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Ost und West · 1906-01-01 · Heft 1 (Januar 1906) · p. Seite 27 - 28

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 1 (Januar 1906)
Article
Heinrich Heine
Date
1906-01-01
Page
Seite 27 - 28 (sequence 3)
Language
German
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27 Heinrich Heine. 23 Ein jüdischer Globus aus dem Reisetagebuch des Simon van Geldern, des Grossoheims von Heinrich Heine. schon das geltend, was in des Poeten Seele später zur Reife gelangte. Sein Grossoheim Simon van Geldernist ein merk- 3 würdiger Abenö teurer, in dem schwärmerische Frömmigkeit mit Phantasterei und Sucht nach Lebensgenuss sich vermischen. In dem Tagebuch seiner Orientreise, das Heine in den „Memoiren" so interessant und anschaulich schildert, und über dem er als Knabe tagelang gesessen und gebrütet, hat Simon van Geldern unter anderem auch einen jüdischen Globus auf der ersten und eine Kamea für das Fieber auf der letzten Seite verzeichnet. Die Familie ist eine weitverzweigte und erstreckt sich von Witzenhausen in Hessen bis nach Düsseldorf, Mannheim und Stuttgart, wo sie sich mit der in der Geschichte der Juden in Württemberg berühmten Familie Kaulla verschwägert. Mit Vorliebe pflegte Heine zu erzählen, dass das Porträt seiner Verwandten, der gefeierten Anna Kaulla, in der Schönheitsgalerie Ludwigs I. sich befinde. Seine Mutter Peierche n mfy Anna Kaulla, eine Verwandte von Heinrich Heine, gemalt von J. Stieler für die Schönheitsgalerie Ludwig 1. orop-aN rop-aw -&p^w hp^w fo-ON M Eine Kamea (Amulett) ge^en das Fieber aus dem Reisetagebuch des Simon van Geldern, des Grossoheims von Heinrich Heine. oder Betty van Geldern war eine sehr gebildete Frau, die in Goethes Elegien schwelgte und zugleich eine begeisterte deutsche Patriotin war. Die Briefe an ihre Freundin Helene Israel in Wesel sind geradezu rührende Zeugnisse von Geist, Charakterstärke und patriotischer Gesinnung. Aus all diesen Elementen setzt sich zusammen, was in Heine lebte und webte. Mit Recht bemerkt einer seiner besten Beurteiler, dass die vollendete Freiheit, mit der dieser kühne und scheinbar unabhängige Geist über allen Voraussetzungen der Geburt und der Lebensverhältnisse schwebte, über seine tiefinnerliche, ererbte und in der Familie wurzelnde Zugehörigkeit zum Judentum ebensowenig hinwegtäuschen könne, als an seinem Deutschtum je ein Zweifel zulässig sei. Heinrich Heine ist ein merkwürdiger Dichter auch in dem Sinne, dass das innerste Leben und Weben der jüdischen Volksseele in seinen Liedern zum innigsten Ausdruck kommt. „Tiefer und gewaltiger," sagt David Kaufmann, „hat keiner die Empfindungen des jüdischen Volksherzens, sein Sehnen und sein Leid beschworen, schmerzlicher hat nie eine Lippe von dem ewigen Weh Israels getönt!" Das ist unser Kaddisch am 50. Jahrzeittage des Dichters! G. K.

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