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Ost und West · 1906-02-01 · Heft 2 (Februar 1906) · p. Seite 127 - 128

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 2 (Februar 1906)
Article
Der Bissen Brot [Musikdruck]
Date
1906-02-01
Page
Seite 127 - 128 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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IRI
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Victor Klempcrcr: Der Bissen Brot. Schneller Sti - ke-lc Bret. Dos hotderMenz der-klärt ge-wiss, um zu lan-gen dem klu-gen Fisch, der af dem Grund geht. ihm zu fan-gen,kenn men an-ders nit der-lan-gen, als nor mit dem Sti-ke-le Bret. Der Bissen Brot. Text zur vorstehenden Melodie. Freie Nachbildung des längeren Volksliedes im Dargon von Victor Klemperer. Nachdruck verboten. Tief ist der Weiher. Dem Fischlein im Grund Bringt keine Reuse den Tod. — Aber die Angelrute zur Hand Wartet der Fischer im Boot. Und von der Rute baumelt die Schnur, Und ein spitziger Haken droht; Der findet den Weg zur Tiefe gewiss Und lauert im Bissen Brot. Das Fischlein schluckt den Bissen gern — Nun sitzt es fest am bittern Kern Und zappelt gleich im Boot .... Und will der Mensch ein Fischlein fangen, Er kann's aus tiefstem Weiher langen Mit einem Bissen Brot. Wir Menschen sehn den Fischen gleich, Wir schwimmen in tiefer Welt Gleichwie auf liefern Weihergrund — Schwer ist ein Netz gestellt. Ein goldgefchuppter stolzer Fisch, Ein goldbeschwerter Mann In tiefem Weiher, in tiefer Welt — Es reicht kein Netz heran. Da baumelt eine Angelschnur — Was haben Mensch und Fischlein nur? Schon zappeln sie in höchster Not .... Und willst du einen Menschen fangen, Du kannst ihn wie ein Fischlein langen Mit einem Bissen Brot. Der rühmt sich seiner Ahnenschar Und prunkt in Seid' und Samtj Der sitzt mit Titeln reich behängt Im würdevollen Amt. Und jener weiss kein grösser Glück, Als ihm der Herr beschert: Ein liebes Weib, ein liebes Kind Am friedlich reinen Herd. Da naht die Schnur vom Köder schwer — Dahin das Amt! Dahin die Ehr'! Gott schütze Weib und Kind vor Not, Der Mann ist ausser Lands gegangen .... Und alle wurden sie gefangen Mit einem Bissen Brot. Tief ist der Weiher und tief die Welt, Doch die Angelschnüre sind lang, Und Mensch und Fischlein sehn sich gleich, Und immer noch glückte der Fang. Drum, wenn Ihr Euch liebt, so folgt meinem Rat, Und wenn Euch ein Bissen winkt, Zerbrecht das Broi und prüft es genau, Ob drin kein Haken blinkt. Ein rechter Bissen labt Euch gut, Ein rechter Bissen hebt den Mut — In manchem aber wohnt der Tod. Denn will man Fisch und Menschen fangen, Am schärfsten Haken lässt man prangen, Den schönsten Bissen Brot.

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