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Ost und West · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. Seite 597 - 598

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
Aus der jüdischen Sagen- und Märchenwelt
Date
1905-09-01
Page
Seite 597 - 598 (sequence 2)
Language
German
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597 Bar-Ami: Aus der jüdischen Sagen- und Märchenwelt. 598 Vögele mit den weissen Streifen; sie ergreift es schnell und läuft davon mit dem Vögele. Glücklich kommt sie nach Hause, da entwischt ihr plötzlich das Vögele und sie fällt in Ohnmacht. Als sie aber wieder aus der Ohnmacht erwachte, da hörte sie die frohe Kunde, dass der Sohn schon unter der Chuppah stehe. Man hielt Hochzeit, und es war grosse Freude. JUEDISCHE Eine Diskussion über den Wert oder Unwert der Statistik ist gleichbedeutend mit der Frage, ob in einem grossen Geschäft eine geordnete Buchführung von Wichtigkeit ist. Es ist gewissermassen für die Selbsterkenntnis einer jeden höheren menschlichen Organisation erforderlich, die auf sie bezüglichen Tatsachen zusammenzufassen und zu sichten. Zur Kenntnis und richtigen Beurteilung des Judentums bedarf es sicherlich einer vorhergehenden statistischen Beleuchtung der wichtigsten sozialen Erscheinungen desselben. Ein Jahr besteht das vom Verband für jüdische Statistik begründete Bureau für Statistik der Juden. Die von demselben in der verhältnismässig kurzen Frist geleisteten Arbeiten beweisen, wie wichtig dieses Institut für die jüdische Gemeinschaft ist. Die von dem Bureau, unter Redaktion von Dr. Arthur Ruppin herausgegebene „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" hat in den bis jetzt erschienenen neun Heften eine Fülle von statistischem Material gebracht, das über die Verhältnisse der Juden in der ganzen AVeit orientiert. Wenn wir nur flüchtig die Hefte durchsehen, so finden wir, bald in ausführlicheren Aufsätzen, bald in grösseren oder kleineren Einzelnotizen, die trotz ihrer ganz anspruchslosen Form in knapper, aber inhaltsvoller Fassung immer sehr übersichlich und klar das Wissenswerte über den betreffenden Gegenstand auf Grund der wichtigsten Daten bringen, kaum irgend ein Land, in dem Juden wohnen, nicht erwähnt. Ueber die Juden in der Levante, Indien, China, Australien, von denen man in weiteren Kreisen kaum eine Ahnung hat, ob und unter welchen Umständen sie dort leben, erfahren wir nach Massgabe der vorhandenen Quellen Interessantes über ihre Zahl, Altersgliederung, Beschäftigung, mitunter auch Sitten und Gewohnheiten u. dgl. Die Länder, für die eine entsprechende amtliche Statistik vorhanden ist, sind natürlich viel ausführlicher behandelt. Die eingehendsten Studien betreffen Preussen, die anderer! deutschen Staaten und Oesterreich, in denen Wachstum der jüdischen Bevölkerung, ihre Berufsgliederung, Anteil am Unterrichtswesen, Einkommensverhältnisse, Kriminalität u. dgl. dargestellt werden. Von Wichtigkeit sind hierbei die auf den Mitteilungen der städtischen statistischen Aemter beruhenden Angaben, da sie nähere Details betreffen und auf eine grössere Anzahl Juden als die typischen Stadtbewohner bezogen werden können. Nicht wenig Material ist auch über Russland, Rumänien und die von Juden dünn bevölkerten Staaten, wie Italien, Serbien, Niederlande, STATISTIK. Nachdruck verboten. und soweit es beim Mangel einer konfessionellen Statistik möglich ist, über die Auswanderung der Juden nach Grossbritannien und Amerika zusammengetragen. Die anthropologischen Abhandlungen bleiben sowohl in bezug auf das Interesse, das ihnen wahrscheinlich weitere Leserkreise entgegenbringen, als häufig auch in bezug auf ihren wissenschaftlichen Wert hinter dem rein statistischen zurück. Doch sind auch hier Beiträge von dem hervorragenden Anthropologen Prof. Luschan, dem Anthropologie-Dozenten an der Dorpater Universität Dorpat Dr. Weinberg u. a. Eine grössere Monographie gab das Bureau über den Anteil der Juden am Unterrichtswesen in Preussen heraus, welche aus zwei Teilen, einem geschichtlichen (von Dr. J. Thon) und einem statistischen (von Dr. A. Ruppin), besteht. Der geschichtliche Teil gibt einen Ueberblick über die Entwicklung des jüdischen Schulwesens seit Mendelssohn bis auf die neuesten jüdischen Schulgründungen, der statistische enthält in detailliertester und sehr übersichtlicher Form eine Darstellung sämtlicher Angaben über die jüdischen Schüler und Studierende, ihre Verteilung auf einzelne Schulgattungen, Universitäten und über die jüdischen Lehrer. Jüngstens erschien das Statistische Jahrbuch deutscher Juden als siebzehnter Jahrgang des Statistischen Jahrbuches des Deutsch-Israelitischen Gemeine! ebundes. Letzterer Organisation gebührt das Verdienst, durch eine Reihe von Jahren dieses für das jüdische Gemeindeleben in Deutschland sehr wichtige Buch mit immer neuen Verbesserungen und Ergänzungen herausgegeben zu haben. Die durch ihn in dieser Zeit geleisteten Vorarbeiten waren zweifellos von grosser Bedeutung für das statistische Bureau bei der Herstellung des letzten Jahrganges, welcher einen ganz bedeutenden Fortschritt seinen Vorgängern gegenüber aufweist. Durch die eingeführte übersichtliche tabellarische Form, durch Heranziehung der amtlichen Angaben für die Einwohnerzahl, die gelungene systematische Gliederung und die ganz besonders hervorzuhebende Bereicherung des Buches durch die grosse Anzahl äusserst wichtiger statistischer Tabellen hat sich das Statistische Jahrbuch zu einem sehr bedeutungsvollen Handbuch über das jüdische Leben in Deutschland erhoben. Es wäre zu wünschen, dass das Bureau in der bis jetzt befolgten, streng wissenschaftlichen Weise neuen, umfassenderen Arbeiten sich zuwendet.

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