Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Date
- 1905-04-01
- Page
- None (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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OsF^esr ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^^ FÜR MODERNES JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Bezugs- und Insertions-Bedingungen auf der letzten Textseite. Alle Rechte vorbehalten. Heft 4 April 1905 V. Jahrg. JULIUS FUERST. Zu seinem hundertjährigen Geburtstage. Von Dr. M. Kayserling, b"r Budapest.1) Nachdruck verboten. Es nahet der hundertjährige Geburtstag eines Mannes, der wegen seiner sprachwissenschaftlichen Leistungen und anderweitigen literarischen Arbeiten es verdient hat, dass ihm ein Wort der Erinnerung gewidmet wird: es ist dies Professor Dr. Julius Fürst, der nächst J. Rubo, welcher eine kurze Zeit in Halle dozierte, der erste jüdische Dozent an einer deutschen Universität war. Aus mühevollen Anfängen hat er sich durch rastlos geistiges Ringen und Streben zur wissenschaftlichen Höhe emporgearbeitet. Geboren am 12. Mai 1805 in Zerkowo, einem kleinen Orte im Grossherzogtum Posen, wurde er nach damaliger Sitte frühzeitig zum Studium der Bibel und des Talmuds angehalten. Armut, diese harte Erzieherin, welche wie vielen hervorragenden jüdischen Gelehrten auch ihm nicht fehlte, lehrte ihn früh die grosse Kunst, für sich selbst zu sorgen. Nachdem er sich die deutsche Sprache, mit der er bis zu seinem dreizehnten Jahre unbekannt war, zu eigen gemacht hatte, trat er im Jahre 1820 ins Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin. Fünf Jahre später widmete er sich auf der dortigen Universität philosophischen und theologischen Studien, verliess aber bald Berlin, um in Posen ausschliesslich seiner rabbinischen Ausbildung zu leben. Den Plan, Rabbiner zu!) Während das vorliegende Heft sich bereits im Drucke befand, ereilte uns die Trauerkunde von dem Ableben unseres hochverehrten Mitarbeiters, des berühmten jüdischen Gelehrten Herrn Prof. Dr. M. Kayserling, der im 76. Lebensjahre, am 21. April Abends, nach kurzem schwerem Leiden, sanft entschlummert ist. Die vorliegende kleine Abhandlung Uber Julius Fürst ist die letzte literarische Arbeit dieses hervorragenden jüdischen Historikers, Uber dessen Schaffen und Wirken wir in einem der nächsten Hefte ausführlich berichten werden. (Die Redaktion von „Ost und West".) werden, gab er nach einigen Jahren jedoch auf. Er bezog sodann die Universität Breslau, wo er orientalische und archäologische Studien trieb, welche er dann in Halle, wo er Schüler Gesenius' war, fortsetzte. Nach Vollendung seiner akademischen Studien wählte er Leipzig zum ständigen Aufenthalte. Im Jahre 1839 wurde er als Lektor an der dortigen Universität zugelassen und erst nach fünfundzwanzigjähriger Wirksamkeit als akademischer Lehrer zum Professor ernannt. Er blieb Titularprofessor bis zu seinem am 9. Februar 1873 erfolgten Tode. Der die Wissenschaft liebende Prinz Johann von Sachsen besuchte häufig seine Vorlesungen; eine ordentliche Professur hat er wegen seines Bekenntnisses nie erreicht. Das ist in aller Kürze der Lebenslauf des Mannes, dem vielseitige Sprachkenntnisse, reiches Wissen und unermüdlicher Fleiss selbst von seinen Gegnern willig zugestanden werden, und dessen Leistungen auf dem Gebiete der orientalischen Sprachwissenschaft und insbesondere der Lexikographie von bleibendem Werte sind. Gleich sein erstes Werk, das er als junger Mann von kaum dreissig Jahren veröffentlichte, sein „Lehrgebäude der aramäischen Idiome" (Leipzig, 1835), erregte in jüdischen und christlichen Gelehrtenkreisen Aufsehen; es war eine bahnbrechende Leistung. Durch die Engländer war erst das genauere Verständnis einer der reinsten Sprachen der ganzen Welt, welche man früher gar nicht gekannt hatte, erweckt und verbreitet, nämlich das Sanskrit, an das dann die Sprach-