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Ost und West · 1906-01-01 · Heft 1 (Januar 1906) · p. Seite 61 - 62

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 1 (Januar 1906)
Article
Die Hexe von En-Dor
Date
1906-01-01
Page
Seite 61 - 62 (sequence 1)
Language
German
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61 62 DIE HEXE VON EN-DOR. VON SALVATOR ROSA. Unsere Illustration gibt ein Abbild eines charakteristischen Gemäldes des phantastisch-genialen Maler- Banditen. Die kühne, pittoreske Auffassung des bedeutenden Landschaftlers kehrt auch in seinen biblischen Darstellungen wieder, von denen man mit Recht gesagt hat, es seien „biblische Figuren, die in Salvatorcs Heimat geboren zu sein scheinen". Seine wildphantastische, abenteuerliche Künstlernatur wurde von der schauerlichen biblischen Szene angezogen, und sein verwilderter Formensinn gab dem Bilde im Louvre eine Stimmung, die gruselig und burlesk, düster und zerrbildlich zugleich wirkt. Tod und Menschenbangnis, gespenstische Seltsamkeit in schwerem Dunkel und scharfe Schlaglichter inmitten dumpfer Verborgenheit — das alles zu aggressiver Malwirkung verbunden, zieht unsere verblüffte Aufmerksamkeit dringlich an und lässt doch Andacht und Glauben teilnahmslos in unberührter Seele. In schwerer Kriegsnot, von Gott verlassen, geht Saul zu der Totenbeschwöreiin verkleidet nach En- Dor (I. Sam. Kap. 28), um Samuel den Propheten heraufbeschwören zu lassen, damit er ihm einen Lichtblick in die Zukunft gebe und seiner wirren Verzweiflung einen Funken Klarheit. Der Prophet hatte ihm ein Verhängnis von Gott verkündet, nun war er tot, der Gott schweigt, und der Feind steht im Feld. So geht er zu dem toten Propheten. Der steigt heraus aus der Gruft, das Weib schreit laut auf, und Saul neigt sich zu Boden. Das ist die Szene nach dem Bibeltext. Dazu hat der Maler von dem Seinen getan an Spukgestalten, Beschwörungswerk, Teufelsromantik und Schreckbildern. Die Darstellung ist lebendig, die Charakteristik temperamentvoll; sie wirkt faszinierend, aber nicht überzeugend, die Sensation ist grösser als der Geist des Frlebnisses. K. HEINRICH HEINE ÜBER JUDEN UND JUDENTUM. (Notizen aus seinen Schuften, Nationalerinnerungen liegen tiefer in der Menschen Brust, als man gewöhnlich glaubt. Man wage es nur, d'e alten Bilder wieder auszugraben, und über Nacht blüht hervor auch die alte Liebe mit ihren Blumen. Heine: Reisehitder (Norderney). Meine Vorliebe für das konsequente, rigorose Rabbinenlum lag schon vor vielen Jahren in mir als ein Resultat historischer Untersuchungen, nicht als apriorische Annahme Aus einem Briefe Heines an Moser. Wie du denken kannst, — kommt hier1) die Taufe zur Sprache. Keiner von meiner Familie ist dagegen, ausser ich- Und dieser ich ist sehr eigensinniger Natur. Aus meiner Denkungsart kannst du es dir wohl abstrahieren, dass mi^ die Taufe ein gleichgültiger Akt ist, dass ich ihn auch sym_ bolisch nicht wich'ig achte, und dass er in den Verhältnissen und auf die Weise, wie er bei mir vollzogen werden würde auch für andere keine Bedeutung hätte. Für mich hätte er vielleicht die Bedeutung, dass ich mich der Verfechtung der Rechte meiner unglücklichen Stammesgenossen mehr weihen würde. Aber dennoch halte ich es unter meiner Würde und meine Ehre befleckend, wenn ich, um ein. Amt in Preusscn anzunehmen, mich taufen Hesse. Im lieben Preusscn!!! Ich weiss wirklich nicht, wie ich mir in meiner schlechten Lage helfen soll. Ich werde noch aus Aerger katholisch und hähge mich auf. Aus einem Briefe an Moser v. 27 Nov. 1323. „Eines Tages, als ich Heine fiagte, warum er sich taufen liess, sagte er mir: Sie müssen wissen, dass ich nach meiner x) Bei seinen Eltern, die damals In Lüneburg wohnten. Biiefeu und Gesprächen.) Rückkehr aus Italien und England, wo ich niemals üble Folgen meiner Religion verspürt habe, eine deutsche Revue herauszugeben versuchte, — deren Herausgeber ich von vornherein in meiner Eigenschaft als Jude nicht sein könnte. Börr.e ist ebenso zur Taufe gezwungen worden, um die Balance zu veröffentlichen, obwohl er nicht mehr Christ war als der König von Preussen und ich. Einen Augenblick halte ich mich mit meinem Freunde, dem Doktor Gans, verbunden, um die geistige und gesellschaftliche Lage der Juden zu bessern. Kaum hatte ich das Wcik unternommen, da fragte ich mich: Was ist dein Ziel und was deine Absicht? Du willst offenbar, dass alle Juden so vorgeschritten seien wie du und dein Freund Gans. Worin besteht diese Aufklärung und dieser Vorschritl? In dem Verwerfen der Wunder der Bibel und in der Verachtung aller scholastischen Vorschriften des Talmud und der Rabbincn. Wenn alles dies geschehen sein wird, wenn alle meine Glaubensgenossen den alten Menschen des Moses und des Rabbi Jchuda Hanasi abgelegt haben werden, was wird ihnen bleiben? Die einen werden Anhänger Hegels werden, die andei en Sendlings, die dritten Spinozas, andere nichts. Was werden sie gewonnen haben? Werden sie emanzipiert sein, weil sie zu Ilejcl schwören werden, ans'att zu Moses? Keineswegs! Sic müssten zu Josus schwören! Sie werden einen falschen Eid leisten, denn niemals wird ein Jude an die Göttlichkeit eines Juden glauben, nicht einmal Ncandcr und Stahl, wie sehr sie sich auch dagegen sträuben. Nur durch diese L"ge werden sie und ihre Kinder alle ihie natürlichen Rechte gemessen, die die Christen den Juden vorenthalten. Warum? Ich weiss nichts davon! Vielleicht, um sich an ihnen zu rächen, weil sie ihnen das Christentum gegeben haben, die unwahrste, unvernünftigste, abgeschmackteste Religion, die es gab, eine Religion der Liebe, die nichts als den Hass kennt, eine Religion der Freiheit, die nichts

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