den Gangder Geschäfte und in die augenblickliche Lage eingeweiht. Von einem vertieften und erspriesslichen Meinungsaustausch konnte also nur wenig oder gar nicht die Hede sein. Hier konnte der beste Wille keine Abhilfe schaffen. Nur ein Mittel gibt es dagegen: die Dezentralisation. Diese muss darauf beruhen, dass neben dem Pariser Zentralkomitee in allen Ländern, wo die Mitglieder der Alliance in genügender Anzahl vertreten sind, besonders aber in Deutschland, Landeskomitees gebildet werden, deren Mitglieder häufiger zur Beratung zusammentreten, und die mit der Zentrale in steter inniger Fühlung stehen. Dadurch würde die Organisation keineswegs gelockert, sie würde nur geschmeidiger und beweglicher, anpassungsfähiger, lebensvoller gemacht, ihre Wirkungskraft würde erhöht, und ihre AViderstandsfähigkeit gesteigert werden. Dabei könnte eine nützliche und fördersame Teilungder Arbeit bewerkstelligt werden, indem den einzelnen Landeskomitees bestimmte Gebiete zur besonderen Beobachtung und zum Studium angewiesen würden, je nach ihrer geographischen Lage und nach der Zusammensetzung ihrer Mitglieder. Eine regelmässige, obligatorische Berichterstattung an die Zentrale könnte die ununterbrochene Fühlung zwischen den einzelnen Komitees