Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1905)
- Article
- Helene von Mises
- Date
- 1905-12-01
- Page
- Seite 791 - 792 (sequence 3)
- Language
- German
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B. Samuel: Helene von Mises. 792 ohnehin naheliegt1) lind das für die Malerei eine schier unerschöpfliche Quelle wahrhaft künstlerischer Anregungen bietet: wir meinen das jüdische Leben und die jüdische Vergangenheit. Liebevolle Versenkung in die jüdische Geschichte und verständnisvolles Nachempfinden des in ihr webenden Geistes müssten ein echtes und reiches Talent kräftig beflügeln und es auf die höchsten Höhen der Kunst leiten. HELENE . VON MISES. LEMBERG. Beratung. a) Schon in früheren Jahrhunderten spielte diese Familie eine bedeutende Rolle im jüdischen Gemeindeleben. Einer ihrer Sprösslinge starb im Jahre 1728 den Märtyrertod, weil er im Kampfe für die Interessen der jüdischen Gemeinschaft den Zorn der Behörden sich zugezogen hatte. Er hiess Zevi Hirsch. Seine Gattin Misa, eine hervorragende Frau, verstarb einige Monate nach seinem Tode; sie war die Enkelin des Lemberger Rabbiners Napthali, der im Jahre 1555 verstarb. Nach der Fi au Misa nahmen ihre beiden Söhne den Familiennamen Mises an (der vormalige Name der Familie lautete Ivo sin er). Bis in die Gegenwart hinein lieferte diese Familie der jüdischen Gemeinde Rabbiner und Vorsteher. Der Urgrossvater der Künstlerin, der ca. ein halbes Jahrhundert die Würde eines Präsidenten der jüdischen Gemeinde Lembergs bekleidete, wurde in den erblichen Adelsstand erhoben. DIE RUSSISCHEN JUDENVERFOLGUNGEN UND DIE DEUTSCHEN JUDEN IN FRUEHEREN ZEITEN. Von Dr. "Während die jetzigen grauenhaften Judenverfolgungen und Metzeleien die deutschen Juden allenthalben zu beträchtlichen Spenden zur Linderung der furchtbaren Not für die Witwen und Waisen der Hingeschlachteten, die ruinierten Familien und verbrannten Häuser veranlassen, haben vor etwa 62 Jahren die damaligen brutalen Massnahmen der russischen Regierung, die urplötzlich Tausende und Abertausende unserer russischen Glaubensgenossen ins Verderben stürzte, indem sie ihnen befahl, ihre Wohnplätze zu verlassen und eine andere Heimat aufzusuchen, die besten deutschen Söhne des israelitischen Stammes veranlasst» gegen eine solche schmachvolle Vergewaltigungspolitik ihre Stimmen zu erheben und dadurch gleichsam das Gewissen Europas aufzurütteln. Aus der Fülle jener Aufruie, gerichtet an die deutschen Juden im allgemeinen und die öffentliche Meinung der .gebildeten AVeit insbesondere, sei hier nur ein im Oktober 1843 veröffentlichter Protest Ludwin Simons — geboren 1810 in Trier und gestorben B. Hahn. Nachdruck verboten. 1872 in Montreux, 1848 Mitglied der deutschen Nationalversammlung, wo er zur äussersten Linken gehörte und einer der hervorragendsten Redner dieser Fraktion war — mitgeteilt. Dieses Schriftstück, das gerade jetzt von aktuellem Interesse sein dürlte, erscheint mir durch einige darin enthaltene Wahrheiten noch heute nicht veraltet zu sein. Es lautet: „Wenn Hunderttausende von Euch ins Elend geführt werden, fühlt Ihr es nicht mit? Wenn durch ein einziges Machtgebot ein ganzes Volk gezwungen wird, die heimischen Hütten zu verlassen, seinen armseligen Erwerb aufzugeben und weiter ziehen muss in ein Land, das ihm fremd ist, wo ihm keine Brüder weilen, wo niemand seine Armut unterstützt, sein Elend erleichtert, wo es allen Qualen der Not und der Entbehrung ausgesetzt ist, wenn solches das Schicksal Eurer Brüder ist, fühlt Ihr es nicht mit? — GeAviss, Eure Teilnahme ist nicht erloschen! Diese Tugend ist eine rühmenswerte Eigenschaft des jüdischen A^olkes, sie hat sich gezeigt und bewährt in vielen unglücklichen Tagen, Jahrhunderte hindurch, die Geschichte