Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Das Landwirtschaftswerk der Alliance
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 201 - 202 (sequence 1)
- Language
- German
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201 202 DAS LANDWIRTSCHAFTSWERK DER ALLIANCE. Unter den Gewerbe-Instituten der Alliance nehmen die Leiden Landwirtschaftsschulen in Palästina und in Tunesien in vieler Hinsicht den ersten Rang ein. Daher dürften hier unseren Lesern ausführlichere Mitteilungen ■willkommen sein. Die Landwirtschaftsschule Mikweh-Israel bei Jaffa wurde im Jahre 1870 geschaffen. Anfangs wurde sie mit spöttischer Skepsis begrüsst, doch der Erfolg bewies, dass ihre Begründer einen wahrhaft prophetischen Blick besessen haben. Sie hat für die jüdischen Ackerbaukolonien in Palästina und Argentinien das Beispiel gegeben, aber auch einen grossen Teil des für diese Unternehmungen nötigen Personals ausgebildet. Aus dem letzten Bericht des Leiters der Schule heben wir das Folgende hervor: Das Wirtschaftsjahr 1903/04 war ebenso schlecht wie das Jahr 1902/03. Im Dezember 1903 raffte die Rinderpest fast alles Grossvieh hinweg, also gerade die kostbarsten Arbeits- und Ertragsmittel. Im Jahre 1904 litten die Kulturen unter der Trockenheit, denSiroccos und den Feldmäusen. Trotz aller umsichtigen Tätigkeit der Inspektoren schliesst die Bilanz mit einem ziemlich grossen Defizit ab. Bei Beginn des Jahres 1904 betrug die Zahl der Schüler 97, am Jahresschluss 105. Alle diese Schüler gemessen in dem Institut volls ständige Verpflegung. Als ziemlich gutes Ergebnimuss bezeichnet werden, dass von den 22 Zöglingen, die im Laufe des Jahres abgingen, 17 für die Landwirtschaft dauernd gewonnen zu sein scheinen. Sie arbeiten meist in Palästina selbst, vereinzelt in Aegypten und in Argentinien. Die Dauer der Lehrzeit beträgt für Söhne der Kolonisten nur 2 Jahre, während sie im allgemeinen auf 5 Jahre festgesetzt ist. Nicht weniger als 20 Kolonisten söhne wurden im Laufe des Jahres aufgenommen. Bei ihnen wird viel weniger Wert auf die Theorie gelegt als auf die praktische Ausbildung, insbesondere auch auf die Handhabung der modernen Maschinen. Acht von elf Absolventen haben auf der Domäne der I. C. A., Sedjera, Aufnahme gefunden, die sich als eine treffliche Schule der Kolonisation erwiesen hat. Von dort aus gelingt es gar manchem als Pächter oder sogar als Kolonist selbstständig zu werden. Das Beispiel dieser jungen Leute, die in der Bodenkultur ihren Lebensberuf gefunden haben, wirkt aut ihre Angehörigen wohltätig zurück und ist für die Weiterentwicklung der jüdischen Kolonien von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Mikweh-Israel gilt, seitdem der Boden durch Anpflanzungen und Drainierungsarbeiten assaniert ist, als der gesündeste Ort der Gegend. Unter den Grosskulturen nimmt der Weizen mit 34,6 ha die erste Stelle ein, dann folgt die Sesamfrucht. Geringeren Raum beanspruchen die Hülsenfrüchte, die Gerste, endlich auch Hafer und Lupine Die Weinkultur brachte 133 759 Trauben, die etwa 1000 hl Wein ergaben 33 hl pro ha. Die Weinlese war wie immer durch andauernd . schönes Wetter begünstigt. Der Reingewinn betrug 5254 Frs. Ein neuer Weinberg von 4 ha wurde angelegt. Die Mandelbäume gewährten einen Reingewinn von ca. 700 Frs. Diese Kultur soll erweitert werden, da sie sich als Johnend erwiesen hat. Wie die Mandelbäume, so begnügen sich die Oelbäume mit leichtem, sandigem und selbst felsigem Boden. Die Oelbäume sind noch jung. Im Jahre 1904 wurden zum ersten Mal 100 kg Oliven geerntet. Einen hervorragenden Platz hat sich in der Gegend von Jaffa die Orangenkultur errungen, die viele arme Leute mit Pflanzen, Bewässern, Pflücken, Verpacken und dem Vertrieb lohnend beschäftigt. Der Reingewinn an Orangen betrug in Mikweh etwa 3500 Frs. lieber Zuckerrohr, und Baumwolle liegen noch keine abschliessenden Ergebnisse vor. Es folge eine Uebersicht über die Einnahmen und Ausgaben (in Francs) im Wirtschaftsjahre 1904. Ausgaben. Allgemeine Unkosten und Gehälter..... 21350,— Kost und Unterhalt der Schüler...... 35 994,80 Prämien für die Schüler des 4. und 5. Jahrgangs 2 890,05 Mobiliar................ 444,20 Gebäudereparaturen........... 900,— Bibliothek.............. 269,— Gemüsegärten............. 4279,95 Geflügelhof.............. 258,60 Ställe................ 9 255,10 Arbeitsoehsen............. 4 710,— Höfe, Gräben und Wege......... 2 331,10 Maulbeerbäume und Seidenkultur...... 608,40 Baumschulen............. 2 742,85 Mandelbäume.............. 1264,10 Orangenbäume............ 3 858,— Grosskultur.............. 13 287,75 Abstop pelung............ 825.40 Zusammen: 105 270,15 Ausgaben für Bodenverbesserung. Bauten............... 3117,60 Oelbäume.............. 608,75 Neubruch.............. 1535,80 Orangengärten............. 4 910,55 Neuer Weinberg............ 2 002,15 Ankauf von Vieh............ 2 500,— „ „ Feldu. Magazingeräten .... 1 340,90 Zusammen: 16 "15,90 Einnahmen. Geschenk des israel. Konsistoriums zu Bordeaux . ^5,— Ertrag der Gemüsegärten......... 5 179,35 „ „ Orangengärten......... 7 432,60 „ Baumschule.......... 3 231,70 Reinertrag der Weinberge......... 8 254,70 Ertrag der Mandelbäume......... 1 952,85 „ Grosskultur.......... 16 0^9,65 „ des Geflügelhofs......... 287,70 „ der Höfe, Gräben und Wege..... 1 270,— „ Seidenkultur......... 750,40 „ Ställe............ - 2 619,20 „ Pacht............ 50,35 Reinertrag des Zackerrohrs........ 97,75 der Schäterei........ 227.05 Zusammen: 47 428,30 Rekapitulation. Gesamtausgaben............ 121285,90 Gesamteinnahmen........... 47 428,30 Differenz: 73 857.60 Betriebsausgaben........... 52 551,10 Betriebseinnahmen.......... 47 3P3.30 Fehlbetrag: 5167,80 Ueber die Farmschule von Djedeida entnehmen wir dem letzt veröffentlichten Venvaltungsbericht das Folgende: Anfang 1904 belief sich die Gesamtzahl der Schüler auf 80, sie verteilte sich auf 5 Jahrgänge. Im Laufe des Jahres schieden 41 Zöglinge aus. Neu aufgenommen wurden 23. Von den 41 ausgeschiedenen