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Ost und West · 1906-03-01 · Heft 3 (März 1906) · p. Seite 185 - 186

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 3 (März 1906)
Article
Theresa Feodorowna Ries
Date
1906-03-01
Page
Seite 185 - 186 (sequence 2)
Language
German
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185 Beruh. Münz: Theresa Feodorowna Ries. 186 THERESA RIES. EDMUND HEDEMER (Bildhauer). und ihr eine ganz besondere Gunstbezeugung desselben eintragen sollte. Neben ihr liegt das Symbol, der Kehrbesen, auf dem sie auf den Blocksberg reitet. Auf die „Hexe" folgte „Luzifer"*. Er ist nackt und auf einem Felsenriffe sitzend dargestellt, die Brust ist zum Teil durch eine bis gegen die Schulterhöhe aufsteigende Felsenzacke verdeckt, auf welcher der rechte Unterarm ruht, die linke Hand ist an den Mund gepresst, der Körper ist überaus kräftig und muskulös und der wie aus einem Hinterhalt hervorspähende kantige Kopf mit der hohen Stirn und den gerade und weit ausschauenden Augen hat einen düstern, dämonischen Ausdruck. Das Ganze ist eine geschlossene Einheit, aus einem Geiste gefertigt. Alles an Luzifer, vom Scheitel bis zur Zehe, weist darauf hin, dass er der Geist ist, der alles verneint. Man braucht nicht erst die auf dem Sockel angebrachte Inschrift: „Bist du glücklich, Ebenbild Gotttes?" zu lesen, um zu wissen, welche Gedanken sich in seinem Kopfe wälzen, was er im Schilde führt, da?s ei uns zu ködern, von Gott abzulenken sucht, indem er uns unsere Erbärmlichkeit, unser fieberirres Ringen, Träumen, Hoffen, das schauertiefe, tödliche Trauerspiel des Menschengeistes demonstriert. Das nächste Werk war der schaurig schöne „Tod14. Auf einer niedrigen, kupper.förmigen Bodenwölbung schreitet eine titanenhafte männliche Gestalt nackt auf uns zu, die mächtige Brust ganz uns zugekehrt, die Arme an die gewaltigen Flanken gedrückt, ein Bein langsam nachziehend. Regungslos ist ihr Antlitz, ihr Blick entwaffnet, lähmt, vor ihm ist kein Entrinnen möglich. Sodann kamen die „Unbe siegbaren" an die Reihe, die 1900 in der Pariser Weltausstellung Aufsehen erregten und für ihre Schöpferin die Ernennung zum officier d'aeademie zur Folge hatten. Sie sind eine Gruppe von vier reckenhaften, überlebensgrossen Männern verschiedenen Alters, die auf einer Felsklippe an einem Seile eine unsichtbare, aber, wie ihre Haltung zeigt, furchtbar schwere Last unentwegt und ungebrochen ziehen. Sie stellen eine Einheit dar. Ihre teilweise von Gewändern verhüllten Beine bilden formallinear gewissermassen ein gemeinsames Massiv, ans dem die Körper herauswachsen. Die Scheitel aller Figuren bilden die Punkte einer schönen Bogenlinie, die die Gruppe umschliesst. Sie ist aber auch in dynamischer Beziehung eine Einheit. Der Erste, der der Last sicher erliegt, trägt das Seil um die Hüften geschlagen, sein Körper hängt über, die Arme hängen schlaff, senkrecht herab. Die anderen haben die Arme an den beiden Seilläufen. Der Zweite, dessen Augen schmerzlich flehend gen Himmel gerichtet sind, zieht, stark an den Ersten gepresst, etwas mehr aufrecht. Der Dritte, ein Bild trotzigen Ungestüms, ist hoch aufgerichtet, der Vierte wieder tief gestellt; fast an den Boden gedrückt, zieht er mit wild leidenschaftlicher Vehemenz. Wie schon aus dem Namen, den die Künstlerin der Gruppe gegeben, erhellt, ist sie eine Glorifizierung der Arbeit, des Kampfes ums Dasein. Dieser ist der Mutterboden, aus dem schliesslich das Schönste und Beste der vielgestaltigen Menschennatur emporspriesst. Die Krone ihrer bisherigen Schöpfungen ist das den Wiener Zentralfriedhof schmückende Grabdenkmal für einen Jüngling. Ein bekannter Wiener Kunstkritiker, Franz Servaes, Hess sich über dasselbe, als es in der Sezession ausgestellt war, also vernehmen: „Der Gedanke, der diesem Grabdenkmal zugrunde liegt, ist von verblüffender Grossartigkeit, die Ausführung ebenso kühn als zwingend. Mit allen Konventionen hat die Künstlerin in genialer Weise gebrochen, alle Grabengel und Urnenträger hat sie beiseife gelassen — aber sie hat nicht bloss etwas Altes verlassen, sie hat auch etwas Neues, Gewaltigeres dafür gefunden. Nicht den Abschied von der Erde, nicht das trauervolle Ende schildert sie, sondern einen strahlenden Neubeginn, die THERESA RIES. UNBESIEGBAR.

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