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Ost und West · 1906-03-01 · Heft 3 (März 1906) · p. Seite 215 - 216

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 3 (März 1906)
Article
Eine Anti-Heine-Versammlung
Date
1906-03-01
Page
Seite 215 - 216 (sequence 2)
Language
German
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215 Aphorismen, Miscellen. 216 einen recht UitnuUuarischeii Verlauf nahm. Neben anderen Schinähern des Poeten nahm auch Pfarrer Werner das Wort und „bewies", dass Heines literarische Bedeutung gleich Null sei. Er führte u. a. aus. Heine habe in „jüdischer Sprache" gedichtet. Die »Lorelei" beginne: »Ich weiss nicht, was soll es bedeuten", während doch jeder Deutsche sage: „Ich weiss nicht, was es bedeuten soll' u. s. w. In der Kleinen Presse macht sich nun ein gutgelaunter Poet über die Anti-Heine-Versammlung her und schildert sie in nachfolgenden ergötzlichen Strophen: Die Fastnachtszeit war vorübergegangen, Just hatte der Frühling angefangen, Da luden die Teutschen zu Frankfurt am Main, Zu einer Heine-Beschimpfung ein. Es kamen vier Antisemiten Und etliche Israeliten. Für zwanzig Pfennig sah jedermann Sich dort den Redner aus Hamburg an. Der brüllte: «Herr Heine hat uns verletzt, Drum wird ihm bei uns kein Denkmal gesetzt. Denn ich bin Antisemite, Und er. war Israelite. Er hat gegen König und Fürst gehetzt, Und hohe Herrn auf das „Thrönchen" gesetzt, Pfui! Solch ein Gerät in den Mund zu nehmen! Das tut kein Teutscher! Er müsste sich schämen!" „Pfui!" schrien die Antisemiten, „Hui!" sagten die Israeliten. Ein Oberlehrer sprang wütend aufs Pult: „Der Simplicissimus, der hat die Sshuld. Und läge nicht Heine im Grabe schon, Er sässe jetzt dort auf der Redaktion!" „Hu!" sagten die Antisemiten, „Nu?" fragten die Israeliten. Herr Pfarrer Werner, ein begabter Mann, Begann also und hub zu sprechen an: „Herr Heine ist niemals ein Denkmal wert, Ich denke, wir haben genug gehört.« «Schluss!" riefen die Antisemiten, „Stuss!" dachten die Israeliten. „Er singt in der Sprache von „unseren Leuten", Und schreibt: „Ich weiss nicht, was soll es bedeuten." Und es klingt doch urdeutsch und anmutsvoll: „Ich weiss nicht, was es bedeuten soll." Da brüllten die Antisemiten, Da pfiffen die Israeliten. Auch ein Schneider sprach über Literatur (Es war allerdings schon spät auf der Uhr.) Er sprach, und es lachten rings im Saal Die Freunde und Gegner allzumal, Die grimmigen Antisemiten, Die pfiffigen Israeliten. Um ein Uhr war die Versammlung aus. Man ging befriedigten Herzens nach Haus, Und erzählt' dann an Feiertagen, Was in der Versammlung sich zugetragen, Am Samstag die Israeliten, Am Sonntag die Antisemiten. * * Auch Schiller „jüdelt". Bezugnehmend auf die oben erwähnte Anti-Heine-Versammlung wird die Frankfurter Zeitung von einem Leser darauf aufmerksam gemacht, dass auch Schiller „in jüdischer Sprache" gedichtet hat. Beweis: „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern" („Teil", Akt 2, Szene 2), während doch jeder Deutsche schriebe: „Wir wollen ein einiges Volk von Brüdern sein." Ferner heisst es im 1. Akt 1. Szene: „Wann wird ein Retter kommen diesem Lande?" Solche jüdischen Sprachfehler müssen jedem Deutschen in der Seele wehtun. Bad Kissingen Hotel Ehrenreich, welches den israelitischen Kurgästen als vorzügliches Haus nicht unbekannt sein dürfte, ist durch Ankauf eines Nebenhauses mit Garten bedeutend vergrössert worden und bietet seinen Besuchern jeden Komfort der Neuzeit. Inseratenannabme nur durch Ravenstein $ Uogler fl. G. in Berlin und deren Jiliakit. Abonnementspreis für das Jahr in Deutschland und Oesterreich Mark 7,— (Luxusausgabe Mark 14,—). für das Ausland Mark 8—, (Luxusausgabe Mark 16). für Russland ganzjährlich 4 Rubel. Einzelhefte a 35 Kop. __Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch alle Postämter des Deutschert - - .- - --——-- Reiches unter No. 5785 a der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift. -'--'-"- Anzeigen 75 Pfg. die viergespaltene Nonpareillezeile, grössere Anzeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabatt Stellen-Gesuche und -Angebote zum halben Preise. Adresse für die geschäftliche Korrespondenz: Verlag „Ost und West", Berlin W. 8, Leipzigerstr. 31-32. Redaktion: Berlin NW. 23, Altonaerstr. 36. Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin, Altonaerstr. 36. - Verlag Ost und West, Berlin'W. 3. Druck von Haasenstein & Vogler A. ü., Berlin S. 42, Wasserthorstr. 50.

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