Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1905)
- Date
- 1905-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2583875-2583931-2583942--05679-2592972- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Bezugs- und Insertions-Bedingungen auf der letzten Textseite. Alle Rechte vorbehalten. Heft 12 Dezember 1905 Y. Jahrg. An unsere Leser/ Mit vorliegendem Hefte schfiesst der fünfte /ahrgang unserer Zeitschrift Titel und Register werden wir dem nächsten (Januar-) Hefte beilegen. Soweit uns nichts Gegenteiliges mitgeteilt wird, werden wir das Abonnement als verlängert betrachten, — Wir bitten unsere Freunde, uns ihre Sympathien auch weiterhin zu bewahren und unserer Zeitschrift nach Kräften zu weiterer Verbreitung zu verhelfen. Verlag und Redaktion von „Ost und West". ARISCHE UND SEMITISCHE WELTANSCHAUUNG. Von Fabius Schach, Karlsruhe. Nachdruck verboten. Es scheint mir eine zweifelhafte Errungenschaft unserer Zeit zu sein, dass wir so oft von einer Weltanschauung sprechen. Wäre damit auch nur die Sehnsucht nach einem harmonischen, in sich geschlossenen Denken verbunden, so könnte man sich darüber freuen. Aber meistens ist es eben nur ein Wort. Ein Wort, das nicht einen Begriff bekleidet, sondern — wie oft die Kleiderkunst — die Unschönheiten und Fehler verhüllt. Die Alten hatten kein adäquates Wort für die Weltanschauung und sie waren ganz gut daran. Sie wollten eben nicht mehr scheinen, als sie waren. Wir aber sprechen zu oft von der Weltanschauung, als dass ein klarer Begriff dahinter stecken könnte. Nur auserwählte Menschen, denen es vergönnt ist, ihr Aussenleben mit dem Inneren zu verschmelzen, ihr Fühlen und Handeln in Einklang miteinander zu bringen und ihr Denken harmonisch abzustimmen, — nur sie haben eine Weltanschauung, d. h. eine Anschauung, die das ganze Leben umfasst, die aus ihrem eigentlichen Wesen fliesst und alle Dinge und Erscheinungen des Lebens mit ihrer eigenen Sonne bestrahlt. Die Weltanschauung ist kein Gemeingut aller'Menschen, nichts Angeborenes, sondern ein schwer erworbener Schatz einzelner Reicher in der Welt der Ideen. Noch mehr Vorsicht ist geboten, wenn man von der Weltanschauung einer ganzen Gruppe von Menschen spricht. Eine Kongruenz gibt es im Reiche der Gedanken ebensowenig wie im physischen Leben. Denn das Denken ist niemals losgelöst vom Wesen des Denkers, und es dürfte kaum zwei Menschen geben, die ganz