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Ost und West · 1905-10-01 · Heft 10-11 (Oktober-November 1905) · p. Seite 629 - 630

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 10-11 (Oktober-November 1905)
Article
Bezalel
Date
1905-10-01
Page
Seite 629 - 630 (sequence 3)
Language
German
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629 Dr. J. Thon: Bezalcl. 530 Es ist anzunehmen, dass die eigentliche gewerbliche Produktion erst im Laufe von 6 bis 8 Monaten nach der Einrichtungder Schule beginnen wird. Bis zu dieser Zeit wird vermutlich schon eine genügende Zahl Arbeiter ausgebildet sein. Doch ist es nicht ausgeschlossen, dass die praktische Ausübung der Teppichknüpferei sogar schon früher in Angriff genommen wird; si-e bietet nämlich keine besonderen Schwierigkeiten, andererseits ist sie so sehr im Orient verbreitet, dass man wohl darauf rechnen kann, in Jerusalem bereits vorgebildete Arbeiter zu finden, die schon nach kürzerer Anleitung und Belehrung in der Schule ihr Gewerbe in befriedigender Weise werden ausüben können. Geplant sind ausser der Teppichindustrie vor allem noch Ton-, Holz-, Metall- und Steinarbeiten, eventuell auch Kunststickerei, Spitzenklöppelei, wie auch einige geringere Kunstfertigkeit erforderliche Hausindustrien. Für alle die aufgezählten Gewerbe bietet das heilige Land sehr günstige Bedingungen. So wird der orientalische Teppich überall in der Welt sehr hoch geschätzt und findet in Europa und Amerika mit grosser Leichtigkeit und zu hohen Preisen reichlichen Absatz. Es gibt kaum ein halbwegs reicheres und mit Komfort eingerichtetes Haus, in welchem ein echter orientalischer Teppich fehlt. Insbesondere in den letzten 20 Jahren nahm die Teppichindustrie im Orient einen kolossalen Aufschwung. Der Export, der auf viele Millionen jährlich sich beläuft, steigert sich von Jahr zu fahr. Smyrna allein, welches die Teppichmanufaktur seit 1873 (Wiener Weltausstellung) betreibt, exportiert gegenwärtig jährlich Teppiche im Beirage von 12 Millionen Mark. Merkwürdigerveise nimmt nur Syrien und Palästina mit sehr;:eringen Ausnahmen an dieser Industrie keinen Anteil. Es hat jedes Land, ja sogar jeder Distrikt i sine eigenen Muster und Formen. Diese Muster BORIS SCHATZ. Eine jüdische Mutter. RELIEF. werden ietzt vielfach sogar von Künstlern in Europa in Anlehnung an alte Traditionen der betrefienden Gebiete entworfen, namentlich hat ein Herr Hopf in Stuttgart zu diesem Zweck ein grosses Atelier eingerichtet, das einen " sehr segensreichen Einfluss auf die Teppichindustrie des Orients ausübt. Es wird aber sicherlich niemand behaupten wollen, dass das heilige Land unseren Künstlern weniger passende Motive zum Entwerfen von Teppichmusterri bieten wird, als die Museen, zumal wenn dort eine Sammlung guter Muster und Entwürfe sowie eine kleine Bibliothek den Künstlern zu Gebote stehen Avird. Für die anderen Kunstgewerbe scheint Palästina gerade das erkorene Land zu sein. Das heilige Land wird alljährlich nicht nur

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