Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober-November 1905)
- Article
- Statistisches zur Judennot
- Date
- 1905-10-01
- Page
- Seite 609 - 610 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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609 Statistisches zur Judennot. 610 Jnsofka, Gouv. Ekaterinoslaw. Kalarasch, Gouv. Bessarabien. Klinzy, Gouv. Tschernigow. Kriwojrog, Gouv. Cherson. Lisitschansk, Gouv. Ekaterinoslaw. Majaki, Gouv. Cherson. Mordaro wka, Gouv. Cherson. Nikopol, Gouv. Cherson. Nowowileiskaja bei Wilna. Olwiopol, Gouv. Cherson. Polonoje, Gouv. Taurien. Rasdjelnaja, Gouv. Cherson. Strascheny bei Kischinew. Shmerinka, Gouv. Kiew. Slatopol, Gouv. Kiew. Tomsk, Gouvernementstadt. Ungeni, Gouv. Bessarabien, Die Gesamtzahl der Ortschaften, wo die Judenmetzeleien stattgefunden haben, beträgt mindestens 150, wenn wir auch die Dörfer und Mestetschkas (Mestetschka ein Mittelding zwischen Dorf und Stadt) hinzurechnen, wo kleinere jüdische Ansiedelungen vollständig vernichtet wurden (hauptsächlich in den Gouvernem ents Tschernigow, Kiew und Bessarabien). In den betreffenden Dörfern sind die jüdischen Familien nicht nur vollständig ausgeraubt, sondern zum grössten Teil auch ermordet worden. So ist beispielsweise im Dorfe Gorki, bei Nowgorod- Ssjewersk, die dort seit 40 Jahren lebende und in der ganzen Gegend sehr angesehene jüdische Familie Bichowski grausam hingeschlachtet worden. Von den 15 Mitgliedern der Familie sind nur wenige am Leben geblieben, und auch die wenigen erwarten mit ausg estoohenen Augen und ausgerissenen Zähnen den befreienden Tod. Gruppe hingeschlachteter Mitglieder der jüdischen „Selbstwehr" in Odessa. Ungenannt sind hier auch die einzelnen Ortschaften derjenigen Gouvernements, wo nur wenige privilegierte Juden wohnen dürfen, und wo nur kleine jüdische Ansiedlungen vertreten sind. Da fast sämtliche jüdische Einwohner dieser Gegenden durch die Massacres gelitten haben, beschränkten wir uns auf die Angabe der Gesamtzahl der in jedem der betreffenden Gouvernements lebenden Juden. (Es sind die oben angeführten Gouvernements: Jaroslaw, Kasan, Orel, Perin, Pskow, Rjasan, Saratow, Smolensk, Wladimir, Woronesch und der donische Kreis.) Ferner sind in der obigen Aufstellung unerwähnt geblieben die Städte, wo die Pogrome rechtzeitig unterdrückt wurden (wie Charkow und andere Städte, wo nur wenig Schaden angerichtet wurde) und die Stationen, wo man die Juden auf den Bahnhöfen unter Mitwirkung der örtlichen Behörden buchstäblich hingeschlachtet hat (wie Birsula und andere Stationen auf der Strecke Odessa—Kiew). Die von diesem grossen Unglück betroffenen jüdischen Gemeinden, mit einer jüdischen Gesamtbevölkerung von ca. 1360000 Seelen, bildeten den wohlhabendsten Teil der jüdischen Bevölkerung Russlands. Nach den vorliegenden Berichten beträgt der Gesamtschaden, den die Juden in Russland durch die Pogrome erlitten haben, über 450 Millionen Rubel. Die genaue Anzahl der Getöteten und Verwundeten lässt sich nicht feststellen, da aus den kleinen Orten noch keine Berichte vorliegen. Nach den bisherigen Meldungen beträgt die Zahl der ermordeten,schwerverwundeten und vor Schreck wahn sinnig gewordenen j üdischen Märtyrer ca.55000.