Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1905)
- Article
- Zadoc Kahn, Grand-Rabbin de France
- Date
- 1905-12-01
- Page
- Seite 787 - 788 (sequence 2)
- Language
- German
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787 Zadoc Kahn, Grand-Rabbin de France. 788 Die Juden Osteuropas, dieindenletzten Jahrzehnten so oft zu Zehntausenden nach dem Westen, über den Ozean gepeitscht wurden, und deren Schicksal nur zu häufig in Paris entschieden wurde, konnten sicher sein, bei Zadoc Kahn Verständnis, Schutz und Rat zu finden. So war er denn einer der tätigsten .Mitarbeiter an allen kulturellen und sozialen Bestrebungen des Judentums der Gegenwart, und so manche Entscheidung von grosser Tragweite verdankte seiner Anregung ihren Ursprung und seinem energischen Willen ihre Vollendung. Er war auf einen äusserst exponierten Posten gestellt. Er musste das Judentum nach aussen hin, vor einer sehr kritischen und häufig übelwollenden Aussenwclt würdig repräsentieren und nach innen die entgegengesetztesten Strömungen miteinander in Harmonie und Einklang bringen. Er musste das Judentum gegen Anfeindungen von aussen und gegen die Zersetzung im Innern verleidigen, er hatte gegen fremden Fanatismus und gegen innere Frivolität und In^ differentismus zu kämpfen. Er hatte innerhalb eines notwendigen Liberalismus einem gesunden Konservativismus das Wort zu.reden. Und es .ge^ hörte der ganze - männliche Stolz und die überlegene Klugheit, der feine Takt und der entschiedene Wille dieses Mannes dazu, um auf diesem Platz auszuharren und sich durchzusetzen! Vor allem aber gehörte dazu seine grosse, glühende Liebe zum Judentum. Den jüdischen Gemeinden in Frankreich steht jetzt eine schwierige und umfassende Aufgabe bevor. Infolge des Separationsgesetzes wurden sie nämlich nicht nur der bedeutenden Mittel beraubt, die ihnen vom Staate zuflössen, sondern sie sind auch gezwungen, ihre ganze Organisation auf einer neuen Basis einzurichten. Vielleicht den schwierigsten Teil dieser Aufgabe zu lösen, wäre Zadoc Kahn beschieden gewesen. Mitten aus dieser Arbeit wurde er abberufen. Ehre seinem Andenken! HELENE VON MISES. Von B. Samuel. Nachdruck verboten. Auf verschiedenen Kunstausstellungen in Lemberg erregten seit einigen Jahren die Bilder einer jugendlichen Künstlerin durch originelle Behandlung der Vorwürfe, scharfe Beobachtung u;F Jy.fi \ " V | ■:. ^»tfe .; v ,,v-.7,'5$*s.v. '^■r^'-T-K-'" *4F V; v■. -'\!v^v-^;- -V:'r.. ■ :::v-;>7\ *H ■ , V-.y'' lr'v * V' ' ','■>; •'' •:>--. 9"£/r." •JrV ■■M-M Mß* ■ v"0 ■J'Mp \ / •V;-.'V' i IIELEXE VON1 MISES. Selbstporträt. und eine mit feinem Humor gemischte Innigkeit des Gefühlstons immer mehr die Aufmerksamkeit der Kunstkenner. Man ist im Bereiche der polnischen Kunst sehr verwöhnt, und denen, die die ersten Schritte wagen, wird es schwer, die Augen der Beobachter zu fesseln. Aber die Bilder der jungen Malerin hatten soviel Frische und Herzlichkeit und wiesen dabei in der Ausführung soviel Keckheit und Eigenart auf, jedoch ohne die geringste Spur von Effekthascherei und gekünstelter Sensationslust, dass kein geübtes Auge sie übersehen konnte. Es war ein junges jüdisches Mädchen namens Helene von Mises. Sie hatte als Kind Unterricht im Zeichnen genommen und schon damals durch ihr hervorragendes Talent die Aufmerksamkeit der Lehrer auf sich gelenkt. Ihre kleinen Skizzen und Zeichnungen „nach der Natur" fielen auf durch grosse Selbständigkeit LEMBERG.