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Ost und West · 1906-02-01 · Heft 2 (Februar 1906) · p. Seite 79 - 80

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 2 (Februar 1906)
Article
Zur Frage der jüdischen Massenwanderungen
Date
1906-02-01
Page
Seite 79 - 80 (sequence 4)
Language
German
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79 Mathias Acher, Wien: Zur Frage der jüdischen Massenwanderungen. SO zentrationen gewisse unangenehme Folgen gezeitigt haben, geschah es nur, weil noch keine Erfahrung und keine Organisation da war, um ihnen durch gute Wahl der Gebiete und der Auswanderer, durch eine Berücksichtigung der lokalen Verhältnisse vorzubeugen. Niemand dachte auch daran, das's man in freien und wirtschaftlich hierfür geeigneten Ländern von der höchsten Form der jüdischen Kulturzelle: eigenen jüdischen Ortschaften industriellen, agrarischen oder gemischten Charakters öfter Gebrauch machen könne, als es geschah. Alle diese Versäumnisse aber braucht ja eine ordentliche Organisation nicht wieder zu begehen.*) Eine ordentliche Organisation! Darauf müssen wir immer wieder zurückkommen, welche Seite der Sache wir auch betrachten. Daran, dass sie mangelt, krankt, wie das ganze jüdische Volk, so auch im besonderen seine Massenwanderung. Eine Organisation ist nötig. Nicht etwa eine, die mit ungeheuerlichen, gar nicht erschwinglichen Geldmitteln Hunderttausende von einem Erdteile in den anderen versetzt, selber Land kauft und tausende von Fabriken baut. Das wäre Utopie. Aber eine Organisation, die deshalb nicht weniger grosszügig zu sein braucht. Eine Organisation, in der sich Erfahrung, Geschäftstüchtigkeit, Wissenschaft, Fleiss, Wille zusammenlinden, um den Auswanderern mit Bat und Tat zur Seite zu stehen, um ihnen die Wege zu zeigen, zu verwohlfeilen, um allerlei Hindernisse zu beseitigen, um die Stellen auszuspüren, an welchen mit verhältnismässig geringerem Aufwand neue Lebensmöglichkeiten in die Entwicklung hineingeschoben werden können. Eine solche Organisation muss sich natürlich auch mit den Vorfragen der Auswanderung, muss sich damit beschäftigen, wo diese und wie weit sie notwendig ist, und wo sie ohne Gefahr und mit günstigen Aussichten vermieden werden kann. Eine solche Organisation muss den ganzen Hintergrund der jüdischen Bewegung kennen, um sich ihre Urteile bilden zu können. Das heisst aber: Sie muss in Verbindung stehen mit einer grösseren umfassenderen Organisation des ganzen lebenden und wirkenden jüdischen Volkes für alle die Aufgaben, die sich aus der Besonderheit seines nationalen Daseins und seiner Geschicke ergeben. Deshalb glaube ich aber auch nur im Zusammenhange mit dieser weiteren von jener engeren Organisation sprechen zu dürfen. Und dies soll in einem zweiten Artikel geschehen. DAS NEUE BEETHOVEN-DENKMAL IN BONN. You Dr. Julius Lovin (Paris). Nachdruck verboten. Von allen Musikern schien der Schöpfer der D-moll-Symphonie und der „Missa solemnis" der bildenden Kunst ein ewiges Rätsel bleiben zu sollen. Maler und Bildhauer haben es versucht, seine Züge so wiederzugeben, dass sie eine Synthese seiner ungeheuren, titanischen, weil arbeitsreichen Schaffensart geben, und man hätte erwarten sollen, dass die Künstler zu einem besseren als dem tatsächlichen Ergebnisse gelangten. Denn es steht ihnen in der Maske nach dem Lebenden und dem Toten ein Material zur Verfügung, wie kaum hei irgend einem anderen Mensehen. Und trotzdem ist es bisher zu keinem wirklichen Beethoven gekommen. Ich spreche gar nicht von den sogenannten naturgetreuen Darstellungen dieses gewaltigen *) Ich unterliess es o-efüsscntlich hier Landvorschläge xu weichen, weil sie nicht in den Kähmen dieses Aufsatzes hineinpasssen. dann auch, weil ich mich hierfür nicht für kompetent erachte. Immerhin' erscheint mir das nahe Mo?-f>'enland (Kleinasien, Cypern und Aegypten), ausserdem aber noch immer Nordamerika — man muss nur wissen, wo und wie, — geeignet. M. A. Mannes, wie sie etwa ehedem versucht worden sind und gewisse Strassen gewisser Städte verunzieren. Ich will nur von denen sprechen, die, eigentlich nicht zur Aufstellung am öffentlichen Orte bestimmt, von vornherein alle Konvention verleugneten und in der Gewalt und Macht des ins Greifbare Zurückzurufenden das mit kongenialen Mitteln zu Objektivierende erblickten. Seltsamerweise ist die grosse Mehrzahl dieser Arbeiten nicht in Deutschland entstanden, sondern in Frankreich. Wir haben in Deutschland den Beethoven Landgrebes in einer sehr massigen Auffassung und in unmässiger denjenigen Klingers. In Frankreich haben Fix-Masseau und Bourdelle schier unzählige Versuche gemacht, den Kopf des unsterblichen Tondichters als Hauptsache, ja als Einziges zu formen, da sie, vielleicht mit Recht, der Ansicht waren, dass allerlei Gestein und Beiwerk den Grund- und Hauptgedanken nur beschweren und abtöten müssten. Fix-Masseau arbeitete mit Ausschluss der eigentlichen Plastik und mit blosser Empfindung.

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