Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli-August 1905)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1905-07-01
- Page
- Seite 527 - 528 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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527 Literarisches. 528 gemildert. Die Hauptbedeutung des Buches liegt in der fast unübersehbaren Fülle neuer Wort- und Phrasenerklänmgen, die sehr häufig den hebräischen Wortschatz bereichern und manchen dunklen Vers, ja manchen Psalm in einem gänzlich neuen Licht erscheinen lassen. Dass daraus auch für die ästhetische und religionsgeschichtliche Seite der Psalmen neue Ergebnisse gewonnen werden, ist selbstverständlich. Seinen Standpunkt bezeichnet der Verfasser als „neutral, weder jüdisch noch christlich, obgleich der Verfasser kein Hehl daraus macht, dass er von den Sängern Israels in vieler, namentlich in ästhetischer Beziehung eine viel höhere Meinung hat, als Christen sie haben können. Diese hohe Meinung lässt den Standpunkt unparteiisch, weil sie nicht vorgefasste Meinung, sondern eine aus den Liedern selbst gewonnene Ansicht ist". Die Uebersetzung folgt nicht getreu dem masoretischen Text, sondern führt alle vom Verfasser vorgeschlagenen Emendationen ein, die im Kommentar knapp und eindringlich begründet werden. Ein sehr grosser Teil dieser Emendationen hat in der Tat überzeugende Kraft. Des Gewagten und Abenteuerlichen findet man hier weit weniger als im hebräischen Kommentar, geschweige bei den protestantischen Exegeten. Doch liegt, wie gesagt, der Hauptwert des Buches in den neuen sprachlichen Erklärungen, in denen des Verfassers seltsam feines sprachkritisches Distinktionsvermögen, seine grosse, vielseitige Gelehrsamkeit und vor allem seine innige Vertrautheit mit dem späthebräischen Sprachgebrauche zutage tritt. Die manchmal von einer seltsamen und unbegreiflichen Bitterkeit getragenen Nebenbemerkungen, die sich im hebräischen Kommentar finden und die sonst wohlverdiente An er kennung für den Verfasser schmälerten, sind hier fast ganz, wenn auch nicht durchweg, vermieden. Keiner, der sich ernstlicher mit der Bibel befasst, wird das Buch ungelesen lassen dürfen. Die Exegese des Verfassers in ihrer Totalität soll übrigens hier bei anderer Gelegenheit eingehend gewürdigt werden. — Druck und Ausstattung des Buches sind musterhaft. * * * Prof. Dr. Gustav Oppert: Tharchisch und Ophir. Berlin. Verlag von Julius Springer. Den Inhalt dieser geistvollen und lehrreichen Schrift bildet ein Vortrag, den der Verfasser in der Anthropologischen Gesellschaft zu Berlin gehalten, und der nachher in der Zeitschrift für Ethnologie abgedruckt wurde. Der berühmte Indologe bietet darin die Lösung der vielumstrittenen Frage nach der geographischen Lage der in der Bibel erwähnten Ortschaften Tharschisch und Ophir, die in Verbindung mit den Seefahrten der Könige Salomon und Chiram genannt werden. Die beiden Ortschaften wurden bekanntlich seit 2000 Jahren von den verschiedenen Uebersetzern und Erklärern der Bibel in den verschiedensten Gegenden der alten Welt gesucht. Oppert stellt fest, dass Tharschisch. identisch ist mit dem ehemals in Südspanien, dem beutigen Andalusien, gelegenen Tartessos, welches schon im frühesten Altertum von verschiedenen seefahrenden Völkern des Ostens aufgesucht wurde, und zwar wogen seines Reichtums an Edelmetallen. Wie sich aus den Zeugnissen der klassischen Schriftsteller scbliessen lässt, erhielt die Landschalt ihren Namen von dem Volke der Turter oder Turduler, ursprünglich Tartoi genannt, welche sie bewohnten. Das hebr. Tharschisch wäre dann durch lautliche Assimilation aus Tharthisch entstanden, und es erhielt im Verlaufe der Zeit die Bedeutung von „offenes Meer", „ferne, hohe See". Wenn nun in der Bibel von Tharschisch-Schiffen die Rede ist, so ist darunter nicht eine nach Tharschisch segelnde Flotte gemeint, sondern eine die fernen Meere befahrende Flotte schlechthin. Daher erklärt es sich auch, dass in manchen Bibelversionen das Wort Tharschisch mit Meer wiedergegeben wird. Oppert ist sogar geneigt, das griechische Wort Thalassa, Meer, dessen Etymologie schwierig ist, vom semitischen Tharschisch abzuleiten. Was die Landschaft Ophir anbetrifft, so beweist Oppert vermittels einer Reihe scharfsinniger und geistvoller Deduktionen, dass diese nicht mit Indien identisch, sondern in Ostafrika zu suchen ist. Gleichwohl erstrecken sich die Seeexpeditionen Salomons und Chirams bis nach Indien. Die im Buch der Könige I, 10, 22 aufgezählten Produkte, welche die Tharschisch-Flotte — d. h. also die „Flotte des fernen Meeres" — nach Palästina heimbrachte, sind Erzeugnisse Indiens, die dort vorkommenden Bezeichnungen für Elfenbein, Affen und Pfauen sind, wie Oppert unwiderleglich nachweist, indischen Ursprunges und die ersten in der auswärtigen Literatur nachweisbaren urindischen Ausdrücke. Die entgegengesetzten Ansichten von Glaser, Keil, Lasser und Niebuhr widerlegt der Verfasser mit Erfolg. Das lehrreiche Buch bildet nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Bibelkunde, sondern wirft auch eine Reihe interessanter Schlaglichter auf bedeutsame Fragen der Kulturgeschichte des Altertums. Hervorzuheben ist noch besonders die Klarheit und Eleganz der Darstellung, durch die die Schrift Opperts sich vorteilhaft von ähnlichen Abhandlungen anderer Forscher unterscheidet. * * * Der berühmte böhmische Dichter Jaroslav Vrchlickyv dessen Gedicht an Morris Rosenfeld wir hier in der deutschen Uebersetzung von M. Scherlag bringen, hat soeben einen Band Gedichte des Jargon-Poeten in meisterhafter böhmischer Uebersetzung veröffentlicht (Z pevy z ghetta), welcher im Verlage des „Spoleü ceskych akademiku zidu", Smichow bei Prag, erschienen ist. Der Band enthält 19 Gedichte mehr als die deutsche Uebersetzung. Die Redaktion. Abonnementspreis für das Jahr in Deutschland und Oesterreich Mark 7,— (Luxusausgabe Mark 14,—), für das Ausland Mark 8,— (Luxusausgabe Mark 16,—). für Russland ganzjährlich 4 Rubel. Einzelhefte ä 35 Kop. _____. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch alle Postämter des Deutschen___. _..,_____. . . . Reiches unter No. 5785a der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift. ' " ' ' "~ Anseigen 75 Pfennig die viergespaltene Petita eile, grossere Anaeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabatt. Stellen-Gesuche und -Angebote zum halben Preise. Adresse für die gesamte Korrespondenz: Verlag „Ost und West", G. m. b. H., Berlin NW. 23, Altonaerstr. 36. Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin, Altonaerstr. 36. — Verlag Ost und West, G.m.b.H., Berlin NW. 23 Druck von Pass & Garleb G. m. b. H., Berlin W. 35.