Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1905)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 431 - 432 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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431 Vom Büchertisch. 432 kennen und gewinnen einen Einblick in die russische Volksarbeit, in die sozialen Bestrebungen der Frauen, in das bunte, halborientalische Treiben auf der berühmten Messe zu Nischni- Nowgorod, wo im Jahre 1896 die grosse allrussische Ausstellung stattfand. Wir durchwandern die Krim, die sagenumwobene russische Riviera, den ehemaligen Sitz der Chazaren, wir lernen einige der merkwürdigsten und vornehmsten Bewohner des russischen Parnasses kennen. Eine meisterhafte Schilderung von Warschau leitet die Wanderungen durch Polen ein, welche uns durch den wundervollen Zaubergarten der modernen polnischen Poesie, Kunst und Literatur führen. Des Verfassers feines, tief eindringendes Verständnis für das Individuelle und Eigenartige der verschiedenartigsten Persönlichkeit, seine warmherzige, liebevolle, echt menschliche Sympathie mit dem geistigen und sozialen Ringen und sein Mitgefühl mit den Leiden dei Mühebeladenen treten uns überall wohltuend entgegen. Der jüdische Leser wird — was ihm bei derartigen Büchern so selten passiert — reichlich auf seine Rechnung kommen. Er findet hier nämlich eine ausführliche Schilderung von Tschufut-Kaleh aut der Halbinsel Krim, dem ehemaligen Sitz der Karäer, mit seinen Denkmälern und Sehenswürdigkeiten. In die Schilderung der verschollenen Chazaren und ihrer merkwürdigen Bekehrung zum Judentum findet der Leser eine prachtvolle Charakteristik von Je hu da Halewi und seinem „Cusari", dem wir bekanntlich nähere Kunde über dieses Volk und dessen Reich verdanken. Unter den polnischen Schriftstellern ist ein besonderes Kapitel der Frau Elise Orzeszko gewidmet, die der Verfasser nicht ganz zutreffend die „polnische George Sand" nennt, aber deren zahlreichen Romane und Novellen aus dem jüdischen Leben wohl zu dem Besten gehören, das auf diesem Gebiete je geschaffen wurde. * * * Dr. Julius Reiner: Aus der modernen Weltanschauung. Leitmotive für denkende Menschen. Hannover 1905. Verlag von Otto Tobies. Das Buch füllt eine empfindliche Lücke in der gegenwärtigen Literatur aus. Es ist eine Art von philosophischem Büch mann. Die kernhaftesten Ansprüche der grössten modernen Denker und Forscher über die Grundprobleme des Lebens und des Denkens sind hier in gar trefflicher Auswahl und geschmackvoller Anordnung nebeneinander gereiht. Das Buch zerfällt in sechs Kapitel: Mensch und Natur, Leben und Tod, Ethische Fragen, Religionsphilosophische Probleme. Erkenntnistheorie, Staat und Gesellschaft. Die Zitate aus den Werken der Philosophen sind so gewählt, dass sie den Grundakkord ihres Denkens, die Quintessenz ihrer Forschung bieten — und sie sind derart geordnet, dass Meinung und Gegenmeinung, These und Antithese meist nebeneinander zu stehen kommen. Derart wird jedes Problem meist von vielen Seiten beleuchtet, die widerstreitendsten Anschauungen kommen zu Worte und regen den Leser zum selbständigen Denken an. Das Buch bildet einen guten und zuverlässigen Führer durch das Labyrinth moderner philosophischer Lelrrmeinungen. Lector. MISCELLEN. Henryk Glicenstein, dem in Rom lebenden bedeutenden jüdischen Bildhauer, dessen Leben und Schafifen seinemeit in unserer Zeitschrift eingehend behandelt worden ist, wurden jüngst zwei bedeutsame Ehrungen zu teil. In der am 3. Mai abgehaltenen feierlichen Jahressitzung der Akademie der Wissenschaften zu Krakau zeichnete ihn der Kunstreferent durch eine besonders ehrenvolle Erwähnung aus: „Was die Schöpfungen der plastischen Kunst anbetrifft, so müssen an erster Stelle die Arbeiten unseres jungen Landsmannes Henryk Glicenstein genannt werden, die sich durch aussergewohnliche Frische auszeichnen und bisweilen an die besten Werke der italienischen Renaissance gemahnen." Zwei Bronzestatuen von ihm, „Wanderer" betitelt, die auf der diesjährigen Ausstellung in Rom zu sehen waren, wurden vom König von Italien angekauft. In einem der nächsten Hefte unserer Zeitschrift werden wir die Reproduktionen der beiden Bildwerke veröffentlichen. Wesselys Todestag. In dem Aufsatz über Naphthali Hirz Wessely („Ost und West" Maiheft 1905) wird, nach der Biographie Wesselys von Wittkower, Altona 1880, als der Todestag des Dichters der 1. Adar scheni 1805, als der Beerdigungstag der nächstfolgende 2. Adar scheni angegeben. Im jüngsten Hefte der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" präzisiert Herr Professor D. Simonsen, Kopenhagen, in einer längeren Auseinandersetzung diese etwas unklare Angabe dahin, dass Wessely am 28. Februar 1805, einem Donnerstag, abends gestorben und am Sonntag, den 3. März, zu Grabe getragen wurde. Auf den Freitag fiel der erste Neumondstag des Adar scheni, und der Abend vorher wird nach jüdischem Brauch zu diesem Tage gerechnet, der erste Neumondstag aber wird bekanntlich zum abgelaufenen Monat gezählt. Der 1. Adar scheni fiel also auf den Sabbat. Die Beerdigung konnte daher erst am Sonntag, den 2., vorgenommen werden. Abonnementspreis für das Jahr in Deutschland und Oesterreich Mark 7— (Luxusausgabe Mark 14,—), für das Ausland Mark 8,— (Luxusausgabe Mark 16,—). für Russland ganzjährlich 4 Rubel. Einzelhefte ä 35 Kop. ___Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch alle Postämter des Deutschen___.___„ . ReiCQes unter No. 5785 a der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift. ~ " Anzeigen 75 Pfennig die viergespaltene Petitzeile, grössere Anaeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabati. Stellen-Gesuche und -Angebote sum halben Preise. Adresse für die gesamte Korrespondenz: Verlag „Ost und West", G. m. b. H., Berlin NW. 23, Altonaerstr. 36. Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin, Altonaerstr. 36. — Verlag Ost und West, G.m.b.H., Berlin NW. 23 Druck von Pass & Garleb G. m. b. H., Berlin W. 35.