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Ost und West · 1905-04-01 · Heft 4 (April 1905) · p. Seite 281 - 282

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 4 (April 1905)
Article
Davd's Harfe
Date
1905-04-01
Page
Seite 281 - 282 (sequence 1)
Language
German
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231 282 Davd's f)arfe* Die Sage gebt, der fromme König David Liess seine F)arfe überm Bette hängen, Und strich der JSfordwind über ihre Saiten, Grtönten sie in lauten Liederklängen. Darauf erhob der König sich vom Lager, Qm auch in tiefer JNacbt den Rerrn zu preisen, Gr sang vor ihm in Demut seine psalmen, Die fjerzeti öffnen und der Cränen Schleusen. O, beil'ger Sänger! du und deine f>arfe Seid meines trauten "Volkes wahres Siegel, Sein stilles Dulden und sein geistig Streben Xn euch sie finden ihren klaren Spiegel: Wie oft schon war Israels Raupt umdüstert Ton trüber JSfacbt im traurigen Gjcile, Still stand sein ßerz, das sich der f eind erlesen Zu seines pfeiles mörderischem Ziele. Doch strich der J^ordwind hart wie 6isenzackm Heber die Rerzenssaiten scharf und blutig, ertönten sie in heiligen Hobesbymnen, Die aufrecht es erhielten, kühn und mutig. Und stolz erhob das Raupt Tärael wieder Und schritt mit frischer Kraft zu neuem Heben, Den feind, der es mit Rass und CClut bedrängte,- Besiegte es mit geistig hohem Streben. O töne weiter, Rarfe meines Volkes, Xn bellen Klängen trotz des feindes (Hüten, Zerstört' der frost dir alles grüne Leben, Die Sonne schafft und fördert neue Blüten. Sei nicht verzagt, Israel, deine Sonne, (denn auch verhüllt oft, scheint doch strahlend wieder, Und tränt dein Hug' von Buss- und Reuepsalmen, Bald strahlt es beim Gesang der f reibeitsiieder. Baden. X Infeld. AUS DER JUDISCHEN SAGEN- UND MÄRCHENWELT. Von Bar-Ami. II.1) Nachdruck Der Traum, ein Leben. War einmal ein reicher Gutspächter, der wählte für seine Tochter einen frommen und gelehrten jungen Mann zum Gatten. Einige Jahre lang sass der junge Mann im Hause seines Schwiegervaters, dem Studium der heiligen Bücher und frommen Uebungen ergeben. Nachher jedoch fing er an, deutsche Bücher zu studieren und wurde wankend im Glauben. Doch musste er seine Gedanken verbergen, da er nicht Herr seiner selbst war. Daher sann er auf ein Mittel, das Haus des Schwiegervaters zu verlassen. Zu diesem Zweck gab er vor, dass er in eine ferne Stadt reisen wolle, um dort einen Handel zu beginnen und sich von der Arbeit seiner Hände zu ernähren. Im Herzen aber dachte er, wenn ich nur mein Geld von ihm herausbekommen habe, mache ich mich auf nach Alexandrien1) in Aegypten und ergebe mich dort dem Studium der unheiligen Wissenschaften und Künste. Denn er war schon so sehr mit dem Glauben zerfallen, dass das Herz ihn immer stärker zu diesen Dingen hinzog. Der Alte widersetzte sich anfangs dem Plane, doch der Eidam wusste ihn zu beschwatzen: „Was hat es 2) Siehe „Ost und West" Heft IL 2) Den jüdischen Volksmassen in Osteuropa gilt Aegypten noch immer als Hauptsitz aller gottwidrigen und unheiligen Lehren und Wissenschaften. Die Aufklärung und Zweifelsucht in religiösen Dingen kam ihnen stets von „deutschen Lüchern". verboten. für einen Zweck, immer über den Büchern zu sitzen und sich von den Eltern ernähren zu lassen? Ich will versuchen, auf eigenen Beinen zu stehen." Der Alte gab endlich nach, doch musste sich der Junge verpflichten, bevor er die Reise antrat, sich von dem alten Rabbi in seiner Heimatsstadt, der sein Lehrer gewesen, zu verabschieden. Nun reiste er auf den Sabbat in seine Heimat. Am Freitag abends, nach dem Gottesdienst, sass unser junger Mann beim Tische des Rabbi mitten unter den anderen Jüngern. Als der Rabbi anfing „Thora"2) zu sagen, wurde dem jungen Ketzer sehr heiss, die Worte des Meisters konnte er nicht ertragen, denn im Herzen war er schon gründlich verdorben. Er legte also seine Pelzmütze ab und im blossen Käppchen ging er hinaus, um in der schönen Sommernacht einen •Spaziergang zu machen. , Draussen versank er in Sinnen, da er ja so Wichtiges vorhatte, und im Gehen entfernte er sich immer mehr vom Hause, bis er ganz vom Wege abirrte. Als er aus dem Sinnen erwachte., konnte er den Rückweg nicht finden. Er fing an. aufs Geratewohl vor sich hinzugehen, ging und ging, wohin ihn die Füsse trugen, bis er in der Ferne eine Stadt sah. Als er aber näher kam, merkte er, dass es nicht eine Stadt, sondern ein Gebüsch war. Aber im Gebüsch funkelte ein Lichtlein. Dem Lichtlein l) „Thora" heisst eine Art Tischpredigt, die der Rabbi über moralische und religiüse Themata hält.

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