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Ost und West · 1905-03-01 · Heft 3 (März 1905) · p. Seite 181 - 182

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 3 (März 1905)
Article
Kinderbildnis [Illustration]
Date
1905-03-01
Page
Seite 181 - 182 (sequence 1)
Language
German
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MARIE COHEN. Kinderbildnis. HAMBURG. MARIE COHEN. Nachdruck verboten. Es bietet zuweilen einen eigenartigen Genuss, den ersten Aufflugeines werdenden Talentes zu beobachten, wenn die Stunde des Erwachens vorüber ist und ihm das Bewusstsein der eigenen Kraft immer klarer und deutlicher vor die Seele tritt, das unsichere Tasten und Schwanken aufgehört hat, und der Schaffensdrang sich immer kräftiger und unbezwinglicher meldet und es antreibt, die Erscheinungen der sinnlichen Welt zu erfassen, sie in künstlerische Formen zu bannen und ihnen eine Seele einzuhauchen. Temperament, Neigungen und Gemütsart des Künstlers offenbaren sich da zuweilen mit einer köstlichen Naivetät, von keiner Konvenienz eingeengt, von keinem Bedürfnis nach äusserem Erfolge geleitet, von keiner Routine gehemmt und von keiner Manier. Und man fühlt sich unwillkürlich angelockt, den Horoskop zu stellen, zu erraten, welchen weiteren Weg wohl das Talent nehmen werde von allen Entwickelungsmöglichkeiten, die .sich vor ihm eröffnen, um dann vielleicht die Freude zu erleben, alle Voraussagungen und Prophezeiungen Lügen gestraft zu sehen, indem der Künstler sich einen Weg bahnt, von dem es uns nicht geträumt hat. Solch ein Talent ist Marie Cohen, eine junge Hamburgerin, deren Bilder auf den Sezessionsausstellungen Berlins und Münchens zu sehen waren und die soeben einige Gemälde im Salon Mutz ausstellt. Sie alle zeigen eine grosse Beherrschung der Technik und eine bedeutende Selbständigkeit in der Auffassung und im Ausdruck. Diesen Schöpfungen scheint eine emsige, fleissige Arbeit im Stillen vorausgegangen zu sein, begleitet von einer scharfen Selbstkritik, die die Künstlerin alles ausscheiden Hess, was ihr nicht vollwertig zu sein schien, um dem Auge des Beschauers nur das darzubieten, worin sie das Beste ihres Könnens und das Innigste ihres Empfindens wiederzufinden glaubte. Die sieben Bilder, die man von ihr sehen kann, weisen sämtlich in der Auffassung sowohl wie in der Ausführung einen gemeinsamen Zug auf: eine gedämpfte Schwermut, eine verhaltene Melancholie, voll tiefer Innerlich- Marie Cohen. keit. Ein weiches, zartes Helldunkel

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