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Ost und West · 1905-05-01 · Heft 5 (Mai 1905) · p. Seite 325 - 326

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 5 (Mai 1905)
Article
Menschliche Klugheit und menschliche Torheit im jüdischen Sprichwort
Date
1905-05-01
Page
Seite 325 - 326 (sequence 4)
Language
German
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B. Hirsch: Menschliche Klugheit und menschliche Torheit im judischen Sprichwort. 326 ALPHONS LEVY. PARIS. Vor der Klagemauer. Schick einen Narren, dass er die Läden (an deinem Hause) schliesse, und er schliesst sie in der ganzen Stadt. Ein Narr ist ein halber Prophet. Kinder und Narren sagen die Wahrheit. Für Narren sind keine Gesetze geschrieben. Einem Narren grollt man nicht. Einem Verrückten ist alles erlaubt. * * * Mit einem Narren treibt man keinen Scherz. Wäre der Narr nicht einer der Meinigen, auch ich würde mich über ihn lustig machen. * * * Einem Narren darf man keine unvollendete Arbeit zeigen. Weil er sie tadelt, ohne die Vollendung abzuwarten. * * * Einer Dummheit gedenkt man lange. * * * Narren haben hübsche Frauen. * * * Mit dem Narren bahnt man den Weg. * * * ,.AUe Narren müssen hinaus aus dem Bad!" „Geh selber!" antwortet der Narr. Die Dummheit des Narren ist schwieriger zu ergründen, als die Weisheit des Klugen. Wer zu klug sein will, macht die grössien Dummheiten. NAPHTHALI HIRZ WESSELY. Ein Gedenkblatt. Von A. Benesra. . . . Und nicht einer gedachte des armen Mannes. . . . Sang- und klanglos ging sein Sterbetag vorüber, der sich am 1. Adar scheni 1905 zum hundertsten Mal jährte. Denkmäler hat man ihm nicht errichtet, sein Grab wurde nicht bekränzt, populäre Ausgaben seiner Dichtungen wurden unter dem Volke und der Jugend nicht verteilt, Stiftungen wurden auf seinen Namen nicht ins Leben gerufen, kein Festredner feierte sein Andenken, nicht einmal pokuliert und geschmaust hat man ihm zu Ehren an seinem Sterbetage. Wenn seine Nachkommen noch leben und irgendwo in einer Synagoge an seiner „Jahrzeit" ein Lichtlein anzünden und Kaddisch sagen Hessen, so sind sie wahrscheinlich kaum noch imstande, einen Vers in seinen Dichtungen, eine Zeile in seinen Schriften zu entziffern. Ach, er war ja nur ein hebräischer Dichter . . . Und nicht einer gedachte des armen Mannes . . . Und doch war er der edelsten und der besten einer. Eine reine, reiche, tapfere und gütige Seele, der es gegeben war, sich in Tönen von unvergesslichem Klange der Welt mitzuteilen. Sein Name ist eng verknüpft mit den Kämpfen um die innere und äussere Befreiung der Juden, nicht nur in Deutschland. Er war einer von denen, die der europäischen Kultur die Wege in das Ghetto gebahnt haben. Aber er hat nicht nur für seine Zeit gelebt, denn er hat Werke geschaffen, die bis aut den heutigen Tag und noch auf lange Zeit der Nachwelt zur Freude und der Erhebung dienen werden. Und so möge ihm denn hier dieses bescheidene Denkmal ei richtet werden, eine Huldigung der treuen, dankbaren Gemeinde, die ihm heute noch lebt. freilich weit ausserhalb der Gemarken seines Vaterlandes. Im Jahre 1782 schrieb Herder in seinem Buche „Vom Geist der ebräischen Poesie" die folgenden merkwürdiw-' gen Sätze: „Mich ALPHONS LEVY. PARIS, wundert es, dass Betender Jude, Algier.

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