Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli-August 1905)
- Article
- Julius Oppert
- Date
- 1905-07-01
- Page
- Seite 447 - 448 (sequence 5)
- Language
- German
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447 Dr. L. Elias: Julius Oppert. 448 1877 und viele andere. Bahnbrechend wirkten seine zahlreichen Arbeiten über die assyrische tmd babylonische Chronologie, wie auch über das antike Kalenderwesen und die Mathematik und Astronomie. Eine besondere Gruppe bilden seine Schrift zurßibel künde: Commentaire historique et philologique du livre d'Esther 1864, Le livre de Judith 1865, La Chronologie biblique fixee par les eclipses des inscriptions cuneiformes 1869, Salomon et ses successeurs 1877, La Chronologie de la Genese 1877. Unsere Leser erinnern sich wohl der zwei prachtvollen Artikel, die Oppert in unserer Zeitschrift veröffentlichte, als der von Delitzsch veranlasste Bibel-Babel-Rummel am ärgsten tobte. Die Hauptmerkmale von Opperts geistigem Wesen ist grosser Scharfsinn, geniale Kombinationsgabe, nüchterne Besonnenheit und rücksichtslose Selbstkritik, die ihn veranlasst, die gewonnenen Resultate stets von neuem einer Ueberprüfung zu unterwerfen. Die Anzahl seiner grösseren und kleineren Arbeiten in französischer, deutscher und englischer Sprache dürfte etwa 400 betragen. Seine treue jüdische Gesinnung und sein lebhaftes Interesse für alles Jüdische bekundete Oppert stets mit grossem Eifer. Er ist seit langen Jahren Mitglied des Consistoire Central des Israelites de France, er war einer der Mitbegründer der Societe des Etudes juives, deren Präsident er im Jahre 1904 geworden und an deren Revue er eitrig mitarbeitet. Seit 1876 ist er Mitglied des Zentralkomitees der Alliance Israelite Universelle, seit 1903 gehört er dem Präsidium dieser Gesellschaft an. In allen diesen Stellungen bewährt sich sein Scharfblick und seine grosse Arbeitskraft in hervorragender Weise. Diese prononziert jüdische Gesinnung hat Oppert nicht gehindert, in Frankreich die höchsten Stufen zu erklimmen, die einem Mann der Wissenschaft offen stehen. Im Jahre 1885 wurde er zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. Seit 1881 Mitglied der Academie des Inscriptions, wurde er 1890 zu ihrem Vizepräsidenten, und ein Jahr darauf zu ihrem Präsidenten erwählt. Sein 80. Geburtstag fand den nimmermüden Mann bei rüstiger Arbeit. Möge es ihm noch lange Jahre -vergönnt sein, am Fortschritt der Wissenschaft mitzuschaffen und sich an den köstlichen Früchten seiner Mühen zu erfreuen. )V[oms Rosenfeld. Von 'jfaroslav VrcbUchy. Gs sitzt ein Mann mit Duldermiene In sonnenarmer Ginsamkeit Und tritt, gebückt, die Mähmaschine. 6r kennt nur Kampf und JVüih' und Heid, Die er seit Kindheit tragen muss. Der faden reisst, die J^adel geht, 6r näht und näht Von früh bis spät — Und hinter ihm der Genius. Gr trat aus einer niedren Rütte Xn diesen schweren Kampf ums ßrot. •früh hemmten seine SClanderschritte Gntbehrung, 6lend, Qual und JNfot, Bedrückung, Kränkung und Terdruss, Doch sein Gefühl ist nicht verweht. — Gr näht und näht Ton früh bis spat — Ihm folgte stets der Genius. "Von Londons JSebelgrau umgeben, Im Städtestaub Hmerikas, Durch Cränen blickte er ins Leben: Das Heid auf allen Stiegen sass. Da weckt* in ihm der Musenfeuss Sein Seelenlied wie ein Gebet . . . Gr näht und näht Ton früh bis spät — Bs half ihm nichts der Genius. So näht er bei des Cages fielle, Und näht und näht in Schweiss und Glut, Doch nächtlich schlürft er an der Quelle Mit frommer Gier der Schönheit flut. Da scheucht ihn jäh aus dem Genuss 6in Schatten, der aus Schreck entsteht . . . Und ist's auch spät, Gr eilt und näht — Terstummen muss der Genius. Das Rauschen auf des Karmels Rängen, Der Täter Cräume, süss und bang, Der Brüder Cränen, Zorn und Drängen, Gr webt's zu himmlischem Gesang. Da schlägt die Uhr und mahnt zum Schluss, Dass er zur Hrbeit wieder gebt Und wieder näht Ton früh bis spät — J^icbt rasten darf der Genius. Und keucht' er auch im ^foeb des Hebens, Gr hielt doch heldenmütig stand Und kämpfte wahrlich nicht vergebens, Da er das Lied des Tolkes fand. Und sank auch oft in Schlamm sein fuss, Zur Röhe, klar und sternbesät, <Uo Hetber webt Ton früh bis spät, Grbob sich stolz sein GeniusI autorisierte ttebersetzung aus dem Böhmischen von JVterek Scherlag.