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Ost und West · 1906-02-01 · Heft 2 (Februar 1906) · p. Seite 141 - 142

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 2 (Februar 1906)
Article
Kriminalität der Christen und Juden in Österreich
Date
1906-02-01
Page
Seite 141 - 142 (sequence 4)
Language
German
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141 Dr. J. Thon, Berlin: Kriminalität der Christen und Juden in Oesterreich. 142 körperlicher Verletzung, TNTiij"osi• itsl>e 1 eif 1 ivin^ und Widerstand gegen die Behörden; grössere Beteiligungdagegen an Betrug, Konkursvei'gehen, Vergehen gegen das Yiehseuchengesetz, Verhinderung von Zwangs Vollstreckungen und Religionsvergelien. 'Wenn auch die im grossen und ganzen gleiche Berufsgliederung der Juden in Deutschland und Oesterreich «las gleiche Bild der Kriminalität vielfach erklärt, so sind ■ doch nicht alle, für Deutschland (Zeitschrift Xo.l) angeführten CJri'mde für Oesterreich zutreffend. Hier kann speziell beider grossen Armut, in der die. Mehrheit der österreichischen Juden lebt, nicht von grösseren Wohlstand der Juden zur Begründung ihres geringen Anteils an flagranten Eigentumsdelikten gesprochen werden, auch nicht in demselben Sinne von eineidurchschnittlich höheren Bildung derd viden. Vielmehr lassen die trotz gewisser wichtigerA'erschiedenheiten in den 'Verhältnissen der Juden in beiden Ländern wesentlich übereinstimmenden Resultate die Annahme als begründet erscheinen, dass die Judenvielleicht ____________ _ im Zusammenhange mit ihrer geringeren Vorliebe für alkoholische (betränke —weniger zu (jewalttätigkeiten neigen. Sie verüben im allgemeinen seltener unmittelbare Verbrechen, d. h. solche Delikte, deren verbrecherischer Erfolg unmittelbar eintritt, dagegen häufiger Delikte, die auf Spekulation und kühler Berechnung beruhen und deren Folgen leichter verborgen bleiben, jedenfalls nicht "unmittelbar eintreten. Für die in beiden Ländern relativ grössere Beteiligung der .luden an Religionsvergehen wurden wir als Grund die verschiedenen Kriminalität als in den reichen Ininnerhalb des Judentums bestehenden religiösen Farteiungen annehmen, die insbesondere in Gemeinden mit intensiver gepflegtem Kultus und religiösem Leben mitunter zu scharfen Konflikten zwischen den Vertretern der gegnerischen 'llichtungen führen. Die nach der amtlichen Statistik reproduzierte Tab. IL lässt den Anteil der einzelnen Konfessionen an (Jen wichtigsten Verbrechen und Vergehen vergleichen. Die Tab. TU, welche den Anfeil der einzelnen Konfessionen an Verbrechen und Vergehen in den einzelnen österreichischen Kronländern angibt, zeigt, dass zwar das wohlhabendste österreichische Kronland, Böhmen, inbezug auf die Kriminalität am günstigsten sich verhält, dass jedoch die Kriminalität der .luden in den anderen Krouländern sich garnieht im 'Verhältnis zur Armut der .luden steigert. ärmsten jüdischen Bevölkeriuigsinassen eine günstigere So ist in Galizien und der .Bukowina mit den dustrielnndern Mähren und Schlesien und in Xiederösterreich. Letzteres mit seinem überaus grossen Anteil der .luden an 'Verbrechen ist natürlich mit Wien zu identifizieren, welches von allen in Xiederösterreich lebenden 157 278 ."luden allein 146 926 beherbergt und welches als G-rossstadt manche zur Erwerbslosigkeit gezwungene Eingewanderte umso leichter zu Verbrechen verlockt, als sie losgerissen von ihrem Milieu, ihrer Religion und Tradition entfremdet, den nötigen moralischen Rückhalt häufig verlieren. (Aus dem Januar-Heft der Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden.) Sir Edward Sassoon. H. H, Marks. Sir Philipp Magnus. Hon. L. W. Rothschild. Jüdische Parlamentarier in England (II). Die jüdischen Mitglieder der Unionisten-Partei des neuen Parlaments. (Siehe „Ost und West", Januarheft 1906).

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