Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- None (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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0SF«e STT v ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT FUß MODERNES JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Bezugs- und Insertions-Bedingungen auf der letzten Textseite. Alle Rechte vorbehalten. Heft 1 Januar 1906 VI. Jahrg. An unsere Leser! Titel und Register zum vorigen Jahtgange sind vorliegendem Hefte beigegeben, mit dem der sechste Jahrgang unserer Zeitschrift beginnt. Soweit nichts Gegenteiliges mitgeteilt wird, werden wir das Abonnement als verlängert betrachtan. Verlag und Redaktion von „Ost und West'*. JUEDISCHE AUTONOMIE. Von Mathias Bewegungen lösen sich nur scheinbar ab. Jn Wahrheit sind die Anfänge der ablösenden Bewegting schon da, wenn die abgelöste noch an ihrem vermeintlichen Anfange steht. So fallen z. B. die Wiederanfänge der jüdisch-nationalen Geistesbewegung — im Grunde hat sie ja nie aufgehört — schon in die Kindheitszeit der Assimilation. Hie und da wurde die Emanzipation schon damals mit einem im Trubel der Menge verhallenden Ruf nach nationaler Verselbständigung begrüßt. Aber es datierte immerhin lange, bis sich aus den vereinzelten Stimmen so etwas wie ein Chor bildete. Erst vor beiläufig 25 Jahren geschah es. Und damals begann erst der Kampf um die Wirklichkeit, das Zielsetzen und Zielverfolgen. Soweit es sich dabei um die Idee einer staatlichen Wiedergeburt handelte, kam man bald zu ausgeprägten Zielbildern. Und das gab der Bewegung immerhin stets erneute Energie. Die Sache stellte sich aber sofort ungünstiger, sowie es sich darum handelte, das Leben selbst jüdischschöpferisch zu machen oder seine jüdische Schöpferkraft, wo sie schon vorhanden war, zu heben. Da gab es keine Ziele, konnte keine Acher (Wien). Nachdruck verboten. geben. Da war ein Tätigkeitsrahmen nötig. Und der fehlte. Fehlte bisher! Denn nunmehr zeigt sich eine grosse Hoffnung. Der Gedanke der sogenannten nationalen Autonomie, der jetzt in Oesterreich die Geister beschäftigt, bringt sie. Wer vielleicht gegen alles, was aus Oesterreich kommt, Vorurteile hat, möge sich beruhigen. Man hat es hier nicht mit der müssigen Erfindung irgend eines Projektenmachers, sondern mit dem geistigen Endergebnis gewisser Tatsachen und Entwickelungen zu tun. Oesterreich ist nicht, wie so viele zu glauben geneigt sind, der Dynastie, sondern seiner Völker wegen da. Soweit sie auf eigenen Territorien wohnen, sind diese gewöhnlich zu klein, um selbständige Wirtschaftsgebiete abzugeben. Und, was noch wichtiger ist, die Durcheinanderwürfelung der Nationen ist so weit gediehen, dass ihre staatliche Gemeinsamkeit eine Notwendigkeit ist. Das haben nunmehr so ziemlich alle ernst zu nehmenden Politiker begriffen. Gleichzeitig hat sich aber auch allmählich in weiteren Kreisen eine geläuterte Auffassung des Nationalitätsgedankens durchgerungen. Man hat