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Ost und West · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. Seite 599 - 600

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
Miscellen / Biach, Adolf
Date
1905-09-01
Page
Seite 599 - 600 (sequence 1)
Language
German
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599 600 MISCELLEN, APHORISMEN „Die Taufseuche in Wien." Um Missverständnissen vorzubeugen erklären wir als Beantwortung vielfacher Anfragen, dass S. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. M. Güdemann in Wien dem im Junihefte unserer Zeitschrift veröffentlichten Artikel „Die Taufseuche in Wien" gänzlich fernsteht. ist und bleibt er ein Plebejer. Solchen Plebejer- und Sklavenseelen ruft das Gewissen, wenn sie. es nicht ganz betäuben, zu: „mietbar scheker tirchok", „Weh' dem, der lügt". Prof. Dr. Adolf Biach, Rabbiner und Prediger in Brüx. Ein zweiter Artikel über dasselbe Thema erscheint in einem der nächsten Hefte. Die jüdische Religion ist dadurch ausgezeichnet, dass sie aufklären und erleuchten, Licht und Liebe in die Herzen ihrer Bekenner senden will. Die jüdische Religion verlangt nicht von Dir zu glauben, was Deiner inneren Ueberzeugung widerspricht, sie legt kein Hauptgewicht auf Wunderzählungen und Glaubensdogmen, sie kennt nur den einen höchsten Glaubensgrundsatz: „Schema jisroel" (Einheit und Einzigkeit Gottes), sie legt das Hauptgewicht auf Wahrheit, Liebe und Gerechtigkeit. Die jüdischeReligion ruftunszu: „emes kneh weal tim kor", Erwirb die Wahrheit, verkaufe sie aber nicht, betrachte sie nichtals eine Ware, mit der Du Gewinn und Vorteil erhaschen kannst. Wer aber seine Ueberzeugung um eines Vorteiles willen verkauft, wer statt Opfer zu bringen, seine Religion opfert, wer seinen Glauben um des Eigennutzes willen verschachert, der allein verdient den von unseren Feinden so oft verächtlich gebrauchten Namen — verzeiht das harte Wort — Schacherjude. Der alte Ghettojude, der, um sein Leben zu fristen, von Haus zu Haus ziehend seine Ware verkaufte, sah seinem Aeusseren nach vielleicht wie ein Plebejer aus, aber seiner Gesinnung und seinem Charakter nach war er ein Aristokrat; er verkaufte zwar seine Ware, aber seine Ueberzeugung, seine Religion wäre ihm nicht feil gewesen für alle Schätze der Welt. Der moderne Jude aber, der seine Ueberzeugung, seine Religion preisgibt, um eines Vorteiles willen beschwört, was er nicht beschwören kann, der ist und bleibt, mag er noch so hohe Ehrenstellen erlangen, noch so hohe Titel führen, der Schacherjude; seinem Aeusseren nach sieht er vielleicht wie ein Aristokrat aus, seiner Gesinnung und seinem Charakter nach Bezalel. Das Komitee für Entwicklung von Kunstgewerbe und Hausindustrie in Palästina, „Bezalel", über dessen Bestrebungen wir in der nächsten Nummer eine Abhandlun g bringen werden, hat sich definitiv konstituiert. Zum Vorsitzenden wurde Prof. Dr. O. Warburg', zum stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Paul Nathan, zum Schatzmeister Berthold Israel gewählt. Dem Komitee gehören ferner an: James Simon, Dr. E. Mittwoch, Dr. S. Soskin, Fabrikbesitzer S. Piepner, Dr. H. Plildesheimer, Dir. P. Levy (in Fa. Gladenbeck & Sohn), Dr. F. Oppenheimer, Prof. Dr. M. Philippson, Dr. P. Schottläader. Es WTirde beschlossen, die Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem mit Beginn des Jahres 1906 zu eröffnen. In der Schule wird unter Leitung von Prof. Boris Schatz fder sich-zu diesem Zwecke demnächst nach Palästina begiebt) Unterricht a) im Zeichnen und Malen, b) in der Plastik, c) im Entwerfen von Modellen für in Aussicht genommene Kunstgewerbe (Teppichkniipferei, Textil-, Holz-, Ton-, Metall-, Steinarbeit u. a.) erteilt, ferner für die praktische Ausbildung in den einzuführenden Ateliers gesorgt werden. In dieser Schule gelangt die Stellung eines jüdischen Lehrers für Zeichnen, Malen und angewandte Kunst mit 3000 Mark jährlichem Gehalt und einmaliger Vergütung der Reisekosten mit 1000 Mark zur Besetzung. Der Kontrakt wird zunächst für ein Jahr geschlossen, doch ist nach Ablauf des ersten Jahres der Lehrer auf Wunsch der Gesellschaft verpflichtet, noch weitere zwei Jahre in seinem Amte unter denselben Bedingungen zu verbleiben. Ein Atelier steht dem Lehrer zur Verfügung. Bewerber.werden ersucht: 1. Originalarbeiten iu Oelfarbe und Aktzeichnungen event. dekorative Entwürfe, 2. einen kurzen Lebenslauf, 3. Reproduktionen ihrer Werke postfrei einzusenden. Ferner werden in der Schule 10 jüdische Schüler und Schülerinnen Aufnahme Jinden. Aus den besten Schülern werden später die Lehrer der Jerusalemer wie neuer an anderen Orten Palästinas noch zu errichtender Schulen und Leiter von Ateliers entnommen werden. Bewerber, die das 15. Lebensjahr überschritten haben müssen, haben als Nachweis ihrer kunstgewerblichen und sonsiigen Befähigung 1. selbstgezeichnete Entwürfe, Reproduktionen von solchen oder irgend welche Arbeiten überhaupt, ans denen man ein Urteil über ihre künstlerische Begabung gewinnen kann, 2. selbstgeschriebenen Lebenslauf mit Angaben über die absolvierten Schulen und die Vermögensverhältnisse, 3. bei Minderjährigen die Erlaubnis des Vaters oder gesetzlichen Vormundes eiuzusenden. Bevorzugt bei der Aufnahme werden Schüler, welche Mittel zum Lebensunterhalt haben. Es können jedoch auch solche aufgenommen werden, welche keine Mittel besitzen, wenn sie sich durch besondere Begabung auszeichnen. Es ist deshalb sehr erwünscht, dass dem Komitee Mittel zur Bildung eines entsprechenden Stipendienlonds zur Verfügung gestellt werden. Auskunft erteilt das Komitee des „Bezalel", Berlin, Uhlandstr. 175. Abonnementspreis für das Jahr in Deutschland und Oesterreich Mark 7,— (Luxusausgabe Mark 14,—), für das Ausland Mark 8,— (Luxusausgabe Mark 16,—). für Russland ganzjährlich 4 Rubel. Einzelhefte ä 35 Kop. ,_- ----. - ~_ Zu bezieben durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch alle Postämter des Deutschen ■_- - -—--.—■-~- Reiches unter No. 5785 a der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift. ~~ Anaeigen 75 Pfennig die viergespaltene Petitzeile, grössere Anzeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabatt. Stellen-Gesuche und -Angebote zum halben. Preise. Adresse für die gesamte Korrespondenz: Verlag „Ost und West", G. m. b. HL, Berlin NW. 23, Altonaerstr. 36. Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin, Altonaerstr. 36. — Verlag Ost und West, G. m. b. H., Berlin NW. 23. Druck von Pass & Garleb G. m. b. H., Berlin W. 35.

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