Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1906)
- Article
- Die Makkabäer
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 19 - 20 (sequence 1)
- Language
- German
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19 20 Die JMakkabäer Von Hlfrcd Nossig. (jsracbiruch verboten.) Gen Rimmel raucht ein ew'gcs Crümmerfeld, Das ßlut der Opfer dampft empor. Hus Leichen, die der Schutt zusammenhält, Baut sich ein grausig Röllentor. Hn seiner Schwelle wacht ein toter ficld, Der den Bedrängern Rache schwor. Und fern enteilen angst verwirrte Scharen JSach andern Ländern, anderen Gefahren. .... 3udenstätten! .... ^"denleben! Gleich riesigen Gespenstern schweben Roch oben dunkle GUolken, totenstill . . . Da plötzlich — horch 1 — ein mächtiges 6rbeben: Ist es der Rimmel selbst, der sprechen will? Und ob der Stätte, wo entmenschtes forden jedwede.i Haut ersticht, ertönt es in gewaltigen Hkkorden: ,,3Uar das nicht einst ein starker Stamm, Der grausam hingemäht hier liegt? Idar er den feinden nicht ein Damm, Rat er nicht hundertmal gesiegt? Die die Verfolger beut in fetzen Geängstigt und gedrückt Von Land zu Lande hetzen, Die hier auf fremder 6rde Geschändet und gebucht Den Codesstreicb empfingen — Sab man sie nicht mit adliger Geberde Dereinst in ihrer Reimat sich ergcb'n? Rört' man sie nicht dem Gw'gcn Lieder singen Hm beil'gen ^ordanstrandc? Ulas ist mit diesem Volk gcscheh'n? Verlor es seine letzten Säfte, Rat es nicht Männer mehr, nicht Kräfte Zum Hufersteb'n?" 6rwecht von jenen Donnertönen Regt sich im fieberschlaf ein wunder Mann: „O Rimmelsstimme! — Willst auch du uns höhnen? CCXas rufst du uns? 6s ist um uns getan! 6in Spott ist die Grinn'rung alter Grösse; Und doppelt schmerzt die blutbenetzt» Stirnc, Rör* ich den Ruf des Rerrn, Und doppelt friert mich meines Leibes Blosse, Denn unser Land ist fern — SUie die Gestirne! 5die sollen wir an Zion denken, Das Land der Rosen und der palmen, Zur f reibeit uns're Schritte lenken — Und flehen um Hlmosen, Und uns're Dächer qualmen! . . . Da teilen sich rauschend die SCtolkenfalten, Huf leuchtet ein Zug von feuergestalten, Gleich einer himmlischen JNlenorab. Roch siebt man einen ragenden Hlten In nerviger Rand ein Cdabrzeichen halten* Die aufgerollte €bora. Und einer, der einen Rammer schwingt, Des Blick auf den Grund der Seele dringt, Rcbt an mit bezwingender Stimme: „32ir wa*en w;e Ihr gedrückt und geschändet, Uns nahm man die alte Lehre. Doch plötzlich war die Knechtschaft beendet: CClir setzten uns zur Ulehre! In den Bergen "Judäas sammelten wir Die Kühnsten von unserem Stamme, <Uir lebten wie das freie Getier Und schürten die heilige flamme. Dann stiegen wir hernieder in's Cal, Gin Räuflein von mutigen Mannen, <Uir fragten nicht nach der feinde Zahl Und Gott gab, dass die Schlacht wir gewannen Von JVIodüm nach 6mmaus, von da nach Betb-Zur, Huf der feinde Spur Ging der Zug und der Sieg — Und waren immer zehntausend nur. *Uir sahen durch Monde nicht <Uein noch Brot, Die jüngsten, die Schwächsten, sie zitterten nicht, Sie trugen beherzt den f euertod — Hus dem feuer brach endlich das Licht! Das alte, das einzige Reimatland errangen wir wieder mit mannhafter Rand. CHir hämmerten, was uns aufhielt, hinweg: Die feindlichen Reste, Sie stürzten davon in Staunen und Schreck, Und unser ward Salomos Veste. Da rissen w> alles Unkraut heraus Und bauten auf's neue ^ahob's Raus Im freien Rebräerlande!" Der Rimmel verklärt sich in flammen, Hls sollt' aller Schmerz, alle Schande Gesühnt sein in lobendem Brande — Dann rollen die ^Uolken zusammen. Und wieder Cotenstille .... Doch kaum, dass jenes Bild verblich, Regt es leise erst, dann mächtig sich, 6s keimt der Retterwille: ein Schwächling, der sich seines Volkes schämt, Und sei's vetfehmt! Im Kampf mit feindlichen Gewalten Hm eignen fest und treu zu halten, Cci uns das Röchste hier auf 6rden. Verachtung jedem, der ein Raupt Dem alten ß tidc raubt! Ihr aber, die Ihr treu um Zion ringt, Seid Ihr ein Räuflein auch, verzaget nicht: CClenn Ihr das Leben setzt an Sure pfiiebr, Könnt Ihr vertrau'm Das SCterfc. gelingt! Bereitet klug und mutig Such im Stillen, Stählt euren Hrm und schärft den Hillen; Lernt euer Schicksal bauen, lernet hämmern, Dann wird auch uns der Cag der freiheit dämmern!