Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1906)
- Article
- Saniel Marcus [Illustration]
- Date
- 1906-02-01
- Page
- Seite 143 - 144 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- illustration document
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2583875-2583943-2583946-2593190--05956-2593267- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
143 144 MISCELLEN, LITERARISCHES. lotton 1)11 l'i>- ist nm 2-). Ve\i. der ehemalige Oberinspektor der türkischen Tabak regle in SimTiia. Saniel Markus, gestorben. Derselbe gehörte zu den vornehmsten Kämpfern für die Emanzipation der -luden in Kulnänien und hat sein ganzesLeben hindurch für die Befreiung seiner Glaubensgenossen gewirkt. Berühmt sind seine Artikel über die Judenfrage in Bumänien, die er 1901 im . ..Siecle" publiziert hat. Er zählte zu den Mitgliedern t;der diplomatischen »Sendung, welche vornehmlich in Berlin beim ».Fürsten Bismarck zugunsten der rumänischen .Inden intervenierten. Unter dem Titel „Das Judentum in der deutschen Literatur" lässt R«. Wiesinger (bei Baumert u. Ronge in Grossenhain) eine kleine Studie erscheinen, die in ihrer allzueinfachen Art nur Namen aneinanderreihen, ohne Kraut und Rüben ernst ich zu trennen, eine strenge Kritik nicht gut vertragen '■Würde. Dennoch muss man dem Verfasser dankbar sein, denn man legt die wenigen Blätter nicht aus der Hand, ohne manche Anregung empfangen zu haben. Das Ordnen und Sichten des Materials überlässt Wiesinger, wie gesagt, seinen Lesern; auch beschränkt er sich — wohl durch Saniel Marcus, den Raum begrenzt — aul recht kurze Notizen. Aber vielleicht fällt das Heftchen doch dem einen oder andern in die Hand, der sich bewogen fühlt, diese oder jene Notiz auszuspinnen, einem flüchtig hingeworfenen, kaum begründeten Urteil des Verfassers nachzuhängen — und wenn so eine ernsthaftere Studie Wiesingers (sozusagen genealogischen) Grundriss ihre Entstehung verdankt, dann ist der kleine Aufsatz nicht umsonst geschrieben. Der Essay beginnt mit einer längeren Würdigung des Lyrikers und Feuilletonisten Heine. Sehr befremdlich ist Wiesingers Meinung, dass Börne längst ein toter Mann sei. Auch dass Moritz Härtmann, Karl Beck und Heinrich Stieglitz so gänzlich abgetan seien, will mir nicht recht in den Sinn. Aber darüber lässt sich streiten, und wer in manchem Hörsaal endlose literarhistorische Kollegien gehört hat, ist in diesen Dingen schliesslich nicht mehr zum „Volk" zu rechnen. Dagegen möchte ich doch aufs allerentschiedenste bestreiten, dass Berthold Auerbach gleichfalls zu den Toten zähle. Literarhistorisch ist er gewiss noch sehr lebendig, und dass er auch noch gelesen wird, liesse sich bestimmt aus einer Statistik der Leihbibliotheken nachweisen. Nach Auerbach und Mosenthal fertigt Wiesinger den Dichter „Halbasiens" allzukurz ab. In diesem Zusammenhang hätte Franzos sicherlich mehr Raum verdient. Länger verweilt der Verfasser bei Theodor Herzl, für dessen Bestrebungen er manches warme und — das einzige mal in seiner Skizze! — auch einige erläuternde Worte findet. Dann folgt Name bei Name, der Heereszug der Jungen und Jüngsten. Diesen letzten Seiten des Heftchens gilt mein Lob und Tadel vor allem: Anregung bieten sie in Hülle und Fülle, und zwischen Kraut und Rüben unterscheiden sie nicht im geringsten. Hoffmannstal, Beer - Hofmann (der Dichter des „Grafen von Charolais"), Schnitzler und Fulda müssen sich mit der gleichen dürren Aufzählung begnügen, wie so kleine und kleinste „Grössen" als die Humoristen Kory, Tawska zum Exempel und Frau Grete Meisl-Hess mit ihrem „schwülen Jungfrauenbuch". Unendlich traurig berührte es mich, dass Wiesinger auch für Ludwig Jacobarski nur wenige Worte hat. Man sollte den unglücklichen Dichter entschiedener gegen eine ungerechte Vergessenheit schützen. Victor Klemperer. Inseratenannabme nur üurcb fiaa$ett$teit1 § Uogler fl. 6. in Berlin una aercn Filialen. Abonnementspreis für das Jahr in Deutschland und Oesterreich Mark 7,— (Luxusausgabe Mark 14,—). für das Ausland Mark 8—, (Luxusausgabe Mark 16). für Russland ganzjährlich 4 Rubel. Einzelhefte ä 35 Kop. __ Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch alle Postämter des Deutschen_____________ ------.-—■— Reiches unter No. 57S5a der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift. '----*- Anzeigen 75 Pfg. die viergespaltene Nonpareillezeile, grössere Anzeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabatt. Stellen-Gesuche und -Angebote zum halben Preise. Adresse für die geschäftliche Korrespondenz: Verlag „Ost und West", Berlin W. 8, Leipzigerstr. 31-32. Redaktion: Berlin NW. 23, Altonaerstr. 36. Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin, Altonaerstr. 36. - Verlag Ost und West, Berlin W. 8. Druck von Haasenstein & Vogler A. ü., Berlin S. 42, Wasserthorstr. 50.